Zürcher Kindergärtnerinnen unterliegen im Lohnkampf

Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Kindergärtnerinnen abgewiesen. Ihre Löhne sind nicht diskriminierend.

Keine Gehalterhöhung: Vor Bundesgericht sind die Kindergärtnerinnen mit ihrem Anliegen gescheitert.

Keine Gehalterhöhung: Vor Bundesgericht sind die Kindergärtnerinnen mit ihrem Anliegen gescheitert. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bundesgericht hat entschieden: Es besteht keine geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung bei Lehrpersonen der Zürcher Kindergärten. Das Bundesgericht hat einen entsprechenden Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts bestätigt.

An einer öffentlichen Beratung ist die Erste sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts am Dienstag zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft dargelegt hätten, dass die Löhne der Kindergärtnerinnen diskriminierend seien.

Die Beschwerde hatten drei Kindergärtnerinnen, der Verband Kindergarten Zürich (VKZ), der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) und der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband eingereicht.

Sie hatten die Feststellung verlangt, dass die Lehrpersonen auf Kindergartenstufe seit der Integration des Kindergartens in die Volksschule im Januar 2008 aus Gründen ihres Geschlechts diskriminierend entlöhnt werden. Sie beantragten, dass die Kindergärtnerinnen Lohnnachzahlungen und in Zukunft 15 Prozent mehr Lohn erhalten.

«Der Entscheid ist für die Kindergärtnerinnen eine grosse Enttäuschung», erklärt Fabio Höhener, Sekretär des VPOD der Sektion Lehrberufe, auf Anfrage der sda. Die juristische Auseinandersetzung sei mit dem Urteil abgeschlossen. Politisch sei das Thema aber noch lange nicht vom Tisch. Es müsse der Wert des Kindergärtnerinnen-Berufes aufgezeigt werden.

Bachelor ist nicht gleich Bachelor

Die Diskussion der drei Richter und zwei Richterinnen drehte sich unter anderem um die Bewertung des Bachelor-Abschlusses durch das Zürcher Verwaltungsgericht. Dieses sieht im Umstand, dass die Ausbildung zur Kindergartenlehrperson neu an einer Fachhochschule stattfindet und mit einem Bachelor abschliesst, keinen Nachweis höherer Anforderungen an die Ausbildung.

Dieser Bachelor ist gemäss der Mehrheit der Richter nicht mit einem der Universität zu vergleichen. Dieser Ansicht widersprachen die beiden unterlegenen Richter vehement. Sie legten dar, dass es gerade die Idee der Bologna-Reform gewesen sei, ein einheitliches System zu schaffen. Ein Bachelor für Kindergärtnerinnen sei deshalb auf der gleichen Stufe wie einer, der an einer Universität erlangt werde.

Der zweite Kritikpunkt der Minderheit bezog sich auf die Bewertung der Tätigkeit und damit dem zeitlichen Aufwand der Kindergartenlehrpersonen seit der Integration in die Volksschule. Seit der Eingliederung würden an die Lehrpersonen andere Anforderungen gestellt. Sie müssten einem Lehrplan folgen, Eltern- und Standortbestimmungen machen und vieles mehr.

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat sich nach Ansicht der beiden unterlegenen Richter nicht mit dieser Frage auseinander gesetzt. Aus diesem Grund wollten sie den Fall an die kantonale Instanz zurück weisen.

Kein Vergleich

Die Mehrheit der Ersten sozialrechtlichen Abteilung begründete ihren Entscheid damit, dass die Beschwerdeführenden keinen Beruf aufgeführt hätten, bei dem der Lohn trotz der gleichen Ausbildung (Bachelor der Fachhochschule) höher sei.

Den Grund, dass die Lehrpersonen der Kindergartenstufe nur 87 Prozent der Besoldung der Lohnstufe 18 erhalten, betrachten sie als sachlich begründet. Aufgrund der pädagogisch bestimmten geringeren Anzahl Lektionen auf Kindergartenstufe, beinhalte ein Vollpensum weniger Wochenarbeitsstunden. Entlöhnung monierte. (sda)

Erstellt: 19.09.2017, 12:59 Uhr

Artikel zum Thema

3000 Franken für eine Kindergärtnerin

In vielen Gemeinden zeichnet sich auf das neue Schuljahr hin ein Mangel an Lehrpersonen für den Kindergarten ab. Die Stadt Kloten reagiert mit einer speziellen Massnahme. Mehr...

Keine Lohnerhöhung für Kindergärtnerinnen

Rückschlag für Zürcher Kindergärtnerinnen: Das Verwaltungsgericht lehnt ihre Forderung nach mehr Geld ab. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Gallery

Erleben Sie ein einmaliges Abenteuer in Australien

Unendliche Weiten und spektakuläre Landschaften: An diese zweiwöchige Reise werden Sie sich Ihr Leben lang erinnern.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...