Nach der Heirat die Haft

Der Millionär Peter Sander arbeitete sich aus dem Kreis 11 in den Geldadel der Goldküste empor. Dieses Jahr gewann sein Pferd ein Rennen, er heiratete – und wurde verhaftet.

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Die Gegensätze im Leben des Millionärs Peter Sander könnten kaum grösser sein. Im Mai noch ist der Immobilien­investor aus Küsnacht unglaublich stolz auf seinen Erfolg als Rennpferdbesitzer. Seine Stute hat als krasse Aussenseiterin ein internationales Rennen gewonnen, reiche Araber wollen sie sogleich kaufen. Sander spekuliert öffentlich über fette Gewinne. Zu Hause in Küsnacht kümmert er sich um den Ausbau seiner Villa. Ein stattlicher Bau komplett in Weiss, der Pool hinter Trennwänden versteckt, der Blick von der Terrasse reicht bis zum Uetliberg.

Der 49-Jährige geht viel mit dem Hund spazieren, fährt seinen Porsche aus und schaut mit Freude in die Zukunft: Im Sommer heiratet er seine zweite Frau. Sie ist zwanzig Jahre jünger als Sander, sieht blendend aus und stammt aus einer reichen Zürcher Familie. Standesgemäss geben sie sich in St. Moritz das Jawort. Der Luxusort im Engadin ist sein zweites Zuhause. Hier lässt er regelmässig seine Pferde am prestigeträchtigen White Turf starten oder kämpft mit seinem Poloteam um Punkte. Als er ­einen Freund bei der Eröffnung des Restaurants Posthaus unterstützt, muss er in der Küche helfen, so gross ist der Ansturm. Als ihn ein Kollege aus der Immobilienszene an der Spüle sieht, witzelt dieser in der «Weltwoche»: «Vom Tellerwäscher zum Millionär und zurück.»

 Sander verlangt, was die öffentliche Hand bezahlt.

Peter Sander ist in Zürich-Nord aufgewachsen, unter einfachsten Verhältnissen. Mit einer Lehre als Treuhänder im Sack ist er in die feine Gesellschaft aufgestiegen. Dann kam der vergangene Dienstag. Die Polizei führte Sander aus seiner Villa ab – zusammen mit seinem Geschäftspartner und dessen Freundin, die in der Wohnung unter ihm wohnen. Dem Trio wird vorgeworfen, sozial Benachteiligte systematisch ausgenutzt zu haben. Die Masche: Mietern, die sonst keine Wohnung finden, bieten sie kleine, heruntergekommene Bleiben an. Sander verlangt just so viel, wie die öffentliche Hand maximal bezahlt. Denn in vielen Fällen erhält er die Mieten direkt von den Sozialbehörden. Nun muss sich das Trio einer Untersuchung wegen gewerbsmässigen Mietwuchers stellen.

Den Bildern der Lotterwohnungen zum Trotz: Bekannte zeigen sich schockiert. Sie halten die Verhaftung für «politisch motiviert» und «völlig überrissen». Der Geschäftsmann sei im rot-grünen Zürich nicht gern gesehen, weil er die Stadt aufwerte.

Ehemaliger Spitzenhandballer

Wie Sander geschäftet, werden die Behörden nun herauszufinden versuchen. Anfang der Nullerjahre war er in der Schweiz an einer Privatklinik, einer Beratungs- und Versicherungsfirma sowie einer Investmentunternehmung beteiligt. Die Firmen wurden fusioniert oder verkauft – und Sanders Name taucht seither nicht mehr im Handelsregister auf. Seit über einem Jahrzehnt investiert der Millionär hierzulande sein Geld offenbar direkt als Privatperson. Der ehemalige GC-Handballer zeigt eine Vorliebe für Milieuliegenschaften im Kreis 4. Er kauft nicht nur die am Dienstag von der Polizei untersuchten Häuser an der Neufrankengasse und Magnusstrasse, sondern besitzt über ein Dutzend Objekte im Chräis Chäib und im Kreis 5.

In diesem Umfeld mit Drogensüchtigen, Randständigen und Sozialhilfe­bezügern stellt er sich im «Beobachter» noch im vergangenen Jahr als Opfer der Umstände dar. Sander stellt die Frage in den Raum, ob man denn einen Schritt weiter wäre, wenn er die Mieter rauswerfen würde. Die Antwort gibt er gleich selbst: «Die Behörden hätten immens Mühe, Wohnungen für diese Leute zu finden. Es geht hier ja auch um ein soziales Problem.»

Ob der 49-Jährige sein Luxusleben bald wieder fortführen kann, wird sich heute Donnerstag zeigen. Dann teilt die Staatsanwaltschaft mit, ob der Verhaftete in Untersuchungshaft gesetzt oder freigelassen wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2015, 23:36 Uhr

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