Regierung will am Schiffsfünfliber festhalten

Heute hat der Regierungsrat Fragen zum Seezuschlag beantwortet: Er sieht keine dramatischen Folgen.

Deutlicher Passagierrückgang: Die Zürichseeschiffe sind weniger gefragt.

Deutlicher Passagierrückgang: Die Zürichseeschiffe sind weniger gefragt. Bild: Dominique Meienberg

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Um die kantonalen Finanzen wieder ins Lot zu bringen, hat der Zürcher Kantonsrat im letzten Jahr das Sparpaket «Lü 16» beschlossen – Teil davon war die Einführung des sogenannten Schiffsfünflibers. Das heisst: Wer ein Zürichsee-Kursschiff besteigt, dem reicht ein normales ZVV-Billett nicht mehr. Er braucht zusätzlich ein 5 Franken teures Zusatzbillett.

Die Folgen zeigten sich rasch: Die Passagierzahlen auf den Zürichsee-Schiffen gingen zurück. Offenbar überlegen es sich viele Leute nun zweimal, ob sie ein Schiff besteigen wollen. Entsprechend rasch und heftig geriet der Zuschlag unter Beschuss. Auch im Kantonsrat, der die Sparmassnahme seinerzeit selber beschlossen hatte, wurde die Kritik am unpopulären Zuschlag immer lauter.

Video: Kantischüler protestieren gegen Schiffsfünfliber

Gehörten schon früh zu den Gegnern: Schüler bezahlen den Seezuschlag mit Fünfräpplern. Video: Tina Fassbind/TA-Video (Dezember 2016)

Im Juli wandten sich die beiden EVP-Kantonsräte Tobias Mani und Hanspeter Hugentobler sowie SP-Vertreter Jonas Erni mit einer Anfrage an den Regierungsrat. Die Parlamentarier verlangten erstens genaue Zahlen über die Passierfrequenz – und zweitens Auskunft darüber, ob die Regierung in Anbetracht des Passagierrückgangs und des Imageschadens bereit sei, den Schiffsfünfliber wieder abzuschaffen.

Im Rahmen der Prognosen

Heute nun veröffentlichte die Regierung ihre Antwort. Die Kurzfassung: Ja, es gibt einen Passagierrückgang. Nein, es gibt keinen Grund, den Fünfliber abzuschaffen.

507'133 Passagiere fuhren im ersten Halbjahr 2017 auf einem zuschlagspflichtigen Zürichseeschiff mit – das sind 23,6 Prozent weniger als im Fünfjahresmittel und 20 Prozent weniger als in der gleichen Vorjahresperiode. Der Rückgang liege «im Rahmen des prognostizierten Nachfragerückgangs von 26 Prozent», schreibt die Regierung dazu. Ob die Massnahme auch zu den prognostizierten Netto-Mehreinnahmen von rund drei Millionen Franken führe, lässt sich laut Regierung noch nicht sagen: «Aufgrund der starken monatlichen und saisonalen Schwankungen bei den Passagierfrequenzen» könnten die tatsächlichen Mehreinnahmen «erst nach Abschluss des ersten vollständigen Jahres erhoben werden».

Der Regierungsrat äussert sich in seiner Antwort auch zum Gastronomiebetrieb auf den Zürichsee-Schiffen, der den Passagierrückgang ebenfalls zu spüren bekam. Es kam dort bereits zu einem Personalabbau. Die Regierung schreibt nun allerdings, dass sich der Zuschlag umsatzmässig bisher nicht ausgewirkt habe: Von Januar bis Juni 2017 hätten die Zürichsee-Schiffe drei Millionen Franken umgesetzt – das ist ein Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2016. Allerdings seien die Umsätze stark schwankend – im März 2017 sei der Umsatz um 35 Prozent schlechter gewesen als im März 2016, im April 2017 dann wiederum um 16 Prozent besser als im Vorjahres-April.

Das Fazit wiederholt sich: Vergleiche «über kurze Perioden oder einzelne Monate» seien «wenig aussagekräftig», schreibt der Regierungsrat. «Auch bei den Gastronomieumsätzen kann eine verlässliche Aussage erst nach Abschluss des Geschäftsjahres gemacht werden.»

«Langfristig angelegt»

Unter dem Strich steht für die Regierung fest: Es gibt keinen Grund, den Fünfliber bereits wieder abzuschaffen. «Die Massnahme ist langfristig angelegt», heisst es in der Antwort. Sie soll dazu beitragen, das Defizit der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft von jährlich 12 Millionen Franken nachhaltig zu senken. Eine aussagekräftige Beurteilung der Massnahme sei nach rund drei Jahren möglich. Bis dann, so gibt die Regierung zu verstehen, will sie am Fünfliber festhalten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 09:35 Uhr

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