Pilot verwechselt Zürichsee mit Bodensee

Wäre der Himmel nicht so klar gewesen, hätte es schlimm enden können: Ein Hobbypilot ist mit seinem Segelflieger irrtümlich in die Anflugschneise des Flughafens geraten.

In einem Motorsegler dieses Typs unterlief dem Piloten sein schwerer Irrtum: Ein Scheibe SF 25. Bild: Wikipedia/El Grafo

In einem Motorsegler dieses Typs unterlief dem Piloten sein schwerer Irrtum: Ein Scheibe SF 25. Bild: Wikipedia/El Grafo

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Das Unglück braute sich am 25. August 2016 am heiterhellen Himmel zusammen. Der Pilot eines Motorseglers, ein fast 70-jähriger Deutscher, schaltete rund 2000 Meter über dem Schwarzwald seinen Transponder aus. Er hatte bemerkt, dass eine Generatorsicherung ausgelöst worden war, also wollte er den Stromverbrauch senken. Aber die Konsequenz war, dass er ab sofort keinen Funkkontakt mehr hatte. Und als ob das nicht genug wäre, fiel auch noch sein Tablet-Computer aus, den er zur Navigation mitgenommen hatte. Er konnte sich jetzt nur noch an die Luftkarte halten.

Der Pilot, ein Mann mit wenig Flugerfahrung, machte am dunstigen Horizont einen See aus. Der Bodensee, so glaubte er, nördlich davon befand sich sein Ziel. Also hielt er darauf zu. Viel zu spät erst sollte er merken: Was da in der Ferne lockte, war der Zürichsee.

Sie sahen ihn durchs Fenster

Zur gleichen Zeit befand sich ein Airbus A-330 der Edelweiss mit 194 Passagieren an Bord im Anflug auf den Zürcher Flughafen. Da erreichte die Besatzung eine Warnung des Flugverkehrsleiters. Dieser hatte auf seinem Radar ein Echo entdeckt, das nur ab und zu sichtbar wurde. Rund eine Minute später war klar, was die Ursache war. Durchs Fenster entdeckte die Crew des Edelweiss-Fliegers den Motorsegler.

Aufnahme des Motorseglers aus dem Cockpit der Edelweiss-Maschine. Bild: Sust

Laut einem heute veröffentlichten Bericht der Schweizer Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) näherten sich die beiden Flugzeuge einander auf gleicher Flughöhe bis auf 300 Meter an. Der Pilot des Motorseglers habe erst begriffen, wohin er sich verirrt habe, als er die Passagiermaschine plötzlich neben sich entdeckte. Diese konnte aufgrund der guten Sichtbedingungen den Anflug auf Zürich ohne Ausweichmanöver fortsetzen. Dennoch taxiert die Sust den Vorfall als «schwer» und die Annäherung als «gefährlich».

Ursache ist laut Sust nicht zuletzt eine «gewisse Selbstüberschätzung» des Hobbypiloten, der sich auf seine Navigationsfähigkeiten verliess, statt auf der ihm bekannten Route zum Ursprungsflughafen zurückzukehren. Der Mann kommt im Bericht auch sonst nicht gut weg: Auch als ihm sein Irrtum bewusst geworden war, hielt er es nicht für nötig, eine Funkverbindung aufzunehmen. Und auch in den Tagen nach der Landung unterliess er es, den Vorfall zu melden. (hub)

Erstellt: 28.02.2018, 12:22 Uhr

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