Prüfungsexperte hilft Kandidatin beim Spicken

Ein 36-Jähriger gab die Resultate einer Berufsprüfung an eine 29-jährige Kandidatin weiter. Jetzt hat die Kantonspolizei Zürich die Schuldigen ermittelt.

Verfahren wegen Betruges: Die Kandidatin einer Berufsprüfung steht im Verdacht, bei den Tests geschummelt zu haben.

Verfahren wegen Betruges: Die Kandidatin einer Berufsprüfung steht im Verdacht, bei den Tests geschummelt zu haben. Bild: Keystone

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Der Betrug an der eidgenössischen Diplomprüfung für angehende Immobilienbewirtschafter in Winterthur hat bereits Ende Februar stattgefunden. Damals fand die Prüfungsaufsicht bei der Teilprüfung Mietliegenschaften in der Damentoilette handschriftliche Spickzettel. Die Prüfungskommission erstattete Strafanzeige bei der Kantonspolizei, welche den Vorfall untersuchte. Nun konnten die Prüfungsbetrüger überführt werden: Eine 29-jährige Kandidatin und ein 36-jähriger Prüfungsexperte. Beide sind Schweizer. Die Ermittlungen haben ergeben, dass die Frau Unterlagen vom Mitglied der Prüfungskommission erhalten hatte.

Laut Claudia Bracher Wolfensberger, Sprecherin der Schweizerischen Fachprüfungskommission der Immobilienwirtschaft, war nach der Prüfung nicht auszuschliessen, dass auch andere der insgesamt 400 Teilnehmer des einjährigen Kurses die Prüfungsfragen erhalten hatten. Aus diesem Grund wurde vorsorglich die Wiederholung der Teilprüfung angeordnet. In der Folge meldete sich eine Kandidatin bei der Prüfungskommission. Sie sagte, die Spickzettel anhand des Prüfungsbogens erstellt zu haben. Den Bogen habe sie am Tag zuvor in ihrem Briefumschlag zum Prüfungsteil Personalführung gefunden, den die Druckerei verpackt hatte.

Dies war jedoch gelogen. Die Polizei führte bei der 29-jährigen Frau eine Hausdurchsuchung durch und befragte sie noch einmal eingehend. Daraufhin gestand die Kandidatin, die Prüfungsunterlagen Mietliegenschaften sowie Unterlagen zu weiteren Teilprüfungen von einem ihr persönlich bekannten Mitglied der Prüfungskommission erhalten zu haben. Der 36-jährige Mann stand ihr auch beratend zur Seite. Er ist geständig. Da die beiden angaben, die Prüfungsunterlagen nicht an Dritte weitergegeben zu haben, und auch keine entsprechenden Hinweise vorliegen, entschied die Prüfungskommission, auf die Prüfungswiederholung zu verzichten.

«Vertrauen grob missbraucht»

Laut Claudia Bracher Wolfensberger sei man sehr betroffen, dass es sich bei der fehlbaren Person um jemanden handelt, der für die Prüfungskommission arbeitet. Der Mann habe das Vertrauen grob missbraucht und zudem enorme Mehrkosten sowie schwere Reputationsschäden verursacht. So wurden zuerst alle 400 angehenden Immobilienbewirtschafter angeschrieben, dass sie die Teilprüfung wiederholen müssen, dann wurden sie über den Verzichtsentscheid informiert. Die Prüfungskommission hat sich von ihrem fehlbaren Mitglied getrennt. Die Frau konnte die Prüfung nicht abschliessen.

Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft Winterthur-Unterland. Diese hat ein entsprechendes Verfahren gegen den Mann und die Frau eingeleitet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2018, 11:30 Uhr

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