Mit verlotternden Häusern Geld machen – mit Sozialhilfebezügern

Investor Peter Sander verdient mit drei maroden Liegenschaften gutes Geld, weil er sie mit Sozialhilfebezügern belegt, schreibt der «Beobachter». Der Besitzer wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Laut Besitzer leben nur wenige Sozialhilfebzüger in den Wohnungen: Zwei Liegenschaften von Peter Sander an der Neufrankengasse.

Laut Besitzer leben nur wenige Sozialhilfebzüger in den Wohnungen: Zwei Liegenschaften von Peter Sander an der Neufrankengasse. Bild: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Zürcher Kreis 4 verlottern verschiedene Immobilien von Investor Peter Sander aus Küsnacht. Mieter in den Häusern an der Neufrankengasse oder der Magnusstrasse beschweren sich über überbelegte Zimmer, undichte Fenster, kaputte Rollläden oder gar Erbrochenes im Lift. In einzelnen Liegenschaften wird laut Stadtpolizei gar gedealt. Die Zustände werden von Sozialarbeitern als «unerträglich» beschrieben. Doch ausziehen liegt für die Mieter nicht drin: Sie seien zum Grossteil Sozialhilfebezüger und hätten keine Chance, etwas anderes zu finden, schreibt der «Beobachter» in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Ein Bewohner einer Sander-Liegenschaft sagt gegenüber der Zeitschrift: «Weder der Vermieter noch der wenig engagierte Hauswart kümmert sich ernsthaft um Verbesserung. Hier wird abkassiert.» Er bezahlt rund 1200 Franken für sein 1-Zimmer-Appartement. Leisten kann es sich der schwer vermittelbare Arbeitslose nur dank Unterstützung des Sozialamtes, welches auch seine Kaution bezahlt hat. Da die Wohnung mehr als die 1100 Franken kostet, die das Amt für Wohnraum höchstens bezahlt, berappt er die zusätzlichen Kosten vom Rest seiner Sozialhilfe.

Soziale Dienste kennen Problem

Bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich kennt man das Problem, dass «gewisse Vermieter die von der Sozialbehörde festgelegten Obergrenzen für die Mietkosten von Wohnraum ausreizen», erklärt deren Sprecher Guido Schwarz. «Wir sind nicht glücklich darüber.»

Dennoch habe das Sozialdepartement kaum Möglichkeiten einzuschreiten: «Die Mietverhältnisse sind eine privatrechtliche Vereinbarung zwischen Mieter und Vermieter.» Deshalb könne es in Verhandlungen über Mieten oder Zustände in den Liegenschaften auch nicht als Partei auftreten. Einzig möglich sei, dass die Klienten darauf hingewiesen würden, dass sie eine überteuerte Miete anfechten könnten: «Da es für Sozialhilfeempfänger ohnehin äusserst schwierig ist, in der Stadt Zürich überhaupt eine Wohnung zu finden, werden sie sich diesen Schritt aber sicherlich sehr gut überlegen.»

Um «unerwünschten Zuständen etwas entgegenzuwirken», hat die Sozialbehörde ihre Richtlinien allerdings im September letzten Jahres angepasst, wie Schwarz erklärt. Für ein Einzelzimmer ohne eigene Küche, Bad und WC übernimmt sie seither höchstens 900 Franken. Sind die Wohnungen aber damit ausgerüstet, bleibt der Maximalbetrag bei 1100 Franken.

Besitzer: «Kein grosses Geschäft»

Besitzer Sander erklärt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass er sich bewusst sei, dass es in seinen Liegenschaften Probleme mit Dealern und einzelnen Bewohnern gebe. Allerdings weist er den Vorwurf, mit Sozialhilfebezügern in maroden Liegenschaften Geld zu machen, klar von sich: «Bei Neuvermietungen verlange ich in den Häusern zwar vergleichsweise tiefe Mieten, aber sie sind höher als die 1100 Franken, die das Sozialamt für einen Einpersonenhaushalt höchstens zahlt.» Maximal 20 Prozent der Mieterschaft bestünden aus Sozialhilfebezügern, welche schon lange in den Wohnungen lebten, neue kämen nicht hinzu. «Sie sind keine attraktiven Mieter.» Der grösste Teil bestehe aus weniger gut verdienenden Leuten wie Gastromitarbeitern, Studenten oder Reinigungsfachkräften, die zu einem günstigen Preis zentral wohnen wollten.

Auch wehrt sich Sander gegen den Vorwurf, die Häuser verlottern zu lassen: «Sobald ein Mieter einen Schaden reklamiert, handle ich umgehend.» Zudem habe er eine 100-Prozent-Stelle geschaffen, die sich allein um die Reinigung der Liegenschaften kümmere. Dies geschehe täglich. «Das Problem ist, dass von 50 Mietparteien drei oder fünf reichen, die sich nicht gut verhalten, und schon sehen die öffentlichen Bereiche eines Hauses schlecht aus.» So habe er beispielsweise mehrfach Kündigungen gegen Mieter ausgesprochen, die offensichtlich mit Drogen gedealt hätten. «Nur ist dies kein Kündigungsgrund, der vor der Schlichtungsbehörde standhält.» Er sei aber in ständigem Kontakt mit Polizei und Behörden und handle, wo immer möglich.

Die Immobilien würden zwar eine Rendite erwirtschaften, diese fiele aber gering aus: «Ich setze darauf, dass sich das Quartier mit dem Ausbau der Lagerstrasse aufwertet. Zum jetzigen Zeitpunkt mache ich kein grosses Geschäft.» Im Kreis 4 wolle er aber auch dem Trend entgegenwirken, dass überall nur teure Luxuswohnungen entstünden. Er ist aber auch offen dafür, die Liegenschaften zu verkaufen, weil sie viel Aufwand bedeuten: «Ich habe dies auch der Stadt angeboten, aber die wollen sich die Probleme nicht aufhalsen.»

Diese Frage stelle sich für das Sozialdepartement nicht, da es keine günstigen Wohnungen vermiete, erklärt Sprecher Schwarz: «Die Wohnangebote des Sozialdepartements richten sich gemäss der Verordnung des Gemeinderats zur Wohnintegration an Personen und Familien, die ohne fachliche Unterstützung nicht in der Lage sind, Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit aus eigener Kraft abzuwenden oder zu überwinden.» Diese seien immer mit einer Betreuung verbunden und entsprechend teurer.

Erstellt: 20.03.2014, 16:38 Uhr

Artikel zum Thema

Luxusstudios statt Puffs

In den ehemaligen Milieuliegenschaften im Kreis 4 entstehen kleine und teure Wohnungen. Oder sie werden an Sozialhilfeempfänger vergeben. Mehr...

«Ich will nichts mehr mit den Machenschaften im Kreis 4 zu tun haben»

Der Chef des Chilli's im Zürcher Bermudadreieck hat genug. Er will den Nachtclub abgeben und sich ganz ins Hotelgeschäft zurückziehen. Das zuständige Amt hat den Betreiberwechsel per 1. März bewilligt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...