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Mit der Machete auf Amokfahrt durchs Limmattal

Ein Mann sorgte mit einem 37-minütigen Ausraster für Angst und Schrecken. Heute weiss er nicht mehr, was er getan hat.

Eine ungewöhnliche Tat wurde vom Bezirksgericht Dietikon beurteilt.
Eine ungewöhnliche Tat wurde vom Bezirksgericht Dietikon beurteilt.
Keystone

Auf zehn Seiten breitet die Staatsanwaltschaft minutiös aus, was sich in der Nacht auf den 1. April 2017 – genau genommen: in den 37 Minuten zwischen 3.15 Uhr und 3.52 Uhr – zugetragen hat. Wird der heute 34-jährige Beschuldigte nach den damaligen Geschehnissen in Dietikon, Schlieren, Zürich und Spreitenbach gefragt, kommt die dürre Antwort: «Ich habe keine Erinnerung daran.» Was in der Anklageschrift steht, haben denn auch die Opfer erzählt. Der Beschuldigte bestätigt ihre Angaben indirekt: «Das kann möglich sein.» Aber eigentlich ist es unmöglich, weil ein Mensch unter normalen Umständen so etwas nicht tut.

Der gelernte Bauzeichner war damals zunächst in Dietikon mit seinem Auto fünf- bis sechsmal hintereinander absichtlich in das Heck des vor ihm fahrenden Autos geprallt. Als der Betroffene seinen Smart anhielt und ausstieg, um Nachschau zu halten, rannte der Beschuldigte, mit einer 60 cm langen Machete Schlagbewegungen ausführend, schreiend auf den Betroffenen zu. Als der seinerseits davonrannte, verfolgte ihn der 34-Jährige noch ein paar Meter, stieg dann in das Auto des Geflüchteten und fuhr davon, sein eigenes Auto auf der Strasse zurücklassend.

Frontalkollision provoziert

Einige Minuten später überholte der Mann auf der nun zweispurigen Fahrbahn einen Chevrolet und verursachte dabei absichtlich eine seitliche Streifkollision. Auch hier wiederholte sich das gleiche Spiel – mit einem Unterschied: Der Betroffene floh mit seinem Auto, als er den heranstürmenden Mann mit der Machete wahrnahm. Der Täter verfolgte ihn, überquerte in der Folge die Mittellinie und fuhr frontal auf den Geschädigten zu, der im letzten Moment, um eine Frontalkollision zu verhindern, aufs Trottoir auswich.

Noch immer mit dem Smart des ersten Opfers unterwegs, fuhr der Mann auf Höhe Badenerstrasse 820 in Zürich zweimal von hinten in einen Mercedes hinein. Als die beiden Insassen ausstiegen, rannte er mit der Machete auf den Fahrer los und verletzte ihn mit dem kantigen Rücken der Waffe am Ober- und Unterschenkel. Nun liess er den Smart stehen, schnappte sich den Mercedes.

Mit 100 km/h auf dem Trottoir

Nachdem er ein paar Hundert Meter weiter von hinten in einen anderen Mercedes gefahren war, setzte er seine Fahrt vorübergehend auf dem Tramtrassee fort, ehe er in der Hohlstrasse mit Tempo 100 ein Taxi auf der linken Seite und teilweise auf dem Trottoir fahrend überholte. Zurück in Dietikon fuhr er in einen Citroën, der durch den Aufprall in einen Mercedes geschoben wurde.

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Schliesslich bedrohte der 34-Jährige mit seiner Machete einen Mann, der in Spreitenbach Waren auf einer Rampe abgeliefert hatte. Dieser konnte fliehen und zwei Polizisten auf den Angreifer aufmerksam machen. Als auch diese angegriffen wurden, setzten sie ihre Taser ein, wobei erst der vierte Schuss die erwünschte Wirkung zeigte.

Auto und Führerausweis weg

Der Beschuldigte stand während der Amokfahrt zwar unter Kokaineinfluss. Viel stärker aber war die Wirkung seiner manischen Phase. Bei dieser schweren psychischen Störung können Betroffene zu Grössenwahn und Selbstüberschätzung neigen, was sich in leichtsinnigem oder tollkühnem Verhalten äussern kann.

Laut Psychiater ist der Mann schuldunfähig, er durfte deshalb nicht bestraft werden. Das Bezirksgericht Dietikon ordnete deshalb eine ambulante Massnahme an. Ein Auto oder den Führerausweis besitzt der Mann nicht mehr.

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