Milliarden-Pleitier und Schlossherr vor Gericht

Die Familie Erb schrieb Finanzgeschichte. Der Zusammenbruch ihres Imperiums ist nach der Swissair die zweitgrösste Firmenpleite der Schweiz. Der angeklagte Rolf Erb wohnt noch immer in einem Schloss.

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Am 23. Januar steht Rolf Erb vor den Richtern am Bezirksgericht Winterthur. Damit rollen die Anwälte nach dem Swissair-Debakel die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Geschichte auf.

Noch im Jahr 2002 schätzte die «Bilanz» das Vermögen der Erb-Familie auf rund 1,5 Milliarden Franken. Was mit einer Garage in Winterthur-Töss begann, mauserte sich zu einem weltweit tätigen Konzern, der durch Autohandel, Küchenbau und Finanzdienstleistungen jährlich Umsätze in Milliardenhöhe erzielte. Die Erbs zählten zum Kreis der reichsten Schweizer.

Zum Zerfall des Imperiums führten Investitionen der Winterthurer Unternehmer in Deutschland. Die Familie besass gegen 90 Prozent der abgewirtschafteten Kölner Immobilienfirma CBB. Diese hatte nach dem Mauerfall in Deutschland Berliner Liegenschaften und Häuser in Ostdeutschland zu überhöhten Preisen gekauft und damit massive Verluste eingefahren.

Banken drehen Geldhahn zu

Die Familie Erb schöpfte insgesamt 1,2 Milliarden Franken aus ihren rentablen Geschäften ab und liess diese in die Kölner Firma fliessen – und damit in ein bodenloses Finanzloch. Ein Vertrag verpflichtete sie dabei für die Verluste der CBB und ihrer Tochtergesellschaften aufzukommen. Das Kölner Finanzloch blutete die Winterthurer Firma aus.

Die Banken beschlossen diesem Geldabfluss nicht länger zuzuschauen und kündigten die Banklimiten des Unternehmens. Damit war der Zerfall der Erbgruppe, die rund 5000 Angestellte beschäftigte und rund 5 Milliarden Franken Umsatz erzielte, im Juli 2003 besiegelt. Ein Verlustgeschäft für die involvierten Banken, die Beträge in Milliardenhöhe abschreiben mussten.

Widerrechtlich ein Schloss verschenkt?

Während der Winterthurer Historiker und Journalist Thomas Buomberger in seinem Buch über die Erb-Pleite Rolf Erb für diese defizitären Geschäfte verantwortlich macht, wehrt sich dieser in einer eigenen Publikation gegen diese Vorwürfe. Vor Gericht will er glaubhaft machen, dass sein Vater, der inzwischen verstorben ist, und nicht er für diese Transaktionen verantwortlich war.

Nebst der Verantwortung der Firmenpleite und einem Schuldenberg in Milliardenhöhe werden die Bezirksrichter auch über die Liegenschaften der Familie Erb befinden müssen. Rolf Erb hatte nämlich kurz vor dem Zerfall des Imperiums das Schloss Eugensberg am Bodensee, die Winterthurer Villa Wolfensberg und das Zentrum Töss an seine Kleinkinder überschrieben und sie damit vor den Gläubigern gerettet. Widerrechtlich, so die Meinung der Staatsanwaltschaft. Allein der Wert des 100 Hektaren grossen Anwesens des Schlosses Eugensberg ob Salenstein am Bodensee wird auf rund 100 Millionen Franken geschätzt. Rolf Erb ist dort bis heute wohnhaft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2012, 12:34 Uhr

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