O-Bike bankrott: Muss die Stadt die Velos aufsammeln?

Singapurer Medien berichten, der Leihvelo-Service O-Bike sei pleite. In Zürich stehen noch Hunderte Velos – und die Kunden warten wohl vergeblich auf die Rückzahlung ihrer Kaution.

Das Einsammeln der O-Bikes erweist sich als schwierig, das Ortungssystem ist seit Monaten nicht mehr in Betrieb.

Das Einsammeln der O-Bikes erweist sich als schwierig, das Ortungssystem ist seit Monaten nicht mehr in Betrieb. Bild: Tamedia

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O-Bike, das Singapurer Bike-Sharing-Unternehmen, das Zürich im vergangen Jahr über Nacht mit 600 silbergelben Fahrrädern von zweifelhafter Qualität ausgestattet hat, ist bankrott. Aus Zürich hatte sich das Unternehmen schon vor Wochen zurückgezogen, nun sei der Betrieb auch in der Heimatstadt des Unternehmens eingestellt worden, schreiben verschiedenen Medien. Offenbar weil Singapur neuerdings für jedes Leih-Rad in der Stadt Gebühren verlangt, um deren Flut Herr zu werden. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite meldet eine Singapurer Regierungsbehörde, dass zwei Insolvenzverwalter eingesetzt worden seien. O-Bike beantwortet seit längerem keine Presseanfragen mehr.

Weltweit bangen die Kunden von O-Bike nun um ihre Kaution. Das Unternehmen hat eine Sicherheit verlangt, bevor man Velos ausleihen durfte. In der Stadt Zürich betrug diese 129 Franken, in Singapur waren umgerechnet zwischen zehn und 30 Franken fällig. Das Unternehmen sieht sich offenbar nicht in der Lage, dieses Geld zu erstatten. Nach Angaben einer Singapurer Verbraucherschutzorganisation hat O-Bike die Kautionen zur Finanzierung des laufenden Betriebs verwendet.

Zürich sammel Velos ein

Auch weil unklar ist, wie viele der in Zürich stationierten O-Bikes überhaupt noch in der Stadt herumstehen, rechnet man beim Tiefbauamt damit, für die noch herumstehenden Fahrräder das Einsammeln zu übernehmen. Bis Ende Juni hätten alle Velos aus den Strassen Zürichs verschwunden sein sollen, so die Abmachung mit der Stadt.

Für das Einsammeln wäre eigentlich Firat Kutal vom Zürcher Zügelunternehmen Umzug 24 zuständig. Er hat in halb Europa Abnehmer gefunden für die Zürcher O-Bikes und zehntausende weitere Velos aus verschiedenen europäischen Städten. In Holland, Deutschland, Bulgarien und Serbien soll ein Teil davon mit neuen Logos versehen und weiterverwendet werden, andere werden in ihre Einzelteile zerlegt und an Schrotthändler verkauft. Das Einsammeln erweist sich allerdings als schwierig, das Ortungssystem von O-Bike ist seit Monaten nicht mehr in Betrieb. Um die letzten paar Hundert Fahrräder zu finden, hat Kuta die Bevölkerung um Hilfe gebeten.

Wie private Velos behandelt

Unterstützung bekommt Kutal bei den verbleibenden Rädern automatisch von der Stadt. Denn es gelten für alle Fahrräder in Zürich die gleichen Regeln: Zweiräder, die mindestens vier Wochen auf öffentlichem Grund unbewegt bleiben, werden von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) eingesammelt. Diese Frist laufe für die herumstehenden O-Bikes noch bis Ende Juli. Mike Sgier, Sprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, sagte in der «NZZ», die Gleichbehandlung von privaten Fahrrädern und Leihvelos habe sich bewährt.

Auch die Kommunikation mit dem Umzugsunternehmen habe bisher gut funktioniert. Falls nach Ablauf der vierwöchigen Frist tatsächlich die Mitarbeiter von ERZ die übrigen O-Bikes einsammeln müssten, könnten diese danach an einen Schrotthändler verkauft werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2018, 09:56 Uhr

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