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Schlammschlacht im Limmattal

Alkohol am Morgen, unzuverlässig: Die Vorwürfe von acht Statthaltern gegen ihren Dietiker Ex-Kollegen Adrian Leimgrübler wiegen schwer.

MeinungPascal Unternährer
Die Gefahr besteht, dass am Ende nur Verlierer zurückbleiben: Adrian Leimgrübler (l.) hat Simon Hofmann (r.) im ersten Wahlgang abgehängt. Foto: PD
Die Gefahr besteht, dass am Ende nur Verlierer zurückbleiben: Adrian Leimgrübler (l.) hat Simon Hofmann (r.) im ersten Wahlgang abgehängt. Foto: PD

Ein ausserordentlicher Fall wird nun haarsträubend. Es geht um die Dietiker Statthalterwahl. Am 21. Mai duellieren sich Adrian Leimgrübler und Simon Hofmann. Bereits dies ist speziell, sind doch beide Freisinnige. Hofmann kommt aus einem anderen Bezirk, ist 36-jährig und der Sohn des Meilemer Statthalters. Er wird von allen Dietiker Bezirksparteien portiert. Leimgrübler ist so ziemlich das Gegenteil von Hofmann. Der 57-Jährige war von 2001 bis 2015 bereits Dietiker Statthalter und ist ein beim Gewerbe beliebter Lokalzampano. Und er hat ein Alkoholproblem.

Das zumindest schreiben acht der zwölf Statthalter des Kantons Zürich in einer Stellungnahme. «Es darf nicht mehr vorkommen, dass ein Statthalter schon zu morgendlichen Terminen mit Alkoholgeruch oder gar nicht erscheint, zum Teil unentschuldigt oder mit kurzfristig mitgeteilten Begründungen.» Von «fehlender Zuverlässigkeit» ist die Rede und davon, dass die Statthalterkonferenz ihm keine Aufgaben übertragen konnte. Sie stört auch, dass Leimgrübler in einem Interview gesagt hat, dass kleinere Amtspflichtverletzungen, wie man sie ihm zur Last gelegt hat, in jedem Amt vorkämen. Ihr Fazit: Simon Hofmann wählen.

«Die Wahrheit muss ans Licht»

Das ist dicke Post. Wohl noch nie in der Geschichte des Kantons haben sich Statthalter derart prononciert und an der Grenze zur Ehr- und Persönlichkeitsverletzung geäussert. «Wir fanden, dass die Wahrheit noch vor dem Wahltermin ans Licht kommen muss», sagt Hans Rudolf Kocher (EVP), Pfäffiker Statthalter und als ehemaliger Stadtschreiber Schlierens mit den Limmattaler Verhältnissen bestens vertraut. Laut Kocher war Leimgrübler in der Statthalterkonferenz schon früher ein Thema.

Adrian Leimgrübler selbst tut den Schritt der Statthalter als Wahlkampfmanöver seiner Gegner ab. Zum Thema Alkohol will er keine Stellung beziehen. Dafür tut es sein Anwalt Bernhard Rüdy: «Adrian Leimgrübler hat kein Alkoholproblem.» Zwar wisse er, dass sich das «Gerücht» im Limmattal seit Jahren halte. Das mache es aber nicht wahrer. Er werde in Kürze das Gegenteil beweisen, kündigt Rüdy an.

Ob die Mit­teilung Leimgrübler schadet oder gar nützt, ist nicht auszumachen.

Gemäss dem Anwalt ist die Stellungnahme der acht Statthalter «weitgehend gelogen». Auch hierzu werde er bald Fakten präsentieren. Ob er juristisch gegen die Statthalter vorgeht, lässt Rüdy offen. Es hänge vom Wahlresultat am 21. Mai ab. Verpasst Leimgrübler die Wahl knapp, werde er eine Anzeige prüfen.

Leimgrübler hat beste Wahlchancen, obwohl er von keiner Partei offiziell empfohlen wird. Im 1. Wahlgang im Februar schwang er gegen Hofmann und einen weiteren Gegner, der sich inzwischen zurückgezogen hat, obenauf. Wer das verstehen will, muss die Unterstützerliste in seinem Wahlkomitee lesen, die mit bekannten Persönlichkeiten gespickt ist. Ob die Mit­teilung der Statthalter Leimgrübler schadet oder gar nützt, ist in diesem bizarren Fall nicht auszumachen.

Nur noch verstörend

Leimgrübler musste bös untendurch – und erholte sich bald wieder davon. So wurde er 2015 als Statthalter von SP-Justizdirektorin Jacqueline Fehr zuerst freigestellt und dann fristlos entlassen. Zwei Mitarbeiterinnen waren an den Ombudsmann und dieser an die Justiz gelangt. Eingeklagt war Begünstigung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Arbeitszeitbetrug. Hängen geblieben ist nicht viel. Die Strafuntersuchung wurde eingestellt, wobei unklar bleibt, warum Leimgrübler die Hälfte der Gerichtskosten zahlen muss: Er will die Einstellungsverfügung nicht publizieren. Und im Urteil des Verwaltungsgerichts gegen die fristlose Entlassung sind mehrere Pflichtverletzungen aufgeführt, aber nichts Gravierendes.

Dennoch ist der Fall verstörend. Die beiden Whistleblowerinnen wurden vom lokalen Gewerbeverband geoutet, der Leimgrübler gegen alle Parteien zur Wahl aufgestellt hat. Es bleibt der Eindruck eines Mannes, der es mit den Bestimmungen nicht so genau nimmt – und es vielleicht genau deshalb so gut hat mit vielen. Doch das darf sich eine Respektsperson, welche die Gemeinden beaufsichtigt und Rekursinstanz für Privatpersonen ist, nicht leisten. Der schale Nachgeschmack verstärkt sich mit der Aktion der Statthalter. Ihr Schritt erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar, ist aber auf den zweiten – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes – fragwürdig. Die Gefahr besteht, dass am Ende nur Verlierer zurückbleiben.

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