Pflücken, dass es eine Freude ist

Winterthur hat ein erfreuliches Problem: Es gibt zu viele Früchte. Davon profitiert die Bevölkerung - wer sonst.

Da bin ich! Auch Erdbeeren und Artverwandte auf öffentlichem Grund wollen gepflückt werden.

Da bin ich! Auch Erdbeeren und Artverwandte auf öffentlichem Grund wollen gepflückt werden. Bild: Thomas Egli

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Am Mittwochmorgen erreichte uns folgende erfreuliche Medienmitteilung aus Winterthur:

Früchte zum Selberpflücken auf öffentlichem GrundDepartement Technische Betriebe, Stadtgrün Winterthur

Das Jahr 2018 ist ein aussergewöhnlich fruchtreiches Jahr. Stadtgrün Winterthur lädt die Bevölkerung dazu ein, die Früchte in öffentlichen Grünanlagen zu nutzen und für den privaten Gebrauch zu pflücken.

Dank der sehr günstigen Witterungsbedingungen haben sich Obst und Früchte dieses Jahr aussergewöhnlich früh und gut entwickelt. Obst- und Kirschbäume im Grüzefeld und Eulachpark tragen reiche Früchte. Die Naturgärten Loorstrasse und Lindberg locken mit ihrem vielfältigen Beerenangebot von Holunder bis Sanddorn. Auch mediterrane Arten, wie beispielsweise der Maulbeerbaum, tragen dieses Jahr aussergewöhnlich viele Früchte, was auch zu negativen Geruchsemissionen durch die im Übermass herabfallenden, gärenden Früchte führen kann.

Bei Stadgrün Winterthur gehen zahlreiche Anfragen ein, was mit den Früchten auf öffentlichem Grund geschieht. Die Bevölkerung ist grundsätzlich eingeladen, die Früchte von den stadteigenen Bäumen zu nutzen und für den privaten Gebrauch zu pflücken. Dabei ist allerdings Vorsicht und behutsamer Umgang mit den Pflanzen geboten, damit keine Äste abgebrochen und die Pflanzen nicht verletzt werden. Es dürfen nur Früchte an stadteigenen Bäumen gepflückt werden, die an der Baumplakette mit Nummer erkennbar sind.

Wasser zum Selbertrinken auf öffentlichem GrundDepartement für Höchstenswasser in der Sihl (Höwasi)

Damit im Jahr 2018 weiterhin keine Hochwassergefahr in der Sihl droht, lädt das Departement für Höchstenswasser in der Sihl (Höwasi) alle Flutbürgerinnen und Flutbürger dazu ein, ungeniert Wasser für den Eigengebrauch aus der Sihl abzuschöpfen.

Dank der sehr günstigen Witterungsbedingungen hat sich der Wasserstand in der Sihl dieses Jahr weiterhin nicht verändert. Das Wasser, zurzeit gerade wunderbar schlammgrün gefärbt, ist trotz zeitweiligem Alarmismus nicht aus seinen ruhigen Bahnen zu lenken. Es geht verlässlich seinen Weg und ist trotz der Richtung, immer abwärts, ein Aufsteller für Joggerinnen und Flussgänger.

Beim Höwasi gehen zahlreiche Anfragen ein, wie das weiterhin so bleiben kann. Die Flutbürgerinnen und Flutbürger sind grundsätzlich eingeladen, das Sihlwasser zu nutzen und für den privaten Gebrauch abzuschöpfen. Dabei ist allerdings Vorsicht und behutsamer Umgang mit der Sihl geboten, damit kein Speichel oder andere Körperflüssigkeiten das Wasser verunreinigen. Es dürfen nur 0,2 Liter pro Person abgeschöpft und danach keinesfalls in die Sihl hineingespuckt werden. (slm)

Wildbeflaggung zum Mitnehmen auf öffentlichem GrundDepartement für Flatterbilder und -sätze (Defabis)

Das Jahr 2018 war ein aussergewöhnlich wild beflaggtes Jahr. Das Departement für Flatterbilder und -sätze (Defabis) lädt die Bevölkerung dazu ein, den Wildwuchs an Fahnen, Flaggen und Spruchbändern einzudämmen und die betreffenden Objekte abzumontieren.

Dank der unverständlich hochgeschraubten Erwartungen an die Schweizer Nationalmannschaft sind überdurchschnittlich viele Häuserfassaden, Balkone und Autos, fahrende sowie parkierte, mit Schweizer Flaggen bestückt. Nicht nur in den Kreisen vier und fünf, auch in den Kreisen eins, zwei und drei wurden solche gesichtet. Ebenso in der Hängeart sowie der Windausrichtung herrscht keine Einheit: Es wurde berichtet, dass gewisse Fahnen runterlampen, also Trauer tragen würden, andere wiederum würden über Strasseneinfahrten wehen, als gäbe es noch viel zu holen und alles zu gewinnen.

Beim Defabis gingen zahlreiche Anfragen ein, wie diesem Wildwuchs bürokratisch beizukommen wäre. Die Bünzlis sind grundsätzlich eingeladen, selber Hand anzulegen und sich die Fahnen, sofern in Reichweite, einzustecken. Gemäss Verord. Nr. 2, Flatter-Absatz, Flattersatz Halbmast, handelt es sich hierbei nicht um Vandalismus, sondern um einen gesunden Patriotismus gemäss “Da könnte ja jeder kommen”. (slm)

Auflesen nach Lust und LauneQuoteDepartement für versehentlich und mutwillig Liegengelassenes (DFVMLG)

Das Jahr 2018 ist leider ein gewöhnlich müllreiches Jahr. Das DFVMLG lädt die Bevölkerung dazu ein, ja ruft sie sogar ermunternd dazu auf, die Liegengelassenes in öffentlichen Grünanlagen aufzuheben und in die öffentlichen Müllbehälter (nein, Seen und Flüsse sind keine solchen) zu werfen.

