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«Offroader-Problem» auf dem Zürichsee

Schiffstandplätze sind in der Stadt begehrt. Bis zu zwanzig Jahre wartet, wer anlegen will. Weil die Boote immer grösser werden.

Keine freien Anlegestellen: Die Bootsplätze am Zürichsee sind begehrt.
Keine freien Anlegestellen: Die Bootsplätze am Zürichsee sind begehrt.
Urs Jaudas

Erst Offroad-Schlitten, dann Kinderwagen, nun Boote: Sie alle sind in den letzten Jahren kontinuierlich in die Breite gegangen. Und wie bei den Parkplätzen und in den Trams führt diese neue Breite auch zu Platzmangel bei den Schiffstandplätzen.

20 Jahre Wartezeit

Rund 2600 solcher Anlegestellen an Häfen, Stegen und Bojen bietet die Stadt Zürich den Bootsfahrerinnen und -fahrern an. Derzeit warten rund 1400 Personen auf einen Schiffstandplatz im unteren Seebecken. Grund für den Engpass ist unter anderem die neue Breite der Schiffe: «Die Hafenanlagen wurden zu einer Zeit gebaut, als ein Fischerboot noch gut 1 Meter 50 breit war», sagt Werner Klaus von der Wasserschutzpolizei der Stadt Zürich. Heute würden diese Boote breiter gebaut – um die 2 Meter 20. Dies führt zu Engpässen, da die Hafenanlangen nicht für diese Grösse gebaut wurden. Wer jedoch ein kleines Fischerboot besitze und keinen Wunsch auf einen bestimmten Stammplatz habe, könne in gut drei Jahren auf einen Platz hoffen – beispielsweise am Schanzengraben. Für grössere Boote an guter Lage hingegen ist mit Wartezeiten von bis zu über zwanzig Jahren zu rechnen, so Klaus.

Wer sich für einen Standplatz interessiert, schreibt sich für eine einmalige Einschreibegebühr von sechzig Franken in die Warteliste ein. Für jedes wartende Jahr wird eine Summe von dreissig Franken fällig. Eine Nichtbezahlung hätte den Verlust des Warteplatzes zur Folge.

Tiefe Schiffssteuer

Doppelt Glück hat in Zürich, wer einen der begehrten Plätze ergattern kann: Die kantonal geregelte Schiffssteuer ist gerade für kleine Boote mit einem schwachen Motor sehr tief angesetzt. Sie setzt sich laut kantonalem Schifffahrtsgesetz aus einem Grundbetrag von 30 Franken plus einem Aufpreis pro zunehmendem PS des Motors zusammen.

Der Preis eines bis fünf Meter langen Kleinboots mit einem schwachen Zwei-Kilowatt-Motor beläuft sich im Kanton Zürich auf 37 Franken. Wollte man dasselbe Boot im Kanton Luzern einwässern, müssten dafür rund 118 Franken bezahlt werden, während es im Kanton Waadt 65 Franken wären. Bei längeren Schiffen mit stärkeren Motoren werden die Unterschiede im Vergleich geringer. Kleinere Boote werden demnach bereits gefördert. «Die tiefe Steuer für kleine Boote ist politisch gewollt», sagt der Sprecher der Sicherheitsdirektion, Urs Grob. Der Zugang mit einem Fischerboot soll allen zu geringen Kosten möglich gemacht werden. Ein Fünftel dieser Steuer geht an die Gemeinden, die für die Seerettung zuständig sind. Der Rest fliesst zu gleichen Teilen an die Stadt und den Kanton Zürich.

Immer wieder Politikum

Die Zürcher Politik hat sich bereits mehrfach mit der Angelegenheit befasst. So verlangten die Grünliberalen 2012 die Abschaffung der Vererbung von Schiffstandplätzen: Stirbt der Inhaber einer Bewilligung, ist es bis heute möglich, diese auf den Ehepartner, den Partner in einer eingetragenen Partnerschaft oder die Kinder zu übertragen. «Die Überlegung dahinter ist, dass oft auch das Schiff vererbt wird und es sonst aufgegeben werden müsste», sagt Wolfgang Bollack, Sprecher der Baudirektion des Kanton Zürichs.

Im gleichen Jahr forderte die SVP in einem Vorstoss eine Verbesserung des «Managements der Bootsplätze». Da sich auf den Vorstoss hin nichts verbessert habe, doppelte die Partei 2015 nach: Sie verlangte, dass Stadtzürcher auf den Wartelisten bevorzugt behandelt werden. Das Postulat wurde vom Stadtrat abgelehnt.

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