Rot verteidigt Mario Fehr gegen Grün

Der Entscheid der Grünen, SP-Regierungsrat Fehr bei den Wahlen nicht zu unterstützen, kommt bei den Sozialdemokraten schlecht an.

Mario Fehr machte bei den Grünen im Volkshaus vergeblich Werbung in eigener Sache. Foto: Patrick Hürlimann (Keystone)

Mario Fehr machte bei den Grünen im Volkshaus vergeblich Werbung in eigener Sache. Foto: Patrick Hürlimann (Keystone)

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Bei den Grünen hat Regierungsrat Mario Fehr nicht viele Freunde. Das hat sich am Donnerstagabend im Volkshaus gezeigt. Als es um seine Unterstützung bei den Wahlen im nächsten Frühling ging, wurde er kritisiert, vor allem von den Jungen aus der Stadt. Fehr sei ein rechtsbürgerlicher Regierungsrat, von denen es im Kanton schon zu viele gebe, sagte der 28-jährige Luca Maggi, Vizepräsident der städtischen Grünen.

Am Ende blieb die Werberede, die Fehr im Volkshaus in eigener Sache halten durfte, ohne Wirkung. Die Grünen sprachen sich mit 39:28 gegen ihn aus.

SP-Co-Präsidentin Priska Seiler Graf zeigte sich gestern enttäuscht: «Das ist eine verpasste Chance, nun können wir keinen geschlossenen Wahlkampf machen.» Vollkommen überrascht ist sie aber nicht, denn Mario Fehrs Nomination hatte im Mai auch in der SP hohe Wellen geworfen, war dann aber mit Zweidrittelmehrheit zustande gekommen. Dass die Grünen nun strenger waren mit Fehr als seine eigene Partei, akzeptiert Seiler Graf: «Es war ein Beschluss der grünen Basis.»

Dennoch war der Entscheid in ihren Augen falsch. Mario Fehr habe sich in den letzten Wochen und Monaten bemüht und die Kritik ernst genommen. «Er hat auch in der Flüchtlingspolitik gezeigt, dass er ein Sozialdemokrat ist, und sich vermehrt für Härtefälle eingesetzt.» In der Sozialpolitik sei er ein vehementer Verteidiger der Skos-Richtlinien und damit ein verlässlicher Sozialdemokrat. «Mario Fehr ist einer von uns», unterstreicht Seiler Graf.

Wiederwahl nicht gefährdet

Eine Retourkutsche gegen die Grünen schliesst die SP-Co-Präsidentin aus. Die Unterstützung für den grünen Regierungsratskandidaten Martin Neukom bleibe bestehen. Sie war von der SP vor den Ferien beschlossen worden. Man werde die neue Ausgangslage mit den Grünen jetzt analysieren, sagt Seiler Graf. Sie ist überzeugt, dass die Wiederwahl von Mario Fehr auch ohne grüne Unterstützung zustande kommen wird, weil er erfahrungsgemäss viele bürgerliche Stimmen erhalten werde: «Ich habe keine Angst um Mario Fehr.»

Die grüne Präsidentin Marionna Schlatter, die sich am Donnerstag im Namen des Parteivorstandes für Fehr eingesetzt hatte, sieht die Grundfesten der rot-grünen Zusammenarbeit nicht erschüttert: «Wir werden das weitere Vorgehen in Ruhe besprechen.» Der angerichtete Schaden ist aus ihrer Sicht überschaubar: «Die Folgen einer Nichtunterstützung werden wohl überbewertet.»

Auch die Chefin der grünen Kantonsratsfraktion, Esther Guyer, bleibt zuversichtlich: «Das wird uns nicht spalten.» Gleichwohl ist sie «hässig», dass die Grünen die Chance eines Wahlkampfbündnisses nicht gepackt haben. Für Guyer ist klar: «Gestern haben wir uns vor allem selber geschwächt.»

«Kleinlicher Entscheid»

Für den Politgeografen Michael Hermann ist der Entscheid der Grünen alles andere als erstaunlich. Mario Fehr vertrete bei den zentralen grünen Themen innere Sicherheit und Migration ganz andere Positionen. Trotzdem sei die Nichtunterstützung etwas kleinlich, aber sie entspreche dem Zeitgeist: «Es liegt bei den Linken im Trend, sich ideologisch zu schliessen.»

Ohne grüne Hilfe werde Fehr das Glanzresultat von den letzten Wahlen kaum wiederholen können, glaubt Hermann. Negativ sei der Entscheid aber vor allem für den relativ unbekannten grünen Regierungsratskandidaten Martin Neukom, der auf Publicity angewiesen wäre. In der gegenwärtigen Ausgangslage sieht Hermann ihn auf verlorenem Posten: «Wenn die Grünen wirklich ernsthaft einen Sitz im Regierungsrat anstreben würden, hätten sie aber sowieso mit einem anderen Kandidaten antreten müssen.»

Erstellt: 27.10.2018, 07:38 Uhr

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