Politiker fordern Abschreckungsgebühr an Spitälern

Die Notfallstationen der Zürcher Spitäler müssen sich oft um Bagatellfälle kümmern und sind deswegen überlastet. Trotzdem ist die Regierung gegen eine Spezialgebühr.

Wer wegen eines «unechten» Notfalls ins Spital geht, soll eine Gebühr zahlen, finden Kantonsräte von GLP, SVP und CVP:

Wer wegen eines «unechten» Notfalls ins Spital geht, soll eine Gebühr zahlen, finden Kantonsräte von GLP, SVP und CVP: Bild: Keystone

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Eine zunehmende Zahl von Zürcherinnen und Zürcher hat keinen Hausarzt mehr. Viele wenden sich deshalb direkt an den Spitalnotfall, auch wenn ihr Leiden noch etwas warten könnte.

In einer Motion forderten Kantonsräte von GLP, SVP und CVP den Regierungsrat deshalb auf, eine Gesetzesgrundlage für eine Notaufnahme-Gebühr auszuarbeiten. Müssten Patienten in der Notaufnahme zuerst etwas zahlen, bevor sich jemand um sie kümmert, würde dies die Patientenzahlen automatisch nach unten korrigieren.

«Echte» und «unechte» Notfälle

Der Regierungsrat hält von dieser Idee allerdings wenig. Einerseits sei das Krankenversicherungsgesetz Sache des Bundes. Eine höhere Kostenbeteiligung der Patienten zu beschliessen, sei ihm vorbehalten, die Kantone könnten hier nichts machen, schreibt er in seiner heute Donnerstag publizierten Antwort.

Andererseits sei eine Notfallgebühr aber auch vom Konzept her falsch. Falls zwanzig bis fünfzig Franken nur bei «unechten» Notfällen erhoben würden, müsste zuerst zwischen «echten» und «unechten» Notfallpatienten unterschieden werden.

Eine solche Unterscheidung könne aber oft erst nach der Untersuchung vorgenommen werden. Dazu komme, dass Ärzte eine Behandlung von Gesetzes wegen ohnehin nicht verweigern dürfen - auch wenn es sich bei einem Patienten um keinen «echten» Notfall handelt.

Möglicherweise würden einige Patienten auch zu lange warten, bis sie ärztliche Hilfe suchten. Und nur schon das praktische Einziehen des Geldes könnte schwierig werden. Schliesslich würden Patienten in Not oft ohne Bargeld oder Kreditkarte in die Notfallaufnahme kommen.

Eine Nummer für alle Notfälle

Untätig will der Regierungsrat aber nicht bleiben. Er verweist auf sein im Sommer vorgestelltes Projekt einer einheitlichen Telefonnummer für medizinische Notfälle. Die neue Notfallnummer - nicht zu verwechseln mit der Notrufnummer 144 - ist für alle jene Fälle gedacht, die keinen sofortigen Transport ins Spital erfordern.

Das «Medical Response Center» wird ab dem 1. Januar 2018 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar sein und Hilfesuchende beraten und weiterleiten. Je nach Beschwerden kann es ausreichen, wenn ein Patient sich an eine Apotheke wendet oder am kommenden Tag einen Arzt aufsucht. Wer sofort behandelt werden muss, wird an eine Praxis verwiesen oder ein Mediziner kommt zum Hausbesuch.

Der Kanton rechnet damit, dass zu Beginn rund 250'000 Anrufe pro Jahr bei dieser Triagestelle eingehen. Die Telefonnummer wird eine kostenlose 0800-Nummer sein. Welche genau, hat die Gesundheitsdirektion noch nicht bekannt gegeben. (sda/pu)

Erstellt: 02.11.2017, 10:12 Uhr

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