Piloten fordern härtere Massnahmen gegen Drohnenflieger

Vorfälle mit Drohnen und Flugzeugen häufen sich. Doch die Behörden sehen keinen Handlungsbedarf.

Sie ist den Flugzeugpiloten zunehmend ein Dorn im Auge: Drohne über Losone. Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)

Sie ist den Flugzeugpiloten zunehmend ein Dorn im Auge: Drohne über Losone. Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone)

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Drohnen stellen eine ernsthafte Gefahr für Passagierflugzeuge dar. Erst letzten Sonntag meldete der kanadische Verkehrsminister Marc Garneau, in Québec sei eine Linienmaschine der Fluggesellschaft Skyjet mit einer Drohne zusammengestossen. Dabei wurde das Flugzeug leicht beschädigt, verletzt wurde niemand. Doch Garneau warnte vor «katastrophalen Folgen» solcher Zusammenstösse. Vor zwei Wochen veröffentlichte die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle einen Bericht über eine Beinahekollision im vergangenen Mai. Eine Drohne hatte sich am Flughafen Zürich einem Airbus im Landeanflug bis auf 10 Meter genähert.

Thomas Steffen, Pressesprecher des Berufsverbands für Schweizer Piloten Aeropers, ist über den Zusammenstoss in Kanada nicht überrascht. Auch in Zürich müsse man mit solchen Vorfällen rechnen. «Die Drohnen werden zunehmend zu einer Gefahr für die Luftfahrt», sagt Steffen, der selber A320 fliegt. Der Berufsverband fordert deshalb schärfere Massnahmen. Demnächst will er ein Positionspapier veröffentlichen.

Schon heute gelte zwar, dass Drohnen einem Flughafen nicht näher als fünf Kilometer kommen dürfen, doch werde dieses Gesetz zu wenig umgesetzt. Deshalb müssten Flughäfen geeignete Abwehrmassnahmen durchsetzen, fordert Aeropers. Ausserdem sollten sich Drohnenbesitzer registrieren und für Geräte ab einem bestimmten Gewicht eine Lizenzierung beantragen, schreibt der Pilotenverband im Entwurf zum Positionspapier.

«Thema mit etwas Augenmass angehen»

Mit seinen Forderungen richtet sich der Verband insbesondere an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und den Gesetzgeber. Da sieht man allerdings wenig Handlungsbedarf. In der Sommersession lehnte der Nationalrat eine Motion von Susanne Leutenegger Oberholzer ab. Die Basler SP-Nationalrätin hatte vom Bundesrat gesetzliche Grundlagen für den verstärkten Schutz der Bevölkerung vor Drohnen gefordert. Der Bundesrat und das zuständige Bundesamt setzen auf eine «schlanke Regulierung», wie Bazl-Sprecherin Nicole Räz auf Anfrage sagt. Es sei bisher zu verhältnismässig wenig schweren Vorkommnissen und keinen Unfällen gekommen. «Wichtig scheint uns deshalb, das Thema mit etwas Augenmass anzugehen», sagt Räz.

Ausserdem unternehme man durchaus etwas. Zurzeit arbeitet die Europäische Agentur für Flugsicherheit an einer Gesetzesänderung für Drohnen. Dabei ist auch die Schweiz eingebunden. Das geplante Gesetz soll 2019 in Kraft treten. Zudem arbeitet das Bazl im «U-Space Projekt» mit. Das System wird unter der Leitung der Schweizer Flugsicherung Skyguide entwickelt, die vor einem Monat erste Resultate präsentierte. «U-Space»-Benutzer registrieren sich über das Smartphone und legen ihren Flugplan Skyguide vor, die eine Bewilligung erteilt. Sowohl die Flugsicherung wie auch der Drohnenpilot können den Flug verfolgen und andere Fluggeräte im Luftraum sehen. Geraten Drohnen auf unerlaubte Routen oder Kollisionskurs, wird der Drohnenpilot über das Handy gewarnt. Wer dieses System anwenden muss und wer die Registrierung der Drohnen vornimmt, muss das Bazl erst noch bestimmen. Man würde dies gerne übernehmen, heisst es bei Skyguide.

Es gibt technische Lösungen

Um zu verhindern, dass Drohnen überhaupt in gefährliche Zonen fliegen, gibt es sogenannte Geofences. Dies sind virtuelle Zäune rund um Flughäfen oder Fussballstadien wie den Zürcher Letzi­grund. Damit Geofences wirken, müssen die Drohnen entsprechend programmiert sein. Längst nicht alle Hersteller halten sich an diese freiwillige Vorgabe.

Der fehlende Wille, schärfere Massnahmen umzusetzen, hängt wohl auch mit den bisherigen Vorfällen zusammen. So verweist das Bazl darauf, dass bestätigte Kollisionen mit Drohnen weltweit selten seien. Im Spätsommer gab es in New York einen Zusammenstoss zwischen einem Armeehelikopter und einer Drohne. Die Schäden waren minim. In diesem Jahr wurden dem Bazl sechs Drohnensichtungen von Passagierflugzeugpiloten gemeldet, hinzu kommen sieben von Helikoptercrews und drei von Leichtflugzeugen.

Auch die Fluggesellschaft Swiss sagt auf Anfrage, die Anzahl der Vorfälle mit Drohnen habe zwar zugenommen, es gebe aber im Vergleich zur Anzahl der Swiss-Flüge insgesamt noch immer wenige Drohnenzwischenfälle. Mittlerweile gibt es in der Schweiz schätzungsweise über 100'000 Drohnen. Die Swiss fordert eine technische Ausrüstung der Drohnen, sodass sie für die Flugsicherung und die Kollisionswarnungssysteme an Bord sichtbar werden.

«Bis weitere Massnahmen umgesetzt sind, bleibt uns nur zu hoffen, dass es zu keinen gravierenden Zwischenfällen kommt», sagt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen.

Erstellt: 16.10.2017, 21:37 Uhr

Drohnen: Die Regeln

Vorschriften des Bazl


  • Verbote: Drohnen dürfen grundsätzlich nicht innerhalb von Natur- oder Vogelschutzgebieten, Jagdbanngebieten, im Umkreis von 100 Metern bei Menschenansammlungen mit über 24 Personen oder von 5 Kilometern von Flughäfen geflogen werden.

  • Bewilligung: Für Flüge von Drohnen, die bloss noch mit Feldstechern oder Videobrillen zu sehen sind, muss beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine Bewilligung eingeholt werden. Flüge mit Videobrillen sind gestattet, wenn die Drohne in Sichtweite bleibt und ein zweiter Operateur neben dem Piloten steht und den Flug überwacht. Ebenfalls eine Bewilligung brauchen Drohnen mit einem Gewicht über 30 Kilogramm.

  • Autopilot: Ein automatisierter Drohnenflug ist im Sichtbereich gestattet, wenn ein Pilot jederzeit eingreifen kann.

  • Privatsphäre: Vorschriften des Datenschutzgesetzes müssen eingehalten werden. Bei Videoaufnahmen mit Drohnen dürfen keine Personen ohne deren Einverständnis erkennbar sein. Bei Luftaufnahmen sind zudem Vorschriften zum Schutz militärischer Anlagen zu beachten.

  • Haftpflicht: Bei Drohnen, die schwerer als 500 Gramm sind, muss der Betreiber allfällige Schäden von mindestens einer Million mit der Haftpflicht decken können. (zac)




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