Kommt der Schiffsfünfliber jetzt vors Volk?

Trotz höherer Einnahmen: Zürcher Politiker planen eine Initiative gegen den Seezuschlag.

Der Schiffszuschlag von 5 Franken wirkte sich erheblich auf die Passagierzahlen aus. Foto: Reto Oeschger

Der Schiffszuschlag von 5 Franken wirkte sich erheblich auf die Passagierzahlen aus. Foto: Reto Oeschger

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Es ist ein lang angekündigtes Versprechen, das Carmen Walker Späh (FDP) gestern auf die Bühne zwang. «Was wurde uns in der Vergangenheit schon alles vorgeworfen», sagte die Regierungsrätin im Hotel Marriott vor den Medien. Vorenthalten von Zahlen, Produktion eines Rohrkrepierers, eine Zumutung für alle GA-Besitzer und Schulklassen. «Es ist ein sehr emotionales Thema, dieser Schiffsfünfliber.» Sie sei hier, um endlich Transparenz zu schaffen.

Diese soll sich aus zwei Schlüssel­zahlen ergeben: Mehreinnahmen von 2,4 Millionen Franken, ein Passagierrückgang von knapp einem Drittel. Das ist die Bilanz nach einem Jahr mit dem Schiffsfünfliber – dem umstrittenen Zuschlag, den Passagiere auf den Zürichsee-Schiffen für jede Fahrt zahlen müssen. Man befinde sich «mehr oder weniger» auf Kurs, sagte Walker Späh. Jetzt kehre hoffentlich Ruhe in dieses Thema ein.

Infografik: Besucherrückgang auf dem Zürichsee Grafik vergrössern

Das Gegenteil wird der Fall sein. Die kantonale SP spricht von «katastrophalen Auswirkungen», die der Zuschlag bewirkt habe. «Der Schiffsfünfliber gehört umgehend abgeschafft – nach dieser Bilanz erst recht», sagt SP-Kantonsrat Jonas Erni aus Wädenswil. Im Kampf gegen den Zuschlag hat sich ein überparteiliches Komitee mit den Parteien SP, Grüne und EVP gebildet.

«Der Schiffsfünfliber gehört umgehend abgeschafft.»Jonas Erni, SP-Kantonsrat

Dieses prüft nun alle Optionen. Das Wahrscheinlichste ist die Lancierung einer Volksinitiative. Schon seit Wochen wird im Hintergrund an einer solchen gearbeitet, wie der «Tages-Anzeiger» aus einer vertrauenswürdigen Quelle weiss. Die gestrige Präsentation der Jahres­bilanz bestärkt das überparteiliche Komitee in seiner Idee. «Wir nehmen die Proteste aus der Bevölkerung ernst und den Kanton in die Pflicht», sagt Erni. Über eine allfällige Volksinitiative zur Rettung der Zürichsee-Schifffahrt will das Komitee am 14. Februar definitiv kommunizieren.

Abgespecktes Gastrokonzept

Für den Regierungsrat steht indes fest, dass bis mindestens 2019 am Schiffsfünfliber festgehalten wird. Dies, obwohl das Ziel von drei Millionen Franken Mehreinnahmen um fast ein Viertel verfehlt wurde. «Wir haben noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen», sagt ZVV-Direktor Franz Kagerbauer. Die Wirtschaftlichkeit sei aber schon deutlich verbessert worden. Vor dem Zuschlag lag der Kostendeckungsgrad einer Schifffahrt bei 40 Prozent, nun seien es immerhin knapp 50 Prozent.

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EVP-Kantonsrat Tobias Mani, ebenfalls aus Wädenswil, erachtet den Mehrwert im Verhältnis zum Ärger als zu klein. «Was bringt ein leicht erhöhter Kostendeckungsgrad, wenn einzelne Schiffe fast leer sind?» Die Passagier­zahlen seien im letzten Jahr eingebrochen – trotz sehr gutem Wetter, sagt Mani. «Nicht zuletzt geht es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen.»

15 Prozent Umsatzrückgang

Im letzten Jahr waren vor allem die Schiffsangestellten die Leidtragenden des Zuschlags. Am härtesten traf es die Gastronomie. Knapp 15 Prozent betrug der Umsatzrückgang. Die zuständige Firma R. T. Gastro AG musste zehn Personen entlassen – das ist mehr als ein Viertel der Belegschaft.

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Die Entlassenen sollen nun die Möglichkeit erhalten, in dieser Saison als Saisonniers vereinzelte Einsätze zu leisten, wie Walker Späh gestern sagte. Der ZVV hat zusätzlich einen einmaligen Unterstützungsbeitrag von 167'000 Franken gesprochen. Man habe die Auswirkungen des Zuschlags auf die Gastronomie unterschätzt, wolle nun aber in die Zukunft schauen. Das verspricht für die Zürichsee Schifffahrt und Gastro (ZSG) vor allem eines: Rationalisierung. Statt fünf grosse Menüs gibt es künftig nur noch eines auf der Speisekarte. In einem Teil der zwölf Schiffsrestaurants wird ein Selbstbedienungskonzept eingeführt. Die Einbusse an Komfort will der ZVV mit einzelnen Loungesesseln kompensieren.

Zuschlag teurer als Ticket

«Unter diesen Voraussetzungen wird es noch zu weiteren Qualitätseinbussen kommen», sagt SP-Kantonsrat Erni. «Das ist ein Desaster für die ZSG und die kantonale Abbaupolitik.» Was die Passagiere betrifft, ist der Pauschalaufpreis auf den Limmatschiffen am stärksten spürbar. Der Zuschlag ist für eine Flussfahrt teurer als der eigentliche Fahrpreis. Entsprechend hoch war der Passagierrückgang mit 40 Prozent im letzten Jahr. 35 Prozent betrug er bei der grossen Seerundfahrt und 21 Prozent bei der kleinen Rundfahrt. Die Zahl der Klassenfahrten ist um ein Viertel eingebrochen. Im letzten Punkt rudert der ZVV zurück: Schülergruppen werden künftig vom Schiffsfünfliber befreit.

Der Frequenzrückgang ist insgesamt etwas höher als erwartet. «Einige Passagiere fingen an, uns zu boykottieren», sagt Franz Kagerbauer. Für den ZVV-Direktor ist dies unter anderem eine Folge der «medialen Schlacht», die rund um den Schiffsfünfliber auf allen Kanälen geführt worden sei. Jetzt, wo die Emo­tionalität am Abflauen sei, würden auch die Passagiere wieder zurückkommen, ist er überzeugt. «Ich bin zuversichtlich, dass wir das Ziel von drei Millionen Mehreinnahmen in diesem Jahr erreichen werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.02.2018, 22:12 Uhr

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