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Schachtdeckelwerfer droht lange Freiheitsstrafe

Der 22-Jährige, der einen FCZ-Fan am Bahnhof Winterthur schwer verletzt hat, soll für 9 Jahre ins Gefängnis. Nun werden weitere Einzelheiten zum Vorfall bekannt.

Vom Parkdeck über den Gleisen fiel der Deckel aufs Perron. Bild: Google Street View
Vom Parkdeck über den Gleisen fiel der Deckel aufs Perron. Bild: Google Street View

Es war der dritte und gravierendste Vorfall an einem Tag, der für den FC Winterthur nicht gerade erfreulich verlief. Während des Spiels gegen den FC Zürich auf der Schützenwiese am 13. Mai 2017 warf zuerst ein Zuschauer von der Gegentribüne einen Böller auf das Spielfeld. Im Anschluss ans Spiel wurde dann Regierungsrat Mario Fehr in der Liberobar mit Bier überschüttet. Und schliesslich das: Auf dem Bahnhofperron wurde ein FCZ-Fan schwer am Kopf verletzt, während er auf den Zug wartete. Ein heute 22-jähriger Schweizer soll dem Mann von einem darüberliegenden Parkdeck aus einen Schachtdeckel auf den Kopf geworfen haben.

Aus der Anklageschrift, die Redaktion Tamedia vorliegt, gehen nun bisher unbekannte Einzelheiten hervor. Der Vorfall wurde zum Teil von einer Überwachungskamera gefilmt. Sie zeigt den Beschuldigten, wie er den über zwei Kilogramm schweren Schachtdeckel in der Grösse einer Pizza aus über elf Metern Höhe nach unten «schleuderte». Das davon getroffene Opfer erlitt unter anderem eine Schädelfraktur und Blutungen in den Hirnhäuten. Der Staatsanwalt wirft dem 22-jährigen Winterthurer vor, den Tod seines Opfers zumindest in Kauf genommen zu haben.

Die Sanität brachte den verletzten FCZ-Fan nach dem Vorfall auf die Intensivstation. Drei Tage später konnte er das Spital verlassen. Es dauerte noch einen weiteren Tag, bis die Kantonspolizei aufgrund von Hinweisen der Stadtpolizei den mutmasslichen Täter verhaften konnte. Der Beschuldigte befand sich daraufhin für einen Monat in Untersuchungshaft. Ein zwei Jahre jüngerer Kollege, den die Polizei ebenfalls verhaftete, wurde bereits etwas früher wieder freigelassen. Er wird sich in einem separaten Verfahren verantworten müssen. Beim Haupttäter handelt es sich gemäss der Anklageschrift um einen Anhänger des FC Winterthur. Gemäss Recherchen von Redaktion Tamedia gehört er aber nicht der aktiven Fanszene an.

Mutmasslicher Täter ist vorbestraft

In der Anklageschrift beantragt der zuständige Staatsanwalt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (der Beschuldigte soll mehrmals Amphetamin verkauft haben). Ausserdem beantragt der Staatsanwalt den Widerruf einer 15-monatigen Freiheitsstrafe, die das Bezirksgericht Winterthur im Februar 2016 bedingt ausgesprochen hatte. Worum es bei dieser Vorstrafe ging, wollte der Staatsanwalt auf Anfrage nicht sagen. Ebenso unklar bleibt vorerst das Motiv des mutmasslichen Täters. Auf diese Punkte wird der Staatsanwalt anlässlich der Verhandlung vom 30. Mai am Bezirksgericht Winterthur wohl eingehen.

Dann wird auch der Beschuldigte die Möglichkeit haben, sich zu äussern. Sein Anwalt wollte sich auf Anfrage nicht zu dem laufenden Verfahren äussern. Bei der Version der Ereignisse laut Anklageschrift handelt es sich um die Sicht der Staatsanwaltschaft, basierend auf den Ermittlungen. Der 22-Jährige ist nicht geständig. Bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Ein Urteil wird am 1. Juni erwartet.

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