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Nach Giftanschlag auf Falke: Taubenzüchter verurteilt

Im Zürcher Unterland soll ein Mann versucht haben, einen Greifvogel mit einer vergifteten «Kamikazetaube» zu töten. Er erhielt heute eine Strafe von 300 Tagessätzen.

Prominenter Fall aus dem Jahr 2011: Ein Wanderfalke starb nach dem Verzehr einer vergifteten Taube im Kreis 5 – wegen eines ähnlichen Delikts steht ein Mann heute vor Gericht. Video: Youtube/Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz (9.5.2011)

Es waren traurige Bilder, welche die Webcam von Grün Stadt Zürich auf dem Kamin der Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse im Kreis 5 aufgezeichnet hatte. Dort nistete regelmässig ein Falkenpaar. Dann, am Morgen des 9. Mai 2011, landete das Falkenweibchen mit einer toten Taube auf dem Vorplatz des Nistkastens und begann die Beute zu rupfen. Kurze Zeit später fing das Tier an zu schwanken und stürzte vornüber, aufmerksam beobachtet von den drei Jungvögeln. Die Untersuchung des verendeten Vogels ergab: vergiftet mit einem Pflanzenschutzmittel.

In den letzten Jahren sind in der Stadt und im Kanton Zürich wiederholt Wanderfalken vergiftet worden. Die Kadaver der streng geschützten Greifvögel wurden oft an ihren Brutplätzen entdeckt – nach dem Verzehr von sogenannten «Kamikazetauben». Die Tauben werden mit Gift bestrichen, als Köder in die Luft geschickt und von Wanderfalken geschlagen. Beim Rupfen der Federn vergiften sich die Falken. Einen mutmasslichen Falkenhasser haben die Behörden im Zürcher Unterland ermittelt: Der 36-jährigen Kosovare muss sich heute vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten.

Vorwurf: Versuchte qualvolle Tötung

Die Staatsanwältin wirft dem Mann vor, im März 2016 einer Taube ein in der Schweiz nicht zugelassenes, hochtoxisches Pflanzenschutzmittel auf den Nacken- und Schulterbereich aufgetragen zu haben. Ein Polizist fand das Tier im Ausflugschacht des Taubenschlags, der dem Beschuldigten gehört. Der Mann wies die Vorwürfe heute morgen zurück: «Ich habe nichts getan. Ich habe nichts gegen Greifvögel, das sind auch Lebewesen». Es sei «ganz normal», dass Greifvögel Tauben fressen. Die Taube, welche die Polizei gefunden hatte, sei nicht seine. Sie müsse zugeflogen sein, das komme bisweilen vor.

Die Staatsanwältin verlangt für den Kosovaren unter anderem wegen Tierquälerei und versuchter qualvoller Tötung eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten. Zudem soll er eine Busse von 1500 Franken und die Untersuchungskosten von 8000 Franken bezahlen. Für sie sind die Indizien stichhaltig genug: «Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Beschuldigte einen Falken oder einen Habicht vergiften wollte.» So sei in seinem Gartenhaus ein anderes, in der Schweiz ebenfalls nicht zugelassenes Gift gefunden worden. Zudem seien die Ermittler im Nachbargarten auf einen Platz gestossen, an dem offensichtlich ein Raubvogel eine Taube gerupft hatte. Auch die Federn dieser Taube waren präpariert gewesen. Zusätzlich soll der Mann in seinem Taubenschlag neun Tiere mehr als die zulässigen 63 Tauben gehalten zu haben. Auch seien Brutpaare und Jungtiere in geschlossenen, zu kleinen Boxen auf Gitterrost und ohne Sitzstangen gehalten worden. Beides sei ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz, so die Staatsanwältin.

Der Verteidiger verlangte einen vollumfänglichen Freispruch. Was die Staatsanwältin anführe, seien keine Beweise: «Das Motiv ist konstruiert, nach dem Motto, ich will es so, also ist es so.» Es gebe keinen Beleg, dass die gifttragende Taube seinem Mandanten gehöre – und selbst wenn sie ihm gehörte, sei keinesfalls erstellt, dass der Mann das Gift aufgetragen habe oder auftragen liess. Ein Taubschlag sei schliesslich kein geschlossenes System. Im übrigen habe der Taubenschlag den einschlägigen Normen entsprochen; Sitzstangen brauche es wohl für Hühner, nicht aber für Tauben.

Erst der zweite Fall landesweit

Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Bülach folgte den Ausführungen des Verteidigers nicht. Sie verurteilte den Kosovaren zu einer Strafe von 300 Tagessätzen zu 30 Franken, was 10 Monaten Gefängnis entspricht. Zudem muss der Mann 1500 Franken Busse bezahlen. Die Indizien sprächen klar dafür, dass der Mann die Taube präpariert habe, sagte die Richterin: «Es wäre schon ein sehr grosser Zufall, wäre ausgerechnet diese Taube zugeflogen.» Die Aussagen des Beschuldigten, nichts gegen Falken zu haben, sei eine reine Schutzbehauptung. Einen Freispruch gab es einzig bei der Taubenhaltung, diese sei nicht zu beanstanden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Verteidiger kündigte an, es höchstwahrscheinlich anzufechten.

Es handelt sich landesweit um das zweite Verfahren gegen einen mutmasslichen Falkenhasser. Im vergangenen Juli war vom Bezirksgericht Dielsdorf bereits ein 42-jähriger eingebürgerter Mazedonier aus dem Zürcher Unterland wegen Tierquälerei zu einer bedingten Strafe von elf Monaten und einer Busse von 4000 Franken verurteilt worden.

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