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Die Hitparade des Ärgers

Rund 1400 Leser haben in einer Umfrage die nervigsten Lärmquellen gekürt. Es zeigt sich: Man muss nicht selbst betroffen sein, um etwas eine Zumutung zu finden.

Marius Huber
Kommt auf dem Land und in der Agglo öfter vor als in der Stadt, ist dort aber besonders verpönt: Rasenmähen vor einem Schrebergarten.
Kommt auf dem Land und in der Agglo öfter vor als in der Stadt, ist dort aber besonders verpönt: Rasenmähen vor einem Schrebergarten.

Das Hornen der Kursschiffe auf dem Zürichsee ist verstummt – wegen einer Lärmklage. Kürzlich mussten sich auch Zürcher Bauern mit ihren Kuhglocken oder Kirchen mit ihrem traditionellen Geläut dem Ruhebedürfnis von Anwohnern beugen.

Redaktion Tamedia wollte wissen, welches die übelsten Lärmquellen sind. Rund 1400 Leserinnen und Leser haben sich an einer nicht repräsentativen Umfrage beteiligt. Am meisten nerven demnach Partylärm und Nachtleben, Rasenmäher und Laubbläser sowie Automotoren. Sie erreichten auf einer Skala von 0 bis 10 einen Durchschnittswert von knapp 6. Am anderen Ende der Skala finden sich die erwähnten Kuhglocken – wobei anzumerken ist, dass auch verhältnismässig wenige Umfrageteilnehmer direkt mit dem Gebimmel konfrontiert sind.

Das Bild verschiebt sich, wenn man die Betroffenheit betrachtet. Dann relativiert sich zum Beispiel die Bedeutung von Party- und Schiesslärm deutlich. Beide gelten zwar als echte Zumutung, kommen aber zugleich eher selten vor. Nur jeder Vierte Umfrageteilnehmer wird unfreiwillig von Schützen und anderen Sportlern beschallt, nur jeder Dritte von feierndem Nachtvolk. Verrechnet man den Nervfaktor mit der Verbreitung einer Lärmquelle, ergibt sich eine andere Negativ-Hitparade:

So betrachtet, sind also Rasenmäher, Laubbläser und dergleichen das grösste Ärgernis, gefolgt von Autos. Alles andere folgt deutlich dahinter im Mittelfeld. Obwohl dort Kirchenglocken, Hundegebell und Bauarbeiten recht nah beieinander liegen, gibt es auffallende Unterschiede in der Beurteilung. Das Glockengeläut etwa polarisiert: Die einen finden es total nervig, die anderen kaum. Das Gegenteil gilt für Bauarbeiten, die von den meisten als mittelmässiges Ärgernis beurteilt werden. Bei Hunden wiederum sind die Meinungen gleichmässig verteilt.

Im Grossen und Ganzen ist es nicht entscheidend, ob jemand in der Stadt lebt, in der Agglomeration oder auf dem Land. Die Negativ-Hitparade der nervigsten Lärmquellen ist überall ähnlich, abgesehen von einzelnen logischen Positionswechseln. So rangieren zum Beispiel Schützen auf dem Land drei Positionen höher als in der Stadt, während es bei Nachbarn genau umgekehrt ist.

Interessant sind ein paar Details: Partys und Nachtleben etwa werden überall als gleich ärgerliche Lärmquelle bezeichnet, obwohl sie auf dem Land deutlich seltener sind. Dafür spielen das Alter und die monatlichen Wohnkosten eine Rolle: je älter und je teurer, desto mehr nerven laute Festbrüder. Auffällig ist auch die Beurteilung von Rasenmähern, Laubbläsern und dergleichen: In der Stadt sind davon deutlich weniger tangiert als auf dem Land – trotzdem schneiden sie bei Städtern schlechter ab.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass die Umfrageteilnehmer in Lärmfragen recht einfühlsam sind: Auch wenn viele eine Lärmquelle wie zum Beispiel Kuhglocken nicht sehr schlimm finden und kaum davon betroffen sind, bekunden sie überdurchschnittlich viel Verständnis für jene, bei denen es anders ist. Unrühmlicher Spitzenreiter ist diesbezüglich das Kirchengeläut: Volle 25 Prozent verstehen vollkommen, dass das ärgern kann – beim Fluglärm sind es nur 19 Prozent.

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