Natürlich Kunst

Der Thurweg bei Andelfingen ist neuerdings ein Museum. 15 Werke aus Naturmaterialien laden zum Verweilen ein. Alle sind bewusst namenlos.

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Das Dilemma kennt jede Familie: Er will Ertüchtigung, sie Schöngeistiges, der Rest Spass – und niemand hat eine Lösung, die ein gemeinsames Programm erlaubt. Wir hätten da eine Vorschlag, bei dem alle auf die Rechnung kommen – noch dazu im Weinland, in jenem Zipfel Zürich, dessen Reize die Städter gern verkennen: Wir empfehlen eine Wanderung der Thur entlang von Andelfingen nach Alten mit Kunst und Badeplausch.

Im Rahmen der «naThurart» sind am linken Thurufer bis Ende September 15 Landart-Kreationen zu bewundern, jener Kunstströmung also, bei welcher Künstler seit 50 Jahren die Landschaft ausschliesslich mit vor Ort gefundenen Naturmaterialien umgestalteen. Der Brite Richard Long gehört zu den bekanntesten Vertretern dieser Kunstrichtung. Seine skulpturenartigen Steinkreise werden längst auch in Museen ausgestellt – und sind deshalb am Thurufer nicht zu bewundern.

Stattdessen die Werke von zwölf Kunstschaffenden aus der Schweiz und Italien sowie von drei Schulklassen. Eine Passantin bemerkt: «Schön ist das alles, doch ist das wirklich Kunst? Nun ja, soll jeder denken was er will.» Genau darum wird die Wanderung zwischen der Andelfinger Kläranlage und der Brücke in Alten für jeden Besucher zur Entdeckungsreise.

Deuten sollen die Besucher

Die Werke tragen alle keine Namen. «Aus zwei Gründen», sagt Hannes Huggel, von der Förderorganisation ProWeinland zuständig für die Ausstellung. Erstens: Die Ausstellung soll zum Verweilen und Deuten einladen. Zweitens: Die Künstler fanden in der Herstellungsphase keine passenden Namen.

Am 3. Juli suchten sich die Künstler auf der gut zwei Kilometer langen Strecke ihren Platz aus, bis Ende Woche stetzten sie mit allem, was das Thurufer hergab, ihre Projekte um. Einziges Hilfsmittel: Hanfschnur. Einige Künstler arbeiteten ausschliesslich mit Holz, zahlreiche nutzten aber auch die Stengel von Waldreben (auch bekannt als Nielen), aus denen sie Hängematten oder Kugeln formten oder Verbindungen flochten. Wieder andere nutzten Schneckenhäuser, Lehm oder Steine. Doch obwohl das Material bereits vorhanden war, die Ausstellung kostete. Neben Beiträgen des Kantons und Spenden von Privaten finanzierten die Organisatoren das Salär für die Künstler über ein Crowdfunding. Huggel sagt: «In unserem Fall ist ihre Kunst nicht verkäuflich, nur vergänglich.»

Zuletzt ein Tipp: Allen ÖV-Benutzern sei gesagt, dass der Weiler Alten nicht vom öffentlichen Verkehr erschlossen ist. Vorschlag: Wanderung bis nach Flaach und zu den Thurauen verlängern (mit weiterer Ausstellung und Bademöglichkeit).

nathurart.ch, bis 1.10 2017.

Erstellt: 08.07.2017, 20:25 Uhr

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