Stefanini-Prozess: Ex-Stiftungsräte freigesprochen

Zwei ehemalige Stiftungsräte mussten sich vor dem Winterthurer Bezirksgericht verantworten. Der Vorwurf: Urkundenfälschung.

Winterthurer Stefanini-Stiftung wird ein Fall für das Gericht. Foto: Keystone

Winterthurer Stefanini-Stiftung wird ein Fall für das Gericht. Foto: Keystone

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Im Winterthurer Stefanini-Prozess ist das Bezirksgericht am Montag zum Schluss gekommen, dass sich die beiden beschuldigten Ex-Stiftungsräte nicht strafbar gemacht haben. Es sprach sie vom Vorwurf der Urkundenfälschung frei.

Der Staatsanwalt warf ihnen vor, dass sie die Demenz des Immobilienkönigs Bruno Stefanini ausgenutzt hätten, um ihre Macht zu sichern.

Das Gericht entschied, dass das Protokoll, mit dem Stefaninis Kinder vom Stiftungsrat hätten ausgeschlossen werden, nicht unwahr abgefasst wurde. Denn bei diesem Protokoll handle es sich nur in zwei Punkten um eine eigentliche Urkunde: bei der Auflistung der anwesenden Stiftungsräte und bei der eigentlichen Beschlussfassung.

Diese beiden Punkte stimmten jedoch im Protokoll, das schliesslich an die eidgenössische Stiftungsaufsicht geschickt wurde. Zudem könne nicht nachgewiesen werden, dass Bruno Stefanini wirklich nichts mehr verstanden habe, sagte die Richterin bei der Urteilseröffnung. Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, seinen Geisteszustand zu beurteilen.

Die beiden Beschuldigten, der ehemalige Geschäftsleiter und der ehemalige Finanzchef, wurden deshalb freigesprochen. Für ihre Anwaltskosten erhalten sie 20'000 respektive 23'000 Franken aus der Staatskasse. Ob der Staatsanwalt das Urteil weiterzieht, ist offen. Er hatte für beide eine bedingte Geldstrafe gefordert.

Die Sache ruhen lassen

Die Tochter Bettina Stefanini will kein weiteres Gerichtsverfahren mehr. Es sei auch ohne Schuldspruch Gerechtigkeit geschaffen worden. Man wolle die Sache jetzt ruhen lassen, sagte ihr Anwalt.

Den beiden ehemaligen Geschäftsleuten wurde vorgeworfen, im Jahr 2014 ein Protokoll gefälscht zu haben, mit dem sie beim Bund die Änderung der Stiftungsurkunde der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) von Bruno Stefanini beantragten, einer der grössten Stiftungen des Landes.

Stefaninis Nachkommen sollten nach Darstellung des Staatsanwaltes keine Chance erhalten, in der Stiftung das Ruder zu übernehmen. Mit der geänderten Urkunde wären die Ex-Stiftungsräte an der Macht geblieben und hätten weiter gut verdient.

An dieser Sitzung sei Stefanini aber bereits dement gewesen, die Handlungsfähigkeit mehr als fraglich. Er habe nicht einmal gewusst, worum es gegangen sei. Dies hätten sie mit dem nicht wahrheitsgemässen Protokoll vertuschen wollen.

Auslöser für die Anklage war eine Tonaufnahme dieser Sitzung. Aufgenommen wurde sie ironischerweise von den Beschuldigten selber. Sie reichten die Aufnahme auch freiwillig bei der Staatsanwaltschaft ein – «weil das Protokoll die Äusserungen Stefaninis im Grossen und Ganzen abbildet», so ihre Argumentation.

Das strittige Protokoll brachte den Beschuldigten ohnehin nichts. Das Bundesgericht setzte dem Konflikt im Sommer 2018 ein Ende und verfügte, dass Stefaninis Kinder den Stiftungsrat ernennen dürfen. Die beiden Beschuldigten wurden daraufhin entlassen. Ironie der Geschichte: Wie Stefaninis Tochter Bettina vor Gericht sagte, war sie einer Zusammenarbeit mit den beiden Weggefährten ursprünglich gar nicht abgeneigt. Nun hatten die beiden nicht nur ein Strafverfahren am Hals, sondern sind auch arbeitslos.

Manischer Sammler

Stefanini muss die Konflikte und Gerichtsverhandlungen wegen seines Erbes nicht mehr mitansehen. Er starb 2018 im Alter von 94 Jahren. Stefanini galt in Winterthur als skurrile Figur. Bis in die 1970er Jahre zog er am Stadtrand Wohnblöcke empor, später kamen Altstadthäuser hinzu, die er zusehends verfallen liess.

Genauso manisch wie Immobilien sammelte der Multimillionär Kunst und Historisches. Darunter sind auch Kuriositäten wie ein Sonnenschirm von Kaiserin «Sisi» und ein Pult von US-Präsident John F. Kennedy. Seine Schätze hortete er in Garagen und auf Estrichen.

1980 gründete er die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) und vermachte ihr seine Sammlung sowie die Immobilien. Der Wert der Sammlung wird auf über 1,5 Milliarden Franken geschätzt. (sda)

Erstellt: 28.10.2019, 19:21 Uhr

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