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Olympisches Feuer unterm Dach

Das Signal aus Zürich gegen die Teilnahme an Winterspielen wird in Chur als bedeutungslos gewertet. Das lassen die Zürcher nicht auf sich sitzen.

Zwei Bündner, die gerade nicht viel gemeinsam haben: Marco Denoth, SP-Gemeinderat in der Stadt Zürich, und Jon Domenic Parolini, BDP-Regierungsrat in Chur.
Zwei Bündner, die gerade nicht viel gemeinsam haben: Marco Denoth, SP-Gemeinderat in der Stadt Zürich, und Jon Domenic Parolini, BDP-Regierungsrat in Chur.
Keystone

Es ist kaum erforscht, ob Steinböcke an einer auditiven Verarbeitungsstörung leiden können. An jener Störung, die dazu führt, dass man etwas nicht versteht, obwohl man es hört. Wahrscheinlicher ist, dass Steinböcke unserer Sprache ganz einfach nicht mächtig sind (mal abgesehen von jenen Exemplaren, die in der Tourismuswerbung tätig sind).

Bei der Bündner Regierung liegt der Fall anders. Wenn sie etwas partout nicht versteht, dann vermutlich, weil sie es nicht verstehen will. Das muss die grosse Mehrheit der Zürcher Gemeinderäte denken, nachdem sie vor einer Woche ein Signal Richtung Graubünden schickten, das sie für unmissverständlich hielten: Zürich macht 2026 bei Olympischen Winterspielen nicht mit.

In dieser klaren Absage waren SP, Grüne und SVP für einmal gleicher Meinung. Sie reagierten damit auf den Umstand, dass Zürich in den unlängst veröffentlichten Plänen der Bündner Regierung für eine Olympiakandidatur als Austragungsort auftaucht. Da wird unter anderem mit Siegerzeremonien auf dem Sechseläutenplatz geworben oder mit Eiskunstlauf im Hallenstadion. Und das, monierten die irritierten Gemeinderäte, obwohl es aus Zürich keinerlei Zusagen gibt.

Da war doch etwas in Zürich

Jon Domenic Parolini (BDP), Vorsteher des Bündner Volkswirtschaftsdepartements, reagierte auf das Signal aus dem Stadtzürcher Parlament in der «Südostschweiz» mit Nonchalance: «Nun ja, da war eine Diskussion im Zürcher Gemeinderat – unser Ansprechpartner ist aber der Stadtrat.»

Dass er die Angelegenheit herunterspielt, hat terminliche Gründe: Am 12. Februar stimmen die Bündner über einen Millionenkredit für die Olympiakandidatur ab, und es gibt Widerstand, vor allem von Linken, Grünen und Umweltschützern. In dieser Phase wäre ein definitives Nein aus Zürich nicht hilfreich.

«Noch einmal, zum Mitschreiben: Nein»

Aber Parolini hat die Hartnäckigkeit der Zürcher Olympiagegner unterschätzt. Marco Denoth, Co-Präsident der hiesigen SP mit Bündner Wurzeln, lässt es jedenfalls nicht dabei bewenden. Er spricht von einer Respektlosigkeit gegenüber dem Stadtzürcher Parlament: «Anscheinend kennt Herr Parolini das politische System nicht – oder er nimmt es nicht ernst.» Denoth stellt klar, dass nicht der Stadtrat in dieser Sache das letzte Wort haben werde, sondern der Gemeinderat. Er wiederhole deshalb, zum Mitschreiben für die Bündner Regierung: «Nein heisst Nein. Zürich wird nicht mitmachen.»

Tatsächlich hat der Gemeinderat die Hoheit über das Budget, und bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen würde er alles rauskürzen, was mit Olympia zu tun hat. Der Stadtrat kann in eigener Kompetenz nur Ausgaben bis 2 Millionen Franken beschliessen. Dass man damit wohl nicht weit käme, zeigt der Vergleich mit der Fussball-Europameisterschaft 2008. Damals war ein Kredit über 18 Millionen Franken nötig, um alle Rechnungen zu bezahlen, die bei solchen Grossanlässen anfallen – von Sicherheit über Verkehr bis zur Abfallentsorgung.

Bündner müssten selber zahlen

Anders gesagt: Wenn die Bündner Olympia-Promotoren jetzt auf den Zürcher Stadtrat setzen, um am Stadtparlament vorbeizuplanen, müssten sie den Grossteil der in Zürich anfallenden Kosten selbst tragen. In diesem Sinn reagierte auch der Zürcher Stadtrat auf die Avancen aus Chur – im Ton zwar freundlicher als das Parlament, in der Sache aber ebenfalls deutlich: Zürich werde auf keinen Fall als Gaststadt auftreten wie bei der Fussball-EM, weil das finanzielle Verpflichtungen bedeuten würde. Falls die Olympiakandidatur Erfolg hätte, wäre der Stadtrat zwar bereit, das Stadion Letzigrund oder den Sechseläutenplatz bereitzustellen. Er fügt aber an: «Allenfalls gegen Entschädigung.»

Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Parolini sagt, eine finanzielle Beteiligung sei in den Gesprächen mit dem Zürcher Stadtrat seit dessen schriftlicher Antwort kein Thema gewesen. Auch nicht eine unterhalb der 2-Millionen-Grenze, die der Stadtrat in eigener Kompetenz beschliessen könnte. Laut Parolini ging es nur darum, ob man grundsätzlich mit Zürcher Sportanlagen und Plätzen planen könne. Der Stadtrat habe sich aufgeschlossen gezeigt, aber mit Rücksicht auf die politischen Sensibilitäten in der Stadt auch zurückhaltend. «Das akzeptiere ich», sagt Parolini, «und darauf habe ich mich abgestützt.» Es sei ihm nie darum gegangen, die Kompetenzen des Zürcher Gemeinderates in Frage zu stellen.

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