Die Parkanlagen und Schulhausplätze locken mit ihrem vielfältigen Müllsortiment von Chipspackung über Glasscherben und Zigarettenstummel bis zu Einweggrills. Auch mediterrane Arten, wie beispielsweise der Halumischachtel, tragen dieses Jahr gewöhnlich zum Müllberg bei, was visuel stört und auch zu negativen Geruchsemissionen führen kann.

Beim DFVMLG gingen zahlreiche Anfragen ein, was mit dem Müll auf öffentlichem Grund geschieht. Die Bevölkerung ist grundsätzlich eingeladen, die Liegengelassenes aufzuheben und wenn gewünscht einer privaten Neunutzug zuzuführen. Dabei ist allerdings Vorsicht und behutsamer Umgang geboten, damit keine Finger verschnitten oder Hände schmutzig werden. (bra)

Fernöstliche Zweiräder entwurzelnDepartement für invasive Sachen (Divis)

Im Jahr 2018 spriessen neben dem Schmalblättriges Greiskraut, der Ambrosia, dem Japanknöterich, dem Essigbaum und dem Riesenbärenklau auch das zweirädige O-Bike im Volksmund auch gemeiner O-Göppel genannt. Divis ruft lädt die Bevölkerung dazu ein, diesen Neophyten aus dem Stadtbild zu entfernen. “Wie ist egal”, sagt Divis-Vorsteherin Ambrosia Fallopia. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass sie in der leidigen Sachen kein Wort mehr verlieren will. In ihrem anstehenden Sabaticcal - dies nur um den zahlreichen Anfragen vorzubeugen - macht sie sich auf einem

massgeschweissten gretzenbacher Aarios auf, die Geschichte des Ordonanzrades zu erfahren. (bra)

Luft zum Einatmen im FreienDepartement für respiratorisches Wohlbefinden (DreW)

Dank sehr günstigen Bedingungen ist die Luft in der Stadt Zürich derzeit so rein wie selten sonst. Die ausgedehnten Regenfälle in der vergangenen Woche haben die Luft zu einem grossen Teil von Schmutzpartikeln gereinigt, weil Wasserdampf an diesen zu Regentropfen kondensiert ist. Wegen der Ferienzeit liegen zudem die Emissionen der Industriebetriebe und des motorisierten Verkehrs in und um die Stadt weit unter dem Durchschnitt der üblichen Feinstaubbelastung.

Beim DreW sind zahlreiche Anfragen eingegangen, was mit der vielen reinen Luft geschehen soll. Die Bevölkerung ist grundsätzlich eingeladen, sich ins Freie zu begeben und zum Wohl der eigenen Gesundheit reichlich Luft einzuatmen. Erlaubt ist das Einatmen auf allen öffentlichen Plätzen, auf den Strassen, in den Pärken und Wäldern von Grün Stadt Zürich. Es ist auf korrekte Atemtechnik zu achten. (ema)

Kinder zum MitnehmenDepartement für Kindersegen

Dank der grossen Fertilität der Zürcher Stadtbevölkerung sind in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in der Stadt mehr Kinder auf die Welt gekommen als im ersten Halbjahr der vergangenen Jahre. Hält der Geburtentrend an, erreicht der Stand ähnliche Werte wir im Rekordjahr 1966.

Dank der grossen Fertilität der Zürcher Stadtbevölkerung sind in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in der Stadt mehr Kinder auf die Welt gekommen als im ersten Halbjahr der vergangenen Jahre.

Beim Departement für Kindersegen gingen zahlreiche Anfragen ein, wie man sich darüber erfreuen könne. Die Bevölkerung ist grundsätzlich dazu eingeladen, sich dem städtischen Nachwuchs anzunehmen. Personen sind zum Handeln aufgefordert, wenn sie eine Mutter sehen, die vom Geschrei des Geschöpfs aus dem Kinderwagen gezeichnet ist. Es wird geraten, das Kind zum Wohl der Mutter für zwei, drei Stunden zu entführen. Das Geheul der Wölfe im Zoo oder das Vogelgezwitscher im Wald werden den Schreihals mit Sicherheit beruhigen. Nachbarn eines Neugeborenen wird empfohlen, den Eltern ein Sharingangebot zu unterbreiten. Das Departement übernimmt jedoch keine Haftung in Entführungsfällen. (ema)

Velofahrer zum Erziehen Departement für angepasste Velomobilität

Dank der zahlreichen neuen und schnellen Velorouten durch die Stadt, ist die Zahl der Velofahrer in Zürich im Juni 2018 auf ein Rekordhoch angestiegen.Im gleichen Zug hat sich aber auch die Zahl jener Pedaleure erhöht, die sich um die gängigen Verkehrsregeln foutieren. Sie fahren mit Rädern durch die Stadt, die nicht den Anforderungen entsprechen - klappern oder scheppern. Sie sind abgelenkt, weil sie im Sattel telefonieren oder sich mit Musik berauschen lassen. Sie missachten Tempolimiten (Ebikes) oder Vortrittsregeln.

Beim Departement für angepasste Velomobilität gingen zahlreiche Anfragen aus der Bevölkerung ein, was mit jenen Lenkern zu tun sei. Die Bevölkerung ist grundsätzlich dazu eingeladen, jene Lenker ungeniert auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. In das Velo zu treten, so dass sie sich ein neues, leiseres Gefährt anschaffen müssen. Die Stöpsel aus dem Ohr zu reissen und ihnen ins Gesicht zu schreien, was sie für Idioten seien. Oder ganz einfach: zu lüfteln. (ema)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2018, 07:37 Uhr

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