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Neu ermitteln 34 Beamte online

Um die Internetkriminalität zu bekämpfen, bewilligt der Zürcher Regierungsrat 20 zusätzliche Stellen. Um alle Fälle zu bearbeiten, reicht auch das nicht aus.

Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Polizeidirektor Mario Fehr (2. v. r.) an der Pressekonferenz des Regierungsrates zur Cyberkriminalität. Foto: Doris Fanconi
Justizdirektorin Jacqueline Fehr und Polizeidirektor Mario Fehr (2. v. r.) an der Pressekonferenz des Regierungsrates zur Cyberkriminalität. Foto: Doris Fanconi

Mit dem Ausbau des Kompetenzzentrums Cybercrime nimmt der Kanton Zürich in der Schweiz eine führende Rolle ein. Künftig sollen zu dem Dutzend Internetspezialisten bei den Strafverfolgungsbehörden noch 20 weitere Stellen hinzukommen: 10 für Spe­zialisten bei der Kantonspolizei, 5 bei der Staats­anwaltschaft und 5 für Assistenzstellen bei der Staatsanwaltschaft. Zusammen mit den beiden Spezialisten der Stadtpolizei umfasst das Kompetenzzentrum ­34 Stellen.

Dies sei ein Meilenstein in der Bekämpfung der Cyberkriminalität, sagte Polizeidirektor Mario Fehr (SP) an der gestrigen Medienkonferenz. Seine Regierungsratskollegin, Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP), doppelte nach: «Es darf in der Internetkriminalität keinen rechtsfreien Raum geben.» Deshalb müsse diese neue Form von Kriminalität ebenso vehement verfolgt und geahndet werden wie klassische Delikte.

Für jeden Fall ein Team aus drei Spezialisten

Die Zahl der Fälle von Cyberkriminalität in der Schweiz steigt kontinuierlich. Im Jahr 2010 gingen beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) in Bern mehr als 6000 Anzeigen ein. Im Jahr 2015 waren es beinahe doppelt so viele Anzeigen. Über 80 Prozent der Meldungen waren strafrechtlicher Natur. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG bei Schweizer Unternehmen im vergangenen Jahr zeigte, dass mehr als die Hälfte der befragten Firmen Opfer von Cyberattacken wurden. In 44 Prozent der Fälle sorgten diese Angriffe für gravierende Störungen der Geschäftsprozesse. Ein Viertel der Unternehmen befürchtete bleibende Reputationsschäden.

Wenn die Cybercrime-Strafverfolgungsbehörde einen Fall bearbeitet, braucht es jeweils ein Team aus drei Spezialisten: einen Cybercrime-Polizisten, der ermittelt, einen IT-Forensiker, der als Informatiker fungiert, und einen Staatsanwalt, der die Verfahrensleitung innehat und den Fall vor Gericht vertritt.

«Um die steigende Cyberkriminalität bekämpfen zu können, wären zwei weitere Zentren nötig.»

Jacqueline Fehr (SP), Justizdirektorin Zürich

Während sich die Internetpolizisten früher vor allem mit Pädokriminalität befassten, sind heute neue Phänomene wie DDOS-Attacken (Dienstblockaden), Phishing (gefälschte Websites), Ran­someware (Verschlüsselungstrojaner) zu beobachten. Die «Tatorte» heissen Dark­net, TOR, Freenet und so weiter.

Schwerpunkt der Regierung

Drei Beispiele aus dem letzten Jahr illustrieren das Arbeitsfeld der Abteilung: Ein Student, der ins Netzwerk der ETH Zürich eindrang, konnte verhaftet werden. Zwei Personen, die gefälschte Wohnungsinserate auf Onlineportalen geschaltet hatten, kommen wegen Betrugs und Geldwäscherei vor Gericht. Ein Mitglied einer Hackergruppe aus Bosnien attackierte bedeutende Schweizer Finanzinstitute und kommt nun in seinem Heimatland vor Gericht.

Neben der Strafverfolgung bildet das Kompetenzzentrum auch Kantonspolizisten an der Front aus und bietet Kurse und Nachdiplomstudiengänge für Ermittler an Fachhochschulen an.

Der Regierungsrat hat die Bekämpfung von Cybercrime erstmals 2009 als einen der Schwerpunkte der Strafverfolgung definiert. Drei Jahre später wurde mit dem Aufbau eines gemeinsamen Kompetenzzentrums der Staatsanwaltschaften und der Kantonspolizei unter Einbezug der Stadtpolizei Zürich begonnen. Ende 2013 nahm das landesweit erste Kompetenzzentrum Cybercrime seinen Betrieb auf. Auch in der laufenden Amtsperiode ist der Kampf gegen die Internetkriminalität Regierungsschwerpunkt.

Ausbau des Kompetenzzentrums Cybercrime

Neben dem Kanton Zürich führt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) die nationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) und die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani). Laut Justiz­di­rektorin Jacqueline Fehr wären in der Schweiz zwei weitere Zentren nötig, um die steigenden Fallzahlen im Bereich der Cyberkriminalität behandeln zu können. Je eines in der Deutschschweiz und der Romandie. Konkrete Pläne für den Ausbau gebe es aber noch nicht.

Der Auf- und Ausbau des Kompetenzzentrums Cybercrime und der damit erhöhte Flächenbedarf sind einer der Gründe, warum nicht die gesamte Polizei und die Staatsanwaltschaft im ­geplanten Polizei- und Justizzentrum auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs untergebracht werden können.

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