Schlechte Noten vom WWF: Zürich hinkt bei Sanierungen hinterher

Es gibt viel zu tun für den neuen grünen Baudirektor. Zürich landet beim WWF auf einem der letzten Plätze. Nur ein Kanton ragt im Ranking heraus.

Zürich erhält die Bewertung «Blockiert» im WWF-Rating zu der kantonalen Gebäude-Klimapolitik.

Zürich erhält die Bewertung «Blockiert» im WWF-Rating zu der kantonalen Gebäude-Klimapolitik. Bild: Urs Jaudas

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Seit 99 Tagen steht Überraschungssieger Martin Neukom seinem Wunschdepartement, der Baudirektion, vor. Mit ihm weilt zum ersten Mal ein Politiker der Grünen in diesem Amt und hält starke Hebel in Händen, um auf die Pariser Klimaschutzziele hinzuwirken. Doch in erster Linie wartet auf Neukom viel Arbeit, wie ein Rating, das der WWF Schweiz am Dienstag zur Gebäude-Klimapolitik der verschiedenen Kantone veröffentlicht hat, zeigt. 18 der 26 Kantone schneiden besser ab als Zürich. Das Beratungsunternehmen EBP Schweiz AG analysierte im Auftrag der Umweltorganisation die kantonalen Klimaziele, Vorschriften für mehr Energieeffizienz und mehr Erneuerbare sowie für den Ersatz von Elektroheizungen, finanzielle Förderung und Energieplanung der Gemeinden.

«Grosse Vielfalt und fehlende Breite» attestieren die Autoren der Studie den Kantonen insgesamt. Es würden zwar fortschrittliche oder gar vorbildliche Ansätze bei der Gebäude-Klimapolitik verfolgt. Doch bei den Vorschriften für Sanierungen für mehr Energieeffizienz oder den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien in bestehenden Gebäuden erreiche kein Kanton die Höchstnote.

Alles in allem am besten bewertet wird die Gebäude-Klimapolitik von Basel-Stadt. 14 weitere Kantone, darunter Bern, Genf, St. Gallen, Waadt und Tessin, setzen zwar einzelne fortschrittliche Schwerpunkte. Zürich erreicht derweil lediglich eine Bewertung von 2,3 Punkten von möglichen 5 und landet damit in der letzten Bewertungskategorie «Blockierte». Im Kanton würden einzig die Minimalforderungen umgesetzt. Darüber hinausgehende Aktivitäten, die als fortschrittlich gelten, würden fehlen, heisst es in den Begleitunterlagen zum Rating.

Zu wenig erneuerbare Energien

Den grössten Handlungsbedarf sieht der WWF in Zürich einerseits bei den Vorschriften zur Steigerung der Sanierungsrate und andererseits bei der Umstellung auf erneuerbare Energien. Werde ein Gebäude massgeblich umgebaut, würden für dieses viele Vorschriften in Bezug auf die Energieeffizienz gestellt. Es fehlten jedoch Anforderungen zu einer Erhöhung der Sanierungsrate. Weiter weise der Kanton «keine oder nur schwache Anforderungen» für eine Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien zur Wärmeerzeugung in bestehenden Gebäuden auf.

«Die Sanierung von Gebäuden geht zu langsam voran», kritisierte auch Neukom vor seiner Wahl. Das Tempo für die Umrüstung der Häuser müsse verdreifacht werden, und das koste. Um an die nötigen Mittel zu kommen, so Neukom vor der Wahl, sollten Steuersenkungen der Bürgerlichen rückgängig gemacht werden.

Gute Energieplanung in den Gemeinden

Positiven Einsatz attestiert der WWF dem Kanton bei der Energieplanung seiner Gemeinden. Diese seien zu einer solchen Planung verpflichtet und würden dabei finanziell und mittels Tools unterstützt.

Positiv hervorgehoben werden zudem die vorhandenen Vorschriften für den Ersatz von Elektroheizungen – etwa durch das Verbot von Neuinstallationen und den Ersatz von solchen Heizgeräten.

Hohe gesetzliche Verbindlichkeit

Auch das kantonale Klimaziel wurde unter die Lupe genommen. Hier beabsichtigt Zürich, bis 2050 einen CO2-Ausstoss von 2,2 Tonnen pro Einwohner und Jahr zu erreichen. Der WWF bewertet positiv, dass das Ziel im Energiegesetz verankert ist, da es dadurch eine hohe Verbindlichkeit erhält. Jedoch wird bemängelt, dass ein mit dem Paris-Abkommen kompatibler Absenkpfad verfehlt werde.

Als wichtig erachten die Studienautoren die finanzielle Förderung von klimafreundlichen Massnahmen, und hier ist das Gesamtbild besser: 9 Prozent der Bevölkerung leben in einem als vorbildlich eingestuften Kanton. Substanzielle Fördermittel gibt es in Kantonen mit 45 Prozent der Einwohner der Schweiz.

Für Förderprogramme legt das Wallis pro Kopf am meisten aus, nämlich 75.10 Franken. Zürich rangiert bloss auf Platz 21 mit 19.80 Franken.

Änderungen bei den Ölheizungen

Martin Neukom ist bewusst, dass vor ihm noch viel Arbeit liegt. In einer Präsentation stellte der 32-Jährige im vergangenen März vor der Departementsverteilung seinen Klimaplan vor. Darin betonte er, dass er sich dafür einsetzen möchte, dass es in Zürich bald mehr Geld für Hauseigentümer geben soll, die ihre Liegenschaften energetisch sanieren. Weiter soll es künftig schwieriger werden, beim Ersatz alter Gebