Von Greif- und anderen Vögeln

Problemgefieder, heimliche Werbestars und Servietten, auf denen Grosses gezeichnet wurde: Teil V der Serie um Züri-Fakten, die man nicht zu wissen braucht und dennoch nie vergisst.

Gefahr für den Luftverkehr: 70- bis 100-mal im Jahr kommt es am Flughafen Zürich zum sogenannten Vogelschlag. Foto: Reto Oeschger

Gefahr für den Luftverkehr: 70- bis 100-mal im Jahr kommt es am Flughafen Zürich zum sogenannten Vogelschlag. Foto: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Leben in unserer Stadt ist skurriler, als man denkt. Man muss nur genau hinschauen und hinhören. Nein, das ist keine weitere Geschichte über den Kran am Limmatquai. Das ist Teil V unserer Serie «Unnützes Wissen»: kleine, schräge Fakten, die einen höchstens im Bereich des Small Talks voranbringen.

Gelernt in Zürich, in der Bar 63, mit Blick auf die Wurstauslage: Aus einem Schwein können bis zu 400 Würste gemacht werden. Mika Lanz von Stadtjäger.ch – er verarbeitet exklusiv Bio-Stadtschweine vom Waidhof an der Schwandenholzstr. 257 – kann dies bestätigen.

Die Sihl beim Sihlcity – dort, wo sich Roman Signers Koffer herrlich unnütz wieder und wieder mit Wasser füllt und dann auf einem Rundkurs langsam wieder entleert – ist das einzige überdachte Fischereigebiet der Schweiz.

Vom Mundart-Rapper zum bildenden Künstler mit internationaler Karriere: Samora Bazzarabusa hat es geschafft. Vor kurzem gestaltete der Mittdreissiger, der früher als Samurai und Sam Oibel 1. zur Topliga der Schweizer Zeremonienmeister gehörte (u. a. «Mached Stutz», «Gueti Ziite»), die Zimmer 121, 132 und 232 des Hotels The Streets im Pariser Quartier Le Marais. Auch in hippen Berliner T-Shirt-Läden sind seine herzensguten Figuren und Roboter anzutreffen. Oder in Zürcher Hinterhöfen: Wer sich hinter das Haus an der Körnerstr. 10 schleicht, trifft eine ganze Wand seiner bunten «Oibel Art» an.

Im Zollikerwald und Umgebung treibt eine asiatische Schlingpflanze mit Namen Henrys Geissblatt (Lonicera henryi) ihr Unwesen. Sie überwuchert Waldlichtungen und dunkle Waldbestände. Eine für Herr und Frau Förster unerwünschte Entwicklung, denn ihr rasches Wachstum führt zu Dickichten, welche die Waldverjüngung behindern.

Am 24. Mai findet auf dem Pfannenstiel der 8. Internationale Holzerwettkampf statt. Die Teilnehmer messen sich in den Disziplinen Einsatzvorbereitung der Motorsäge, Kombinationsschnitt, Präzisionsschnitt, Fallkerbe und Entasten. Der Wettkampf gilt als Ausscheidung für die Schweizermeisterschaft.

Im Jahr 2012 waren 25 458 Personen am und um den Flughafen Zürich herum beschäftigt. Einer von ihnen: Urs Kempf , Wildhüter des Areals. Sein grösstes Problem sind die rund 140 Greifvögel – meist Mäusebussarde und Rotmilane –, die dort leben. 70- bis 100-mal im Jahr wird am Flughafen Vogelschlag gemeldet. Um das Problem in den Griff zu bekommen, setzt man auf «Biotopmanagement». Will heissen: Das Gebiet soll für Greifvögel möglichst unattraktiv gemacht werden. 2012 nahm der Wildhüter zudem 17 sogenannte Hegeabschüsse vor.

Fast alle kennen den Zürcher Werber, Pianisten und Porschefahrer Frank Bodin, viele Dominique von Matt. Der geheime Star der Schweizer Werbeszene heisst allerdings Thomas Schoeb , 48, wohnhaft in Dielsdorf. Der freischaffende Creative Director und Texter erfand unter anderem die Wendesatz-Kampagne der Swiss Life (z. B. «Ich möchte niemals Kinder sind für mich das Grösste»), die im letzten Jahr zur erfolgreichsten Plakatkampagne der Welt gewählt wurde. Und zwar erfand er diese mal eben so zwischendurch: Eigentlich war der Edeljoker von der Agentur Leo Burnett für etwas ganz anderes gebucht worden.

Das 2-Milliarden-Projekt der Durchmesserlinie, die von Oerlikon bis nach Altstetten führt, wurde auf einer Ser­viette entworfen.

Auch der spanische Surrealist Salvador Dalí entfremdete den beliebten Versäuberungsgegenstand seines Zweckes. Er entwarf darauf im Jahr 1969 das Gemälde «La Gare de Perpignan», das heute im Museum Ludwig in Köln hängt. Die Serviette allerdings ist in Privat­besitz. Und wir wissen auch wo: Chefredaktor und Buchautor Matthias Ackeret lagert sie in seiner Wohnung unweit des Schaffhauserplatzes. Er ergatterte sie vor einigen Jahren für einen fünfstelligen Betrag an einer Versteigerung.

