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Nun ist auch fettarme Milch fair

Bauern im Zürcher Säuliamt bieten Milch an, die teurer ist als üblich, dafür aber ihre Kosten deckt. Die Konsumenten freuts.

Hélène Arnet
Vorkämpfer: Werner Locher (links) und Martin Haab sind die Initianten der Säuliämtler Milch.
Vorkämpfer: Werner Locher (links) und Martin Haab sind die Initianten der Säuliämtler Milch.
Reto Oeschger

Am Anfang dieser Erfolgsgeschichte war die Frustration, ja die Wut über den tiefen Milchpreis. Dann kamen zwei Säuliämtler Milchbauern, die das nicht mehr einfach so hinnehmen wollten. Werner Locher und Martin Haab lancierten das Projekt «Di fair Milch Säuliamt». Und landeten damit einen Volltreffer.

Heute Morgen präsentierten sie in Knonau eine Zwischenbilanz ihrer Milchbüechlirechnung. Und die ist so gut, dass das Angebot gleich erweitert wird: Ab heute gibt es neben der Vollmilch auch einen 2,5-Prozent-Milchdrink. Denn viele Konsumentinnen und Konsumenten haben gemeldet, dass sie gerne diese Säuliämtler Milch kaufen möchten, aber eben nur teilentrahmte Milch trinken.

Stundenlohn von 28 Franken

Die wichtigste Botschaft, welche die beiden Initianten vermitteln konnten, ist aber, dass viele Menschen gern etwa zwanzig Rappen mehr für den Liter Milch bezahlen, wenn die Milch aus der Region kommt und die Bauern dafür auf ihre Kosten kommen.

Beim üblichen Milchpreis ist dies nicht der Fall. Der Literpreis der «fairen» Ämtler Milch beträgt 1.90 Franken und geht von einem Stundenlohn für den Bauern von 28 Franken aus.

Ein Drittel macht mit

43 Milchbauern beteiligen sich als Genossenschafter an dem Projekt – das entspricht knapp einem Drittel der Landwirte in der Region, die Milchkühe halten. Sie haben einen Beitrag von tausend Franken entrichtet und bekommen dafür für einen Teil ihrer Milch einen höheren Erlös.

Verkauft wird die regionale Milch in den Volg-Läden des Bezirks Affoltern, im Volg Aesch, im Lärchenmärt in Bonstetten und in vier Hofläden des Bezirks. Pasteurisiert und abgefüllt wird sie auch ganz in der Nähe, nämlich in der Molkerei Höhn auf dem Hirzel.

Für die Milch dieser Kühe bezahlen die Konsumenten freiwillig 25 Rappen mehr pro Liter. Bild: Fabienne Andreoli

Das Ziel, dieses Jahr insgesamt 100’000 Liter dieser Milch zu verkaufen, wird laut Martin Haab problemlos erreicht. Es funktioniere besser, als sie zu hoffen wagten.

Auch Armin Heller, Geschäftsführer Landi Albis, spricht von einer Erfolgsgeschichte. Seit der Einführung dieser Milch sei der Milchverkauf in den Volg-Läden im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Auch kämen spürbar mehr Kundinnen und Kunden in diese Filialen zum Einkaufen.

Besuch aus Brüssel

Die Idee, eine regionale Milch zu kostendeckendem Preis zu verkaufen, ist allerdings nicht auf dem Mist des Duos Locher & Haab gewachsen. Die Marke «Die faire Milch» hat das European Milk Board (EMB) mit Sitz in Brüssel ins Leben gerufen. EMB-Präsident Erwin Schöpges hat sich heute Morgen selbst davon überzeugt, wie gut sich die Milchbauern im Säuliamt auf dem hart umkämpften Markt schlagen.

Seine Geschichte zeigt, dass diese Idee sich durchaus langfristig bewähren kann – und ausbaufähig ist. Schöpges hatte sich vor zehn Jahren mit Kollegen zu einer solchen Genossenschaft zusammengeschlossen. Mittlerweile verkauft er unter dem Namen Fairebel eine ganze Palette von Milchprodukten: Vollmilch, Milchdrink, Schoggimilch, aber auch Käse, Butter und Glace.

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