Räuberjagd via Facebook ärgert die Polizei

Eine Privatperson hat Überwachungsvideos von einem Überfall im Zürcher Oberland ins Netz gestellt, um bei der Fahndung zu helfen.

Dieses von der Polizei veröffentlichte Bild des Täters schien dem Facebook-User zu wenig aussagekräftig. Bild: Kantonspolizei Zürich

Dieses von der Polizei veröffentlichte Bild des Täters schien dem Facebook-User zu wenig aussagekräftig. Bild: Kantonspolizei Zürich

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Ein bewaffneter Mann hat am Montagnachmittag im Zürcher Oberländer Dorf Gibswil eine Volg-Filiale überfallen. Die Kantonspolizei Zürich publizierte danach ein Fahndungsfoto, dessen Qualität allerdings eher dürftig ist. Online erntete die Polizei dafür Spott und Häme.

Ein Leserreporter, der anonym bleiben möchte, wollte der mangelnden Qualität Abhilfe schaffen und publizierte auf Facebook zwei Überwachungsvideos. Sie zeigen den Täter, wie er mit dem Auto zum Volg fährt und das Geschäft nach dem Raubüberfall eilig verlässt.

Das Video sei selbstverständlich der Polizei zur Verfügung gestellt worden, sagt die Person. «Auf dem Video sieht man mehr als auf dem Fahndungsbild der Polizei. Ich dachte, das hilft vielleicht bei der Suche.»

«Für uns eher kontraproduktiv»

Trotz edlen Absichten, ist man bei der Kantonspolizei wenig angetan von der Aktion. «Wir begrüssen es zwar sehr, wenn sich Privatpersonen nach einem Zeugenaufruf mit uns in Verbindung setzen», sagt Ralph Hirt, Mediensprecher der Zürcher Kantonspolizei. «Wenn dann allerdings solche Hinweise wie Videos und Fotografien eigenständig online präsentiert werden, ist dies für uns eher kontraproduktiv.»

Solche Veröffentlichungen erschweren die Polizeiarbeit. Hirt erklärt: «Dabei werden unter Umständen Details publiziert, die wir bewusst zurückgehalten haben, weil sie nur der Täter wissen kann und deshalb für un­sere Ermittlungen sehr wichtig sein können». Oft würden Täter die mediale Berichterstattung über ihren Fall mitverfolgen.

Dazu komme, dass auch ein Täter ein Recht auf den Persönlichkeitsschutz habe. «Wird ein Bild oder ein Video einmal auf Facebook publiziert, verschwindet es niemals ganz», so Hirt.

Der Täter könnte Klage einreichen

Doch auch die Polizei veröffentlichte das Bild auf Facebook. Wo liegt da der Unterschied? «Im konkreten Fall hat die Kantonspolizei ein Fahndungsbild auf Facebook veröffentlicht, auf dem das Gesicht des Täters nicht gut erkennbar ist», sagt Hirt. Wäre dies anders gewesen, hätte die Polizei das Bild nicht auf den Sozialen Medien bekannt gegeben, sondern hätte auf ihre Webseite verwiesen.

Hirt sieht nicht nur in der Gefährdung der Polizeiarbeit Probleme. «Es ist auch für die Privatperson unter Umständen nachteilig, wenn sie ein belastendes Bild oder Video online schaltet.» Die Person mache sich damit angreifbar: Der Täter könnte Klage einreichen wegen verletztem Persönlichkeitsschutz. Die Videos, die der Leserreporter hochgeladen hatte, sind aber mittlerweile von den Sozialen Medien verschwunden.

Erstellt: 03.10.2019, 08:56 Uhr

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