Zum Hauptinhalt springen

Quartier wehrt sich gegen Schalterschluss

Die SBB verkaufen an ihren Schaltern immer weniger Billette und wollen ein Drittel dieser ­Verkaufsstellen schliessen. Welche Bahnhöfe im Kanton Zürich betroffen sind.

Auch hier können Billette bald nur noch am Automat gelöst werden: Bahnhof Ossingen. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone).
Auch hier können Billette bald nur noch am Automat gelöst werden: Bahnhof Ossingen. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone).

Noch können SBB-Kunden an 176 von insgesamt 784 Bahnhöfen und Haltestellen an Schaltern Billette kaufen. 2018 streichen die Bundesbahnen gemäss einem Artikel der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an 52 Bahnhöfen die Schalter. Betroffen davon sind in hohem Mass die Kantone Thurgau, St. Gallen – und Zürich. Hier wollen die SBB die Schalter an 17 Bahnhöfen schliessen. Betroffen vom Abbau sind: Au, Bassersdorf, Birmensdorf, Elgg, Hedingen, Mettmenstetten, Niederhasli, Niederweningen, Oberglatt, Oberrieden, Ossingen, Räterschen, Seuzach, Uetikon, Wiesendangen, Wila und Wipkingen.

Es sind alles Bahnhöfe, in denen nicht die SBB selber die Zugsbillette verkaufen, sondern Partner wie die Post, Migrolino, Avec oder private Stationshalter. Die SBB wollen so gesamtschweizerisch jährlich fünf Millionen Franken einsparen, wie sie bereits vor eineinhalb Wochen mitteilten.

Wipkingen mit einer Petition

Einmal mehr in die Schlagzeilen gerät der Bahnhof Wipkingen. Die Sparabsichten der SBB lösen erneute Opposition aus: Das Bahnhofreisebüro hat auf seiner Website bereits die Onlinepetition der privaten Stationshalter veröffentlicht. Sie schreiben darin: «Die von den SBB genannten 5 Millionen Franken Einsparung sind lächerlich bei 8,5 Milliarden Franken Gesamtaufwand der SBB angesichts des nun vernichteten Goodwills bei vielen Bahnkunden.»

Vor zwei Jahren hatten weit über 6300 Personen eine Petition unterschrieben, in der sie forderten, dass wieder mehr S-Bahn-Züge in Wipkingen halten. Seit der Einführung der Durchmesserlinie wird das Quartier nur noch jede halbe Stunde von der S 24 bedient. Gefährdet war das Bahnhofreisebüro zudem schon vor fünf Jahren, als die SBB als Sparmassnahme die Verkaufsprovisionen drastisch kürzten.

An den 52 von der Sparmassnahme betroffenen Bahnhöfen und Haltestellen können SBB-Kunden ihre Billette künftig nur noch an Automaten beziehen. Falls sie ihre Tickets nicht bereits via Internet oder App auf digitalem Weg erstanden haben. Denn diese Verkäufe haben enorm zugelegt. Allein im vergangenen Jahr haben die SBB so 40 Prozent mehr Billette abgesetzt – über 18 Millionen Exemplare. Damit ist der Onlineverkauf erstmals fast auf das Niveau der bedienten Schalter gestiegen, die 19,8 Millionen Tickets verkauften. Spitzenreiter sind aber immer noch die Automaten mit 48 Millionen ausgedruckten Fahrscheinen. SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi rechnet damit, dass in zehn Jahren nur noch 10 Prozent aller Billette am Schalter verkauft werden. Zur «SonntagsZeitung» sagte er kürzlich: «Wir müssen die Kosten der Verkaufskanäle in den Griff bekommen.»

Der Verein Pro Bahn will sich dagegen wehren. Kurt Schreiber sagte zur «Schweiz am Sonntag», dass er eine Resolution vorbereite, in der er Kompensationen für die Schalterschliessungen verlangen will. Vor allem ältere Menschen hätten Mühe, via App oder Automat ihr Billett zu lösen. Dabei unterliefen ihnen häufiger Fehler als beim Kauf am Schalter. So würden sie zwar den richtigen Zielort, aber die falsche Strecke wählen. Trotz gültigem Billett müssen sie dann einen Zuschlag von 100 Franken bezahlen. Schreiber fordert, dass diese «Busse» abgeschafft wird.

Auch der Verkehrs-Club der Schweiz hat auf die Sparabsichten der SBB reagiert. Er hat die «Petition gegen Serviceabbau beim Billettverkauf» lanciert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch