5 Prozent weniger für die Schule – die Folgen

Alles, was in der Zürcher Bildung Rang und Namen hat, warnt vor dem Multimillionen-Sparplan der Kantonsregierung. Mit drastischen Beispielen.

Widerstand gegen Sparmassnahmen in der Bildung ist nicht neu: Demo der Kanti-Schüler der Hohen Promenade im Sommer 2003. Archivbild: Thomas Burla

Widerstand gegen Sparmassnahmen in der Bildung ist nicht neu: Demo der Kanti-Schüler der Hohen Promenade im Sommer 2003. Archivbild: Thomas Burla

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Anders als in den anderen Schweizer Kantonen ist in Zürich noch nicht bekannt, wo bei der Bildung konkret gespart werden soll. Aber dass gespart wird, ist beschlossene Sache – und gegen diesen Entscheid formiert sich nun so ziemlich alles, was in der hiesigen Bildungslandschaft Rang und Namen hat: die Rektoren der Hochschulen, Lehrer- und Schulleiterverbände von Mittelschule, Berufsschule und Volksschule und die Schulpräsidenten aus den Gemeinden.

Gemeinsam haben sie ein Manifest für die Bildung verfasst, in dem sie verlangen, dass es in Zürich jetzt statt Spardebatten ein «mutiges Bekenntnis zur Bildung und ihren Institutionen» brauche. Es sei klar, dass der Kanton seine Finanzen im Griff haben müsse. Aber wenn die Schüler- und Studierendenzahlen stiegen und gleichzeitig das Budget gekürzt werde, gehe die Rechnung nicht auf. Nötig seien gezielte Investitionen in den Bildungsplatz. Dieser Forderung wollen die Unterzeichner des Manifests am 13. Januar mit einem Tag der Bildung Nachdruck verleihen.

Fast 50 Millionen weniger pro Jahr

Der Hintergrund für die konzertierte Aktion: Die Zürcher Bildungsdirektion unter der neuen Leitung von CVP-Regierungsrätin Silvia Steiner hat im September bekannt gegeben, dass sie von 2016 bis 2019 jährlich 49 Millionen Franken streichen wolle. 20 Millionen sollen bei der Volksschule wegfallen, was etwa 4,5 Prozent des diesjährigen Budgets entspräche, 18 Millionen (oder 5 Prozent) bei den Mittelschulen, 11 Millionen (oder 3 Prozent) bei der Berufsbildung. Dies, nachdem sich die Bildungsausgaben im Kanton Zürich von 1990 bis 2010 fast verdoppelt haben.

Eine Umfrage des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer hat gezeigt, dass die Sparmassnahmen in anderen Kantonen nicht mehr nur das Personal treffen, sondern zu mehr als der Hälfte auch den Unterricht. So werden zum Beispiel Förderangebote reduziert, Halbklassen gestrichen und Freifächer abgebaut.

Dass die erste Millionensparrunde im Kanton Zürich tatsächlich wie angekündigt schon im kommenden Jahr kommt, bezweifelt Lilo Lätzsch, die Präsidentin des Verbands der Zürcher Lehrerinnen und Lehrer. Die Bildungsdirektion habe angekündigt, dass sie zuvor das Gespräch mit dem Verband suchen werde, und bis jetzt, Ende November, habe sie nichts von sich hören lassen.

Die Gemeinden streichen schon jetzt Leistungen

Auf Ebene der Gemeinden hingegen seien die Bildungsausgaben schon in diesem Jahr spürbar zusammengestrichen worden, das zeige eine nicht repräsentative Umfrage des Verbands unter den Lehrpersonen. Hierbei wird auch offensichtlich, wo der Rotstift im konkreten Fall am häufigsten angesetzt wird: beim Material, bei Vikariaten, bei Deutsch als Zweitsprache, Freifächern, Schulreisen und Klassenlagern. Im Vergleich dazu seien die Sparmöglichkeiten des Kantons auf Ebene der Volksschule gering: Sie beschränken sich vor allem auf die Lehrerlöhne.

Anders sieht es in den Mittelschulen aus, die von den angekündigten Sparrunden im Verhältnis im Gesamtaufwand am stärksten betroffen sind. Auf der Website des Zürcher Bildungsmanifests rechnen sie vor, was ein jährlicher Abbau von 18 Millionen Franken bedeuten würde: zum Beispiel die Schliessung einer Schule, wo der Kanton doch zurzeit angesichts steigender Schülerzahlen den Bau zusätzlicher Mittelschulen plane. Oder eine Aufnahmebeschränkung, damit pro Jahr 900 Kinder weniger ins Gymi kommen – was zur Folge habe, dass der Staat einen Teil der gymnasialen Ausbildung an die Privatschulen übergebe.

Kritik von rechts

Diese Art der Propaganda sorgt bei bürgerlichen Politikern für Unmut. Vor allem dann, wenn die Kinder dafür instrumentalisiert werden, wie der SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein moniert. Der Rektor der Zürcher Kantonsschule Stadelhofen etwa habe die Schülerinnen und Schüler per E-Mail aufgerufen, das Zürcher Bildungsmanifest zu unterstützen, mit einer Unterschrift oder einer Spende.

Amrein will vom Zürcher Regierungsrat nun wissen, ob dieses politische Engagement von staatlichen Organisationen und ihren Führungspersonen nicht gegen das staatliche Neutralitätsgebot verstosse. Er glaubt die Antwort offensichtlich bereits zu kennen: In der Vergangenheit habe die Regierung in ähnlichen Fällen durchgegriffen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2015, 13:12 Uhr

Artikel zum Thema

Sparhammer an Schweizer Schulen

Die Kantone streichen eine halbe Milliarde Franken bei der Bildung. Die Recherche zeigt, wo und wie viel gespart wird. Mehr...

Kantone sparen 381 Millionen bei der Bildung

Erstmals sind Zahlen bekannt, wie viel in den letzten Jahren bei der Bildung gespart worden ist. Der Lehrerverband Schweiz warnt vor dieser Entwicklung. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Ein Geschenk, das lange Zeit Freude bereitet

Was soll ich denn bloss diese Weihnachten schenken? Mit fondssparplan.ch bietet sich die Chance, langfristig angelegte Freude zu bescheren.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...