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Neues Leben auf Klosterinsel Rheinau durch Hotel mit Proberäumen

Der Zürcher Kantonsrat gibt grünes Licht für den ersten Schritt zur Neunutzung der Klosterinsel Rheinau, die seit 12 Jahren leer steht.

Christoph Blocher schiesst mit einer Stiftung 20 Millionen Franken für den Betrieb der Musikinsel Rheinau ein. 2009 stellte er sein Projekt vor.
Christoph Blocher schiesst mit einer Stiftung 20 Millionen Franken für den Betrieb der Musikinsel Rheinau ein. 2009 stellte er sein Projekt vor.
Dominique Meienberg
Seit zwölf Jahren stehen die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters und der nachmaligen psychiatrischen Klinik auf der idyllischen Insel Rheinau leer.
Seit zwölf Jahren stehen die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters und der nachmaligen psychiatrischen Klinik auf der idyllischen Insel Rheinau leer.
PD
In den ehemaligen Mönchszellen und späteren Patientenzimmern sollen bald Musiker übernachten.
In den ehemaligen Mönchszellen und späteren Patientenzimmern sollen bald Musiker übernachten.
Sophie Stieger
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Der Kantonsrat bewilligte am Montag einen Kredit von 28,5 Millionen Franken und die für den Umbau nötige Änderung des kantonalen Richtplans mit 157 zu 7 Stimmen. Dagegen stimmten nur einige Mitglieder der Fraktion der Grünen. Realisiert werden soll das von der Stiftung «Schweizer Musikinsel Rheinau» beantragte Probenzentrum. Betriebsbeginn soll im Sommer 2014 sein.

Der bewilligte Kredit wird sich allenfalls noch um 5,6 Millionen Franken verringern. Dieser Betrag soll der Stiftung aus dem Lotteriefonds für den Mieterausbau zur Verfügung gestellt werden.

64 Zimmer, 130 Betten

Die Stiftung wird in den vom Kanton renovierten Gebäudeteilen der Klosteranlage, die bis im September 2000 als psychiatrische Klinik genutzt worden war, ein Probenzentrum für Musik betreiben. Der Kanton, dem die Klosterinsel seit 1803 gehört, bleibt Eigentümer.

Eingerichtet wird ein günstiges Hotel mit Proberäumen für Orchester, Musikgruppen und einzelne Laienmusiker aller Sparten der nicht-verstärkten Musik. Vorgesehen sind 64 Hotelzimmer mit insgesamt 130 Betten sowie 16 Proberäume. Im grössten Raum kann ein Sinfonieorchester mit bis zu 110 Personen proben. Die Stiftung mietet die Räumlichkeiten zu einem jährlichen Mietzins von 330'000 Franken.

«Kongeniale Lösung»

Das Projekt, das in der Hälfte der Klosterinsel-Gebäude realisiert werden soll, wurde in der Ratsdebatte in den höchsten Tönen gelobt. Das Projekt sei überzeugend und «eine kongeniale Lösung für diesen phantastischen, inspirierenden Ort», sagte Markus Späth (SP, Feuertahlen). Für Johannes Zollinger (EVP, Wädenswil) ist es ein «Glücksfall für den Kanton».

Nach Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) bietet die Lösung Gewähr für «eine Nutzung, die der Geschichte gerecht wird». Es entstehe ein «strahlendes Juwel im Herzen Europas», fand Martin Farner (FDP, Oberstammheim).

Gelobt wurde, dass keine grösseren Eingriffe in die historische Bausubstanz geplant sind. Wenn weiter nichts unternommen werde, drohten aber irreparable Schäden, warnte Konrad Langhart (SVP, Oberstammheim). Alternativen zum vorliegenden Projekt seien heute nicht in Sicht.

«Intransparente Vorlage»

Bei den Grünen halte sich die Begeisterung in engen Grenzen, sagte Fraktionspräsidentin Esther Guyer (Zürich). Es sei auch nie abgeklärt worden, ob überhaupt ein Bedarf für das Probenzentrum bestehe.

Weil der Geldgeber der Stiftung gedroht habe, sein Angebot zurückzuziehen, sei nicht seriös geplant worden. Nationalrat Christoph Blocher stellt der Stiftung das Stiftungskapital von 20 Millionen Franken zur Verfügung.

Starke Vorbehalte gibt es laut Martin Geilinger (Grüne, Winterthur) auch wegen der noch nicht geregelten Verkehrserschliessung. Gemeinde und Stiftung hätten sich nicht einigen können. Geilinger kritisierte auch, dass aus finanziellen Gründen die Fenster nicht ersetzt und damit grosse Heizkosten in Kauf genommen werden.

Wie Guyer kritisierte auch Markus Späth, dass die Baudirektion der Kantonsratskommission keinen Einblick in den Mietvertrag gewährte. «Wir kaufen die Katze im Sack, ohne alle Abmachungen zu kennen», sagte Späth.

Hauswirtschaftskurse, Museum, Restaurant

Baudirektor Markus Kägi (SVP) bezeichnete das Musikinsel-Projekt als «Anker-Nutzung», die weitere Nutzungen auf dem Areal beflügle. In einem zweiten Schritt sollen auch andere Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters für eine neue Nutzung saniert werden.

Das kantonale Mittelschul- und Berufsbildungsamt möchte auf der Klosterinsel Hauswirtschaftskurse durchführen. Zur Diskussion stand auch schon die Einrichtung eines Museums sowie eines Restaurants. Dafür fehlen allerdings noch die Trägerschaften.

SDA/jcu

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