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Patienten werden stärker zur Kasse gebeten

Wer Langzeitpflege benötigt, muss im Kanton Zürich künftig 20 Prozent der anfallenden Pflegekosten übernehmen. Das ist das Maximum der vom Bund vorgesehenen Beteiligung.

Pflege wird teurer: Spitex-Angestellte bei der Behandlung eines betagten Mannes.
Pflege wird teurer: Spitex-Angestellte bei der Behandlung eines betagten Mannes.
Keystone

Die Pflege-Finanzierung verteilt sich künftig auf vier Kassen: Krankenversicherungen, Patienten, Kanton und Gemeinden. Dies legt das neue kantonale Patientengesetz fest, das am 1. Januar 2011 in Kraft treten soll, wie Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger am Freitag vor den Medien ausführte.

Die Krankenkassen zahlen künftig vom Bund festgelegte Fixbeträge. Diese sind im Kanton Zürich niedriger als die bisher erhobenen Tarife und wurden in kantonalen Vereinbarungen festgelegt.

Wenn nötig, gibts Ergänzungsleistungen

Die Patienten haben 20 Prozent der Pflegekosten zu tragen. Sind sie stationär untergebracht - also in einem Heim - so ist dies konkret 21.60 Franken pro Tag, wie Christoph Franck, Leiter der Abteilung Planung und Investitionen, sagte. Hotelleriekosten und dergleichen kommen dazu.

Beanspruchen sie Spitex-Pflege zu Hause, werden ab einer Stunde pro Tag 15.95 Franken berechnet. Übersteigt all dies die finanziellen Möglichkeiten eines Patienten oder einer Patientin, so hat er oder sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen.

Kanton und Gemeinden teilen sich den Rest. Der Kantonsbeitrag bemisst sich auf der Basis von errechneten «Normkosten». Je nach Finanzkraft einer Gemeinde übernimmt er 3 bis 50 Prozent des entsprechenden «Normdefizits». Was dann noch übrig bleibt, berappt die Gemeinde, die zu diesem Zweck mit den Heimträgern Vereinbarungen abschliesst.

Bei der Spitex-Pflege zahlt die öffentliche Hand nicht nur für Pflegeleistungen mit, sondern auch für hauswirtschaftliche Arbeiten und allgemeine Betreuung. Damit soll laut Gesundheitsdirektor Heiniger die Pflege zu Hause an Attraktivität gewinnen - Ziel sei eine Stärkung des Grundsatzes «ambulant vor stationär».

Neue «Akut- und Übergangspflege»

Als neue Kategorie eingeführt wird die so genannte Akut- und Übergangspflege. Sie wird aktuell, wenn ein Patient aus dem Akutspital entlassen wird, aber doch noch pflegebedürftig ist. In diesem Fall ordnen Arzt oder Ärztin die «Akut- und Übergangspflege» an, die längstens 14 Tage dauern darf.

Die Kosten teilen sich Krankenkassen (maximal 45 Prozent) und öffentliche Hand (mindestens 55 Prozent). Reicht für die Akut- und Übergangspflege die Spitex aus, so entstehen dem Patienten keinerlei Kosten. Muss er für die 14 Tage in ein Pflegeheim, so braucht er sich zwar nicht an den Pflegekosten zu beteiligen, für Hotellerie und Verpflegung muss er aber zahlen.

Die neue Kostenverteilung führt zu Mehrbelastungen von Patienten und öffentlicher Hand. Dagegen werden die Versicherer entlastet. «Dies müsste sich eigentlich auf die Prämien niederschalgen», sagte Heiniger.

Patienten sollen nahe an ihrer Wohnumgebung bleiben

Für die Bereitstellung von Spitex-Diensten und Pflegeheimen sind die Gemeinden zuständig. Die Patientinnen und Patienten sollen möglichst nahe an ihrer Wohnumgebung bleiben können. Wie sich die Kommunen organisieren, ist ihre Sache, mehrere können sich beispielsweise zu einem Zweckverband zusammenschliessen und gemeinsam ein Heim betreiben.

Noch im Sommer/Herbst soll nun das Kantonsparlament über das neue Pflegegesetz beraten. Laut Heiniger besteht «grosser Zeitdruck», denn in Kraft treten soll es am 1. Januar 2011. Die Anpassung der bisherigen kantonalen an die vom Bund festgelegten national einheitlichen (niedrigeren) Tarife erfolgen in Etappen bis spätestens 1. Januar 2014. Nächstes Jahr gelten noch die diesjährigen Tarife.

SDA/tif

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