Provokateur mit Draht nach Herrliberg

SVP-Ständeratskandidat Roger Köppel müsste sich für die FDP-Basis wählbar machen, um Erfolg zu haben. Stattdessen wählt er den Frontalangriff.

Roger Köppel während einer Pressekonferenz in Zürich. Bild: Dominique Meienberg

Roger Köppel während einer Pressekonferenz in Zürich. Bild: Dominique Meienberg

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Fast könnte der Eindruck entstehen, Roger Köppel (54) wolle gar nicht in den Ständerat: Gemäss aktuellen Umfrageergebnissen schafft es der SVP-Nationalrat trotz riesiger Wahlkampftournee durch alle Zürcher Gemeinden mit 31 Prozent kaum, über die SVP-Wählerschaft hinaus zu mobilisieren. Doch anstatt sich zumindest für die FDP-Basis wählbar zu machen, setzt Köppel in seinem Wahlkampf immer wieder zum Frontalangriff an.

Zuletzt hielt er eine Pressekonferenz eigens dazu ab, um seine Konkurrenten Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) mit ihren Mandaten als «gekaufte Pöstli-Jäger» zu bezeichnen. Gegen die «Durchseuchung des Milizsystems durch bezahlte Politiker» will Köppel antreten. Dabei legte er sein eigenes Jahresgehalt offen: 379'995 Franken, inklusive seines Bruttogehalts als Nationalrat. Auf Provokation versteht er sich.

Roger Köppel ist für die SVP als Agent Provocateur im Bundeshaus, als Scharfmacher mit direktem Draht nach Herrliberg. Ein Interview mit Christoph Blocher hat aus dem Journalisten seinerzeit einen Politiker gemacht. Eigentlich – denn in seinen ersten vier Jahren im Parlament hat Köppel keinen einzigen Vorstoss durchgebracht, eingereicht hat er nur deren sieben.

Primär medial präsent

Nur vier Parlamentarier glänzten noch mehr durch Abwesenheit in Bundesbern, Köppel ist der Parlamentarier, der am meisten bei den Abstimmungen fehlte. Auf seiner Pressekonferenz verteidigt er sich: «Ich melde mich ab, wenn ich nicht erscheine, und spare dem Steuerzahler Geld, indem ich nicht an unwichtigen Abstimmungen teilnehme.»

Medial ist der «Weltwoche»-Verleger umso präsenter. Auf seiner Tour durch den Kanton zeigt sich Köppel volksnah, bei seinen Auftritten wie auch auf Twitter kritisiert er die «Klimahysterie». Bei ihm gehe es um Themen, nicht um Posten, betont er. Köppel will sich gegen Klimaschutzmassnahmen, gegen den EU-Rahmenvertrag und für eine Begrenzung der Zuwanderung einsetzen.


Vier Fragen an Roger Köppel

Soll das Rentenalter steigen, und wenn ja: auf wie viele Jahre?
Ich bin für die Angleichung des Rentenalters 65/65 und die Umleitung der Entwicklungshilfe in die AHV.

Sollen Ölheizungen verboten werden?
Nein. Ich bin auch gegen erziehungsdiktatorische Lenkungsabgaben, die dem Klima nichts bringen und vorab die Leute mit kleinem Portemonnaie ärmer machen..

Befürworten Sie das Rahmenabkommen mit der EU?
Dieses jetzt ausgehandelte Unterwerfungsabkommen ist der Schweiz unwürdig und gehört in den Kübel.

Soll ein 80-Jähriger eine 500'000 Franken teure Krebsbehandlung bekommen?
Ja. Aber kein Gratis-Freibrief mehr für Asylbewerber in unser Gesundheitssystem.

Wie die übrigen Kandidierenden diese vier Fragen beantwortet haben, sehen Sie hier.


In den kommenden Tagen stellt der TA alle Ständeratskandidierenden kurz vor, die sich am 20. Oktober zur Wahl stellen.

Erstellt: 02.10.2019, 15:15 Uhr

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