Ackerets Publikation «Persönlich», das Branchenblatt der Schweizer Kommunikationswirtschaft, feiert dieses Jahr ihr 50-Jähriges. Eines der denkwürdigsten Interviews in der Geschichte der Zeitschrift führte der Chefredaktor mit dem mit einer schweren Zunge ausgerüsteten deutschen Erfolgsverleger Benedikt Taschen: Sowohl Interviewer wie Interviewter nickten aus Langeweile ein. Wie Zeugen berichten, nahmen sie einige Minuten später das Gespräch wieder auf – so, als wäre nichts gewesen.

Angeblich spielen sich die Ereignisse der Filmreihe «Star Wars» – immerhin das erfolgreichste Filmprojekt aller Zeiten – «vor langer Zeit» in einer «weit, weit entfernten Galaxie» ab. Aber vielleicht ist das alles gelogen: Wer im Café des Amis in Wipkingen sitzt, Moules & Frites vertilgt und sich zwischendurch ins Internet einwählen will, entdeckt ein WLAN mit Namen «Kashyyyk». Na, klingelts? Kashyyyk ist der Heimatplanet von Chewbacca, Han Solos treuem Copiloten. Vielleicht sind uns unsere Helden ja doch viel, viel näher als gedacht.

Alle wollen zur Nasa . Gar kein Problem: Einfach an der Bederstrasse Richtung Bahnhof Enge rechts einbiegen und den Rüssel zücken. Wer will, kann an der Tankstelle mit dem ausgefallenen Namen auch gleich noch das Möbellager der Gebrüder Müller inspizieren.

Das Zürcher Modelabel Ikou Tschüss – bekannt durch ausgefallene, gestrickte und bedruckte Textilien, getragen von Menschen mit Geschmack (darunter ­Karen O von den Yeah Yeah Yeahs, Michi Beck von den Fantastischen 4 und Filmer Benjamin Weiss) – expandiert nach Los Angeles. Dort wird das Unternehmen mit Hauptsitz an der Ankerstr. 25 in Zürich eine neue Keramiklinie namens Ikou Topf ins Leben rufen.

Wenn wir gerade bei Hollywood sind: Kameramann Hoyte van Hoytema , unter anderem verantwortlich für die Einstellungen des Films «Her» von Spike Jonze, wurde am 4. Oktober 1971 in Horgen am Zürichsee geboren. Sein Vater arbeitete hier als Architekt. Dieses Jahr dreht van Hoytema den Sci-Fi-Film «Interstellar» mit Christopher Nolan.

Beim Thema Film hat auch Roger Schawinski etwas mitzureden. Dieser hat nämlich neben der Egomanie und anderem auch das Kino am See erfunden. Ein nichtiger Fakt? Nicht für Schawinski: Er zwang Jean-Pierre Hoby, den ehemaligen Kulturchef der Stadt Zürich, ihm dies per eidesstattlicher Erklärung zuzugestehen.

Sie blitzen und büssen, Tag und Nacht. Aber auch die kantonalen Radarfallen müssen mal Pause machen. Und zwar dann, wenn bei der Kantonspolizei Personalknappheit herrscht.

Der berühmte italienische Fotograf Oliviero Toscani , heute 72, bekannt für seine hochprovokativen Benetton-Kampagnenbilder, hat in den 60er-Jahren in Zürich an der Kunstgewerbeschule Grafik und Fotografie studiert. Heute kann er weder mit Benetton noch mit Zürich viel anfangen: «Es wurde viel gebaut, wie überall. Darum sieht es in Zürich auch aus wie überall: Es ist grau und trist geworden», sagte Toscani, der sich heute vor allem mit Pferdezucht und Wein­anbau beschäftigt, anlässlich eines kürzlichen Besuchs in der Limmatstadt.

Der Lack macht den Unterschied: Am 15. Januar ist beim Eidg. Institut für Geistiges Eigentum ein Patentantrag für ein «Verfahren zur Herstellung eines Lacks für Holzinstrumente» eingereicht worden. Die Erfinder dieses «Stradivari-Lacks»: Paul J. und Barbara Reichlin aus Samstagern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2014, 07:02 Uhr

Artikel zum Thema

Das Bellevue als neue Halfpipe

Iouri Podladtchikov lebt zwischen den Extremen. Auf den Bahamas träumt er von der Brunau. Und will er etwas, muss es rasch gehen. Trotzdem mag er es zu planen, wie er auf einem Spaziergang erzählt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Ja zum Abnehmen und Nein zu Cellulite

Starten Sie mit Ihrer Wunschfigur in den Sommer – jetzt profitieren Sie von bis zu 50 Prozent Rabatt.

Kommentare