Nüsse und Erdbeeren litten am meisten

Die eisigen Nächte von Ende April haben im Kanton je nach Standort und Kultur Totalausfälle in der Landwirtschaft verursacht.

Frostschäden: Bei den Erdbeeren gab es in einzelnen Parzellen bis zu 50 Prozent Ausfälle.

Frostschäden: Bei den Erdbeeren gab es in einzelnen Parzellen bis zu 50 Prozent Ausfälle. Bild: Keystone

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Sie sehen aus wie tot: dürre braungraue Äste ohne jedes Grün. Die grossen alten Nussbäume, die im Zürcher Weinland auf vielen Höfen stehen, tragen weder Blätter noch Blüten. Die Minustemperaturen in der Nacht vom 27. auf den 28. April haben sie voll getroffen.

Der Frost schlug zu, als die Bäume eben ausgetrieben hatten. «Einzelne Nussbäume sind komplett erfroren», sagt Hagen Thoss vom landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Strickhof. Falls sie einen zweiten Austrieb machen, werden sie wenigstens noch Blätter tragen im Sommer. Früchte werde es jedoch keine geben: «Die Blütenanlagen sind kaputt.»

Die männliche Pollen fehlen

Der Weinländer Bauer Niklaus Zahner hat in Truttikon eine Nussbaumplantage, 160 Bäume auf zwei Hektaren. Zum Glück sind es elf verschiedene Sorten, die nicht alle zur gleichen Zeit blühen. «Die frühen hatten schon ausgetrieben, als der Frost kam», sagt Zahner. Er hat sie genau angeschaut und festgestellt, dass die weiblichen Blüten, die auf der Triebspitze sitzen, nur zum Teil erfroren sind. Die männlichen hingegen, die einige Zentimeter weiter hinten sitzen und wie Würmlein aussehen, sind restlos erfroren.

Die Frage sei nun, ob es irgendwo noch männliche Pollen gibt, welche die weiblichen befruchten können. Wenn nicht, gebe es keine Nüsse. «Wo alles erfroren ist, sehen die Bäume himmeltraurig aus», sagt Zahner, der jetzt auf die späten Sorten hofft. In einem normalen Jahr erntet er 4000 Kilogramm Nüsse. «Wenn es dieses Jahr 1000 Kilo werden, bin ich zufrieden.»

Statistisch gesehen längst fällig

Die Baumnüsse sind für Zahner nur ein Nebenerwerb, in erster Linie lebt die Familie vom Wein. Der Frostschaden in den Reben bereitet ihm deshalb mehr Kummer. An exponierten Lagen muss er Totalausfälle hinnehmen, insgesamt rechnet er mit einer Einbusse von rund 50 Prozent.

Der bekannte Weinbauer kann seine Kunden allerdings beruhigen: «Wir kompensieren dies mit unserer Lagerhaltung.» Zahner hat vorgesorgt, denn statistisch gesehen muss er alle sieben Jahre mit einem Ausfall durch Frost oder Hagel rechnen. Seit 1995 hatte er aber keinen Frostschaden mehr in seinen Reben - «so gesehen haben wir Glück gehabt».

Schadensinspektoren sind unterwegs

Anders als gegen Hagel sind die Reben gegen Frost in der Regel nicht versichert. Die Schweizer Hagelversicherungsgesellschaft bietet zwar neuerdings eine solche Versicherung an. Doch laut Direktor Pascal Furrer haben diese bisher erst 120 von 5000 Rebbauern abgeschlossen.

Mit 750 Franken Prämie sichern sie eine Hektare Reben im Wert von 35'000 Franken ab. Rund 60 Rebbauern, die Hälfte aller Versicherten, haben nach der Frostnacht von Ende April einen Schaden angemeldet. Derzeit sind die Inspektoren unterwegs. «Im Zürcher Weinland sind die Schäden landesweit am höchsten», zieht Furrer eine erste Bilanz.

Kirschen wenig betroffen

Strickhof-Experte Hagen Thoss bestätigt dies auch für die anderen Kulturen. Neben den Reben und den Nussbäumen litten die Kiwi-Plantagen und die Erdbeerfelder am stärksten unter dem Frost. Bei den Erdbeeren gab es in einzelnen Parzellen bis zu 50 Prozent Ausfälle. Über den ganzen Kanton gesehen schätzt Thoss den Ausfall auf 10 bis 15 Prozent.

Wider Erwarten wenig betroffen seien die Kirschen, deren Blüten wohl bereits über das empfindliche Stadium hinaus waren, und auch beim Obst werde es eine «halbwegs normale Ernte» geben, sagt Thoss. Denn dort hat die Natur vorgesorgt: Nur 5 bis 10 Prozent der Blüten müssen befruchtet werden, damit ein Obstbaum voll trägt.

Erstellt: 11.05.2016, 10:03 Uhr

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