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Kantonsrat plädiert für den Tunnel

Der Rosengartentunnel haben am Montag Aufwind erhalten: Die Mehrheit des Kantonsrats unterstützt das 1,1 Milliarden teure Bauvorhaben. Das Stimmvolk dürfte das letzte Wort haben.

Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
PD
Das Rosengartentram soll auf der verkehrsberuhigten Strasse fahren.
Das Rosengartentram soll auf der verkehrsberuhigten Strasse fahren.
Architron
Als die Rosengarten- noch eine Quartierstrasse war: Ein Hitzetag im Jahr 1952.
Als die Rosengarten- noch eine Quartierstrasse war: Ein Hitzetag im Jahr 1952.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Come
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Die Demonstration vor dem Zürcher Rathaus am frühen Montagmorgen ist winzig. Aber sie zeigt auf einen Blick die verzwickte Ausgangslage für die Diskussion um die viel befahrene Rosengartenstrasse in Wipkingen. Diese führt als Autoschneise bis zum Escher-Wyss-Platz und teilt das Quartier.

Genauso geteilt sind die Meinungen, wie die heutige Rosengartenstrasse ersetzt werden soll: durch einen Tunnel oder eine verkehrsberuhigte Schneise, ähnlich breit wie jene von heute. Links des Rathauseingangs de-monstriert deshalb ein Grüppchen aus Quartierbewohnerinnen für den Tunnel. Sie halten das Bauwerk für eine «einmalige Chance für Quartier und Lebensqualität».

Rechts von Treppe und Tür sammeln sich die Gegner - ebenfalls Menschen aus Wipkingen. Sie finden das 1,1 Milliarden Franken teure Bauvorhaben «die falsche Massnahme» gegen die hässlichste Strasse der Stadt. Beide Gruppen fangen die Kantonsrätinnen und Kantonsräte ab, die zur Debatte strömen.

Sechs Spuren im Untergrund

Dasselbe Bild zeigt sich im Rat: Von links bis rechts gibt es Befürworterinnen und Gegner des Tunnelbaus und des neuen Trams. Am wenigsten einig sind sich jene Politikerinnen und Politiker, die das Quartier gut kennen.

SP-Kantonsrat und Ur-Wipkinger Benedikt Gschwind plädiert für ein Ja, spricht von einer «Investition in die Zukunft». Seit Jahrzehnten stört ihn die Rosengartenstrasse, die das Quartier zerschneidet, laut ist und unüberwindbar scheint. 56000 Autos fahren täglich über die Strasse. 1972 eröffnet, war sie eigentlich als Provisorium gedacht. Wie Gschwind sagt, sammelte er bereits als 18-Jähriger Unterschriften für die Überdeckung. Inzwischen ist er 57 Jahre alt. Nach unzähligen politischen Versuchen, die er miterlebt hat, sieht er keine mehrheitsfähigere Lösung als den Rosengartentunnel und das Tram.

In der SP ist Gschwind deutlich in der Minderheit. Die Mehrheit lehnt den Tunnel ab. Der Stadtzürcher Andrew Katumba behauptet forsch, er kenne die Strasse besser als alle im Kantonsrat, lebte er dort doch in Haus Nummer acht, «in einer Wohnung, günstig und russverschmiert». Trotzdem ist er sicher: «So können wir keine 50 Jahre alte Bausünde korrigieren.» Mit so meint Katumba den Tunnel mit sechs Spuren und der oberirdischen Strasse, wobei noch unklar ist, ob auf ihr künftig Tempo 30 statt 50 gelten darf.

Ein Autoprojekt?

Dezidiert und grundsätzlich stellen sich die Grünen gegen das neue Bauvorhaben. Der Winterthurer Martin Neukom erinnert an die Grossdemonstrationen fürs Klima vom vergangenen Wochenende. «60000 Leute gingen auf die Strasse für mehr Klimaschutz. Und was diskutieren wir heute? Ein Projekt, das den Verkehr noch attraktiver machen will. Der Rosengartentunnel ist ein Autoprojekt.» Für die Grünen undenkbar.

Überraschend dagegen ist die BDP. Cornelia Keller aus Gossau begründet das mit den «exorbitanten Kosten» von 1,1 Milliarden Franken für 600 Meter Strasse, an denen sich Zürich nur mit einem Bruchteil beteilige.

Die Rosengartenstrasse ist seit knapp 3000 Jahren eine wichtige Verbindungsachse von Süden nach Norden. Mit verschiedenen Plänen versuchte man, den Verkehr auf der Steigung zu optimieren. Das Bild zeigt die Strasse mit dem alten Dorfkern 1931 kurz vor dem Ausbau und dem Abriss desselben.
Die Rosengartenstrasse ist seit knapp 3000 Jahren eine wichtige Verbindungsachse von Süden nach Norden. Mit verschiedenen Plänen versuchte man, den Verkehr auf der Steigung zu optimieren. Das Bild zeigt die Strasse mit dem alten Dorfkern 1931 kurz vor dem Ausbau und dem Abriss desselben.
Baugeschichtliches Archiv
In den 1920er-Jahren gab es Ideen, eine Standseilbahn von der Limmat auf die Buchegg zu bauen. Sie wäre mit Wassertanks angetrieben worden, ähnlich wie jener in Freiburg, der einzigen Standseilbahn der Art, die in der Schweiz noch in Betrieb ist.
In den 1920er-Jahren gab es Ideen, eine Standseilbahn von der Limmat auf die Buchegg zu bauen. Sie wäre mit Wassertanks angetrieben worden, ähnlich wie jener in Freiburg, der einzigen Standseilbahn der Art, die in der Schweiz noch in Betrieb ist.
PD
So sieht der Tunneleingang des Rosengartentunnels im Modell aus.
So sieht der Tunneleingang des Rosengartentunnels im Modell aus.
Foto Modell Rosengartentunnel/Stadt und Kanton Zür
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Die Grossinvestition ist auch bei den anderen Parteien ein kontroverses Thema. So sagt SVP-Kantonsrat Pierre Dalcher aus Schlieren: «Die Kosten für das Projekt sind gigantisch. Das hat auch in der SVP-Fraktion zu grossen Diskussionen geführt.» Die Partei unterstützt den Tunnel schliesslich trotzdem mit einem «skeptischen Ja».

Referendum angekündigt

Deutlicher ist die Zustimmung der FDP. Die Stadtzürcherin Sonja Rueff-Frenkel sagt: «Es ist viel Geld, sehr viel Geld. Aber hier ist es richtig investiert.» Sie verspricht zudem, dass trotz Tunnel künftig nicht noch mehr Autos auf der Strasse unterwegs sein werden. «Einen Kapazitätsausbau wird es nicht geben.»

Nach der Debatte stimmt der Kantonsrat mit 106:61 Stimmen dafür, auf den Vorschlag einzutreten. In einer Woche werden die Parlamentarierinnen und Parlamentarier die Debatte fortführen und einen Schlussentscheid fällen. Mehrere Parteien haben sich bereits dafür ausgesprochen, dass es später zu einer Volksabstimmung kommen soll. Die Grünen und der VCS haben ein Referendum angekündigt.

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