Prachtherbst lässt die Bauern von frühem Frühling träumen

Der milde Oktober freut Wanderer und Zugvögel, macht den Landwirten jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Kaum Nebel, nie Regen: Der Herbst ist wie der Sommer viel zu trocken. Foto: Thomas Egli

Kaum Nebel, nie Regen: Der Herbst ist wie der Sommer viel zu trocken. Foto: Thomas Egli

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Auf den Hitzesommer folgt ein goldener Herbst, der nie zu enden scheint. Tatsächlich sagt Urs Graf, Prognostiker bei Meteo ­Schweiz: «Bis zum Wochenende bleibt es mit grosser Wahrscheinlichkeit mild und trocken, und es könnte gut auch noch bis Mitte nächster Woche so weitergehen.»

Solch stabile Wetterlagen seien im Oktober nicht aussergewöhnlich. Dass diese aber nahtlos auf einen solchen Sommer folgen schon. Dazu komme laut Graf, dass es weniger Nebel hat als üblich, da die Erde so trocken ist.

Bei den Bauern akzentuiert der trockene Herbst noch die Knappheit beim Viehfutter. «Die Bauern haben darauf gehofft, dass sie wie nach den Hitzesommern 2003 und 2007 die Situation durch einen Zwischenfutterbau entschärfen können», sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands.

Zu trocken für Futteranbau

Der Mais konnte in diesem Jahr drei bis vier Wochen früher eingebracht werden. Damit verblieb eigentlich genug Zeit für eine Zwischennutzung, etwa für den Anbau von Hafer, Wicken oder Erbsen, um Gras und Heu teilweise zu kompensieren, das wegen der Trockenheit weniger reichlich anfiel.

«Diese Hoffnung aber wurde zunichtegemacht, weil auch der Herbst keinen Regen brachte», muss Hodel jetzt feststellen. Da es auch in anderen Ländern, etwa in Skandinavien oder Deutschland, ausnehmend trocken war, ist das Angebot an Heu gross­räumig gesunken, die Nachfrage aber gestiegen. Die Preise steigen daher deutlich an.

Die Landwirte haben nun laut Ferdi Hodel zwei Möglichkeiten: Entweder sie kaufen teures Futter zu, oder sie verringern den Viehbestand. Das heisst: Sie schlachten die Tiere früher, oder sie schlachten mehr Kühe als in den Vorjahren. «Nun bleibt den Bauern die Hoffnung auf einen frühen Frühling.»

Besonders bitter findet Hodel in diesem Zusammenhang, dass sich zwar die Futterpreise nach Angebot und Nachfrage richten, die Milchpreise aber nicht ansteigen, wenn das Angebot tendenziell abnimmt.

Viel Obst, kleine Rüben

Obst- und Rebbauern schauen dagegen auf eine tolle Ernte zurück. Empfindliche Einbussen zeichnen sich aber bei den Zuckerrüben ab, die in diesen Tagen zur Ernte kommen. «Aufgrund der anhaltenden Trockenheit sind sie kleiner als üblich», stellt Hodel fest. Zuckerrüben sind für die Zürcher Bauern eine wichtige Einnahmequelle.

Im Liechtensteinischen und in den Kantonen Graubünden, Wallis und Tessin herrscht aufgrund der Trockenheit derzeit ein Feuerverbot. Droht das in Zürich auch? «Im Moment herrscht mässige Waldbrandgefahr, Stufe 2 von 5», sagt Markus Pfanner, Mediensprecher der Baudirektion. Stufe 2 bedeutet «mässige Gefahr». Beim Umgang mit Feuer im Wald und in Waldesnähe sei weiterhin Sorgfalt geboten.

Bilder – Viel Sonnenschein aber auch Trockenheit

Im Kanton Aargau ist die Waldbrandgefahr bereits auf Stufe 3 angestiegen, was «erhebliche Gefahr» bedeutet. Dort soll Grillfeuer nur in bestehenden Feuerstellen entfacht werden. Das Naturgefahrenportal von Meteo Schweiz warnt auch bei einigen Gemeinden im Nordwesten von Zürich vor erheblicher Waldbrandgefahr, so etwa für Dietikon oder Bülach. Grundsätzlich vermeldet Pfanner, sei es im Kanton Zürich zurzeit immer noch aussergewöhnlich trocken. «Die Abflussmengen vieler Fliessgewässer sind weiterhin tief. Die Grundwasserpegel bewegen sich aber im normalen Schwankungsbereich.»

Locker über die Alpen

Es gibt auch Positives zu verzeichnen: Das milde Herbstwetter erfreut nicht nur Wanderer und Biker, sondern kommt auch vielen Vögeln zugute. «Für die Zugvögel ist so stabiles und trockenes Herbstwetter günstig», sagt Martin Weggler, Geschäftsführer des Zürcher Ökobüros Orniplan, das zu Bird Life Schweiz und Bird Life Zürich gehört. So können sie auf dem Weg über die Alpen Kräfte schonen, die sie allerdings in den Unwettern, die Südfrankreich im Moment heimsuchen, unter Umständen brauchen werden. Auch kann es sein, dass Vögel, die nur gerade in den Mittelmeerraum ziehen, länger bei uns verweilen. Langstreckenflieger richten sich dagegen nicht nach dem Wetter, sie fliegen nach einer inneren Uhr los. Zu Stresssituationen kann es laut Weggler allerdings bei Wasservögeln kommen. Der Wasseramsel zum Beispiel können bei den vielen ausgetrockneten Bächen die Jagdgründe ausgehen.

Wie der Wald auf die anhaltende Trockenheit reagiert, lässt sich laut Fachleuten noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Sicher sei, dass die Fichten, welche Flachwurzler sind, besonders gestresst sind. Weshalb das Laub der Buchen so früh welkte, wird derzeit erforscht.

Erstellt: 17.10.2018, 06:52 Uhr

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