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Pfefferspray: So probt die Armee den Ernstfall

Nach zu vielen ungewollten Schussabgaben auf der Wache werden die Soldat künftig mit Pfefferspray ausgerüstet. Eine halbherzige Lösung, sagen Experten.

Proben für den Ernstfall – zunächst allerdings nur mit Wasser anstatt Pfefferspray. (Video: Lorenz Schmid)

Im Jahr 2008 kam es in der Schweizer Armee zu nicht weniger als acht ungewollten Schussabgaben im Wachtdienst. Nun reagiert die Armeeführung auf diesen Umstand, indem sie ab Anfang 2009 das Reizstoffsprühgerät (RSG) bei der Truppe als Waffe eingeführt. Heute wurden die Pfeffersprays, die bisher nur bei besonderen Einsätzen wie dem WEF oder der Euro 08 zum Einsatz kamen, von Mitgliedern des Militärkaders erstmals im Selbsttest angewandt.

«Die Ausbildung setzte bisher zu einseitig auf den Waffeneinsatz», sagt Oberst im Generalstab Alex Reber, Kommandant der Lehrgänge und Kurse am Ausbildungszentrum des Heeres (AZH) in Walenstadt, gegenüber Tagesanzeiger.ch. «Im modernen Einsatz eines Soldaten, der sich vorwiegend im zivilen Umfeld bewegt, müssen verhältnismässige Zwangsmittel verfügbar sein», glaubt Reber. Dazu zählt auch das Reizstoffsprühgerät (RSG), welches dem Soldaten eine nicht tödliche Waffe in die Hand gibt.

Missbrauch kann nicht nachgewiesen werden

Problematisch ist für Reber, dass die Armee nicht erlaubt, nur mit dem RSG Wache zu leisten. «Für eine Eingangskontrolle macht es keinen Sinn, mit beiden Waffen ausgerüstet zu sein – ein RSG genügt.» Eine Weisung aus Bern schreibt allerdings vor, dass beim Gebrauch des Pfeffersprays die Schusswaffe mitgeführt werden muss.

Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass im Gegensatz zur Schusswaffe, ein Einsatz des RSG nicht nachgewiesen werden kann. Dazu müsste das Gerät vor und nach der Herausgabe an einen Soldaten gewogen werden. Eine entsprechende Passage wurde indes aus dem Reglement gelöscht. «Das öffnet dem Missbrauch, dem unerlaubten Ausprobieren während der Wache, Tür und Tor», sagt Reber.

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