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Mit Tempo 120 quer durch die Stadt Zürich

Die zwei eleganten Bahnviadukte zwischen HB und Altstetten gehen am 13. Dezember fahrplanmässig in Betrieb – trotz eines Konstruktionsfehlers.

Eine der letzten Möglichkeiten für einen Spaziergang über die 1156 Meter lange Letzigrabenbrücke. Im Brückentrog liegen bereits die Schienen – bereit für den Einbau.
Eine der letzten Möglichkeiten für einen Spaziergang über die 1156 Meter lange Letzigrabenbrücke. Im Brückentrog liegen bereits die Schienen – bereit für den Einbau.
Sabina Bobst
Der Brückentrog sieht anders aus als ursprünglich geplant: Statt auf Schotter werden die Schienen direkt auf den Beton montiert. Zur Schalldämmung werden zwischen Schiene und Beton vibrationsdämpfende Gummiblöcke eingebaut.
Der Brückentrog sieht anders aus als ursprünglich geplant: Statt auf Schotter werden die Schienen direkt auf den Beton montiert. Zur Schalldämmung werden zwischen Schiene und Beton vibrationsdämpfende Gummiblöcke eingebaut.
Sabina Bobst
Zwischen kältestem Winter und heissestem Sommer kann die Brücke bis zu einem halben Meter wachsen. Deshalb klaffen am Anfang und am Ende der beiden Rampen je eine Fuge, auf der Schienen, Kabel und Kabelkanäle rutschen können.
Zwischen kältestem Winter und heissestem Sommer kann die Brücke bis zu einem halben Meter wachsen. Deshalb klaffen am Anfang und am Ende der beiden Rampen je eine Fuge, auf der Schienen, Kabel und Kabelkanäle rutschen können.
Ruedi Baumann
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Ende Jahr wird das längste Bauwerk der SBB in Betrieb genommen. Ab dem 13. Dezember fahren Züge vom Durchgangsbahnhof Löwenstrasse direkt nach Altstetten. Statt in einer Schlangenlinie über das halbe Gleisfeld rollen sie über zwei Brücken. Dann ist die Durchmesserlinie (DML) noch leistungsfähiger als bisher.

Nach rund sieben Jahren gehen die Bauarbeiten an der zweiten Etappe der DML in die letzte Phase, wie die SBB am Montag mitteilte. Die spektakulärsten Bauwerke zwischen dem Hauptbahnhof und Altstetten sind die beiden filigranen Brücken, die den ausfahrenden Zügen Richtung Westen dienen.

Längster Viadukt

Die 394 Meter lange Kohlendreieckbrücke beginnt bei der Strassenunterführung Langstrasse und reicht bis zur Hardbrücke. Die anschliessende Letzigrabenbrücke überquert in einem grossen S-Bogen das gesamte Gleisfeld samt Duttweilerbrücke. Sie ist mit 1154 Metern der längste Bahnviadukt der Schweiz.

Seit Ende 2014 sind die Brücken im Rohbau fertig. Bis im Herbst werden nun Schienen und Schwellen verlegt sowie Fahrleitungen und Kabel eingebaut. Derzeit wird auf beiden Brücken eine feste Fahrbahn aus Beton erstellt.

Planungsfehler mit Folgen

Das war so nicht vorgesehen. Ursprünglich war ein Schotterbett geplant. Im vergangenen November war jedoch ein Konstruktionsfehler entdeckt worden. Jeweils über den Pfeilern hatten sich im Brückentrog feine Risse gebildet. Die Diagnose ergab, dass die Bodenplatte dort, wo sie auf den Pfeilern aufliegt, zu schwach dimensioniert war.

Um das Bauwerk zu retten, entschieden die Ingenieure, über jedem der 30 Pfeiler bis zu acht Vorspannkabel aus Stahl quer über die Fahrbahn einzuziehen und an der Aussenseite über Ankerköpfe zu fixieren. Die Querspannkabel halten den Betontrog zusammen und verhindern, dass sich die Bodenplatte nach oben wölben kann.

Weil diese Querspannkabel nicht lose unter den Gleisen geführt werden können, wird die Fahrbahn nicht geschottert, sondern auf der ganzen Länge mit einer 60 Zentimeter dicken Betonschicht versehen. Dank der zusätzlichen Betonplatte kann laut Abschnittsleiter Michel Brun die Gesamtstabilität der Brücken garantiert werden.

Testfahrten ab Oktober

Ab dem 5. Oktober beginnen auf der Kohlendreieck- und auf der Letzigrabenbrücke Testfahrten. Ab dem 13. Dezember verkehren dann vier Fernverkehrszüge pro Stunde und Richtung auf der Ost-West-Achse via Durchmesserlinie und halten im Bahnhof Löwenstrasse.

Richtung Westen fahren die Züge über die beiden einspurigen Brücken und überqueren so kreuzungsfrei das ganze Gleisfeld, bevor sie ab dem Bahnhof Altstetten die bestehenden Schnellzugsgleise benutzen. Das Wenden der Züge im Kopfbahnhof Zürich mit entsprechend langen Zwischenhalten gehört dann der Vergangenheit an. Auf der Kohledreieckbrücke gilt Tempo 80, auf der Letzigrabenbrücke dürfen die Züge bis Tempo 120 beschleunigen.

Die Durchmesserlinie führt von Zürich-Altstetten nach Oerlikon. Die erste Etappe mit dem Durchgangsbahnhof Löwenstrasse und dem Weinbergtunnel war im Juni 2014 eingeweiht und für die S-Bahn in Betrieb genommen worden.

SDA/rba

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