Pendler in die Röhre

Eine U-Bahn soll künftig den öffentlichen Verkehr und die Strassen in Zürich entlasten. Widerstand kommt von ungewohnter Seite.

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Da der öffentliche Verkehr in Zürich an seine Grenzen kommt, wollen Grünliberale kräftig investieren. In einem Postulat fordern sie vom Regierungsrat einen Bericht zu einer U-Bahn für den Grossraum Zürich. Seit dem Nein an der Urne in den 1970er-Jahren kommt das Thema immer wieder aufs Tapet.

Den neusten Anlauf starten nun Thomas Wirth, Barbara Schaffner und Andreas Hauri von der GLP. Die Kantonsräte wollen eine U-Bahn für Zürich, die als sogenannter Mittelverteiler das ÖV-Netz stärkt. Sie soll als Bindeglied zwischen Tram und Bus auf der einen und der S-Bahn auf der anderen Seite dienen.

Für das Zürich von morgen

«Das Zürich von heute braucht noch keine U-Bahn, aber für das Zürich von morgen macht das absolut Sinn», sagt Wirth. Denn die Wachstumsprognosen und die Vorgaben punkto Verdichtung in bestehenden Stadtlandschaften werden laut dem Politiker aus Hombrechtikon zusätzliche Verbindungen der bestehenden ÖV-Achsen verlangen.

Dabei gehe es nicht darum, Zürich ein grossstädtisches Flair zu geben, sondern den Strassenraum zu entlasten. Deshalb hat sich das Trio laut Wirth seit einigen Monaten Gedanken darüber gemacht, wie ein U-Bahn-Netz den Stadtraum von Zürich und die unmittelbar angrenzenden Gebiete sinnvoll verbinden könnte.

Über Linienführungen will Wirth noch nicht konkret sprechen, nennt aber Beispiele wie eine unterirdische Führung der Forchbahn ab Rehalp, eine Verbindung in Wiedikon, zwischen dem Hochschulgebiet und der ETH Hönggerberg oder auch zum Flughafen. Den HB würde er jedoch auslassen, da dort die Kapazitätsgrenzen bald erreicht sind.

HB am Anschlag

«Bereits heute können sich die Pendler nicht immer in alle Richtungen gleich gut bewegen, da dort täglich Hunderttausende Personen unterwegs sind», sagt Wirth. Wenn die prognostizierte Zahl von mehr als einer halben Million erreicht werde, bestehe die Gefahr, dass der HB als Verkehrsknoten träge würde. Deshalb wollen die GLP-Vertreter die U-Bahn um diese Hauptverbindung herumführen und via S-Bahn-Haltestellen damit verbinden.

Zu den Kosten macht Wirth keine konkreten Angaben, rechnet aber mit einem zweistelligen Milliardenbetrag. Vorerst soll nun aber der Regierungsrat darstellen, für wie sinnvoll er ein solches Projekt hält. Laut Wirth gebe es im Kantonsrat Stimmen von FDP bis SP, welche der Idee positiv gegenüberstünden. Er sieht deshalb die Chancen intakt, dass das Postulat überwiesen wird.

«Absurdes Vorhaben»

Gar nichts von einer U-Bahn hält die grüne Verkehrspolitikerin und Kantonsrätin Gabi Petri: «Ein solches Vorhaben in der kleinräumigen Stadt Zürich ist absurd.» Aus diversen Gründen mache ein solcher Verkehrsträger nur in grossen Städten wie Paris, London oder Berlin Sinn.

«Einerseits sind die Wege für die Reisenden zu den Haltestellen im Untergrund sehr weit, verglichen mit der Dichte der bestehenden Bus- und Tramnetze.» Wenn alle 300 bis 400 Meter ein öffentliches Verkehrsmittel hält, bringt es laut Petri nichts, zweihundert Meter zu einer U-Bahn-Station laufen zu müssen. Andererseits seien Rampen aus dem Boden an die Oberfläche sehr platzintensiv, da diese nicht gekreuzt werden können.

«Porta Alpina am Zürichberg?»

Dadurch würde die städtische Struktur unnötig verunstaltet, wie das Beispiel der Autorampe Ulmbergtunnel in der Enge zeige. Zudem sieht Petri das bestehende ÖV-Netz im Grossraum Zürich als so wirkungsvoll, dass eine unterirdische Bahn «ein unglaublich schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis» mit sich bringen würde.

Auch Vorschlägen wie einer teilweise unterirdischen Forchbahn oder Verbindungen ins Hochschulquartier gewinnt sie nichts ab. «Will man eine Porta Alpina am Zürichberg?» Es sei sehr bedenklich zu meinen, man könne gleichzeitig nur schon 1000 Studenten über ein Perron im Untergrund schleusen.

«Das zeigt der Bahnhof Museumsstrasse unter dem HB: Es wird schnell eng und gefährlich.» Ihr Fazit: Eine U-Bahn ist in den wichtigen Punkten überhaupt kein Gewinn für Zürich. «Das Geld sollte wirkungsvoller eingesetzt werden, zuerst für den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen», sagt Petri. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2015, 16:39 Uhr

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