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Reform mit einer Unbekannten

Ohne zusätzliche Kosten werden Tagesschulen kaum zu bekommen sein. Darum sollten sie freiwillig sein.

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP), die seit kurzem auch Präsidentin aller Erziehungsdirektoren der Schweiz ist, will die Tagesschulen fördern. Sie nennt sich einen «Fan dieses Schulmodells», weil es die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft am besten abdecken könne.

In der Tat steigt die Zahl jener Familien rasant, in denen beide Elternteile berufstätig bleiben. Im Kanton Zürich hat sich die Zahl der externen Betreuungsplätze innerhalb einer Dekade verdoppelt.

Unterdessen ist eine Vielzahl von Kindertagesstätten entstanden, die sich zwar an den Schulzeiten ausrichten, aber oft eigenständig funktionieren. Das ändert sich im Tagesschulmodell. Hort- und Schulleitungen arbeiten enger zusammen, Betreuungs- und Lehrpersonen ebenso.

Nicht alle Lehrer haben Freude

Davon profitieren insbesondere die Kinder. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie in Tagesschulen ausgeglichener sind und bessere Schulleistungen erbringen als in herkömmlichen Modellen, wo Hort und Schulen teilweise getrennte Institutionen sind. Bei Lehrerinnen und Lehrern wird noch Überzeugungsarbeit nötig sein. Denn nicht alle haben Freude daran, wenn sie über Mittag auch noch Suppe schöpfen müssen. Bekanntlich haben sie schon mit ihren heutigen Aufgaben genug zu tun.

Die grösste Unbekannte ist aber die Kostenfrage. Denn heute kann niemand genau sagen, wie teuer Tagesschulen werden. Es gibt Anzeichen, dass sie nicht kostenneutral zu haben sind. So steigen die Lohnkosten, wenn über Mittag mehr Betreuungspersonal nötig ist. Zudem sind Lehrpersonen, die Suppe schöpfen, zu höheren Ansätzen zu entschädigen als übliches Betreuungspersonal. In vielen Gemeinden werden darüber hinaus Um- und Neubauten nötig sein.

Gut ist deshalb an Steiners Vorschlag: Die Einführung der Tagesschulen wird nicht verordnet, sondern nur empfohlen. So können Eltern weiterhin selber entscheiden, wie ihre Kinder betreut werden. Und die Bevölkerung kann in den Städten und Gemeinden abstimmen, ob sie für die Vorteile der Tagesschulen allfällige Zusatzkosten in Kauf nehmen will.

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