Natalie Rickli verfügt Ärztestopp für den Kanton Zürich

Die Massnahme der Gesundheitsdirektion zielt auf Fachärzte aus dem EU-Raum. Deren Zahl ist stark angestiegen.

Macht Schluss mit der liberalen Politik ihres Vorgängers Thomas Heiniger: Natalie Rickli. Foto: Reto Oeschger

Macht Schluss mit der liberalen Politik ihres Vorgängers Thomas Heiniger: Natalie Rickli. Foto: Reto Oeschger

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Sie hatte bereits eine Überprüfung angekündigt, jetzt macht sie Ernst: Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) beschränkt die Zahl der Zulassungen für Ärztinnen und Ärzte im Kanton Zürich. Der Zulassungsstopp gilt ab dem heutigen Freitagmorgen.

Wer nicht mindestens drei Jahre an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte tätig war, darf seine Leistungen per sofort nicht mehr über die obligatorische Krankenkasse abrechnen. Das gibt Natalie Rickli heute an ihrer ersten Medienkonferenz als Gesundheitsdirektorin bekannt. Mit der Massnahme will sie die Zahl der Praxiseröffnungen reduzieren.

Von der Regelung ausgenommen sind Hausärztinnen und -ärzte sowie die Kinder- und Jugendmedizin. Ferner fallen Ärztinnen und Ärzte, die eine Weiterbildung an einer anerkannten Institution machen oder an einem Spital arbeiten, nicht unter die Beschränkung.

Erneuter Anstieg befürchtet

Der Kanton Zürich war gemeinsam mit Graubünden und den beiden Appenzell einer von nur vier Kantonen, die das Beschränkungsinstrument des Bundes bisher nicht angewendet hatten. Das Ziel der 2002 eingeführten Verordnung: Verhindern, dass mit dem freien Personenverkehr zu viele Ärzte aus dem EU-Raum eine Praxis in der Schweiz eröffnen.

Weil voraussichtlich im Juli 2021 das revidierte Bundesrecht in Kraft tritt, mit dem die Zulassungsbeschränkung für alle Kantone obligatorisch wird, befürchtete die Gesundheitsdirektion vor Ablauf dieser Frist einen starken Anstieg der Gesuche um eine Berufsausübungsbewilligung im Kanton Zürich.

Mehr Zulassungen, mehr ausländische Fachärzte

Eine Statistik der Gesundheitsdirektion hatte kürzlich die Folgen der liberalen Politik von Ricklis Vorgänger Thomas Heiniger gezeigt: Schon von 2010 bis 2018 sind die Arztbewilligungen im Kanton Zürich von 4305 auf 6207 gestiegen. Der Anteil ausländischer Fachärztinnen und Fachärzte erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 8 auf knapp 23 Prozent. (Lesen Sie hier, wie ausländische Ärzte nach Zürich drängten.)

Bei den Fachärzten haben verschiedene Gebiete einen überdurchschnittlichen Zuwachs verzeichnet. Darunter solche, die auch die Schönheitsmedizin betreffen: Dermatologie und Venerologie sowie plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. Weiter gab es bei der Orthopädie, Radiologie, Urologie und Augenmedizin einen markanten Anstieg sowohl an Bewilligungen insgesamt als auch des Ausländeranteils. Es sind alles Gebiete, in denen sich viel Geld verdienen lässt. Ein weiterer Grund für das Wachstum, etwa in der Dermatologie und der Neurologie, ist die immer stärkere Spezialisierung der Medizin.

Damit diese ausländischen Ärztinnen und Ärzte eine Berufsausübungsbewilligung in Zürich erhielten, mussten sie bisher lediglich nachweisen, dass sie Deutsch sprechen und die formalen Voraussetzungen erfüllen. (hwe)

Erstellt: 13.12.2019, 09:00 Uhr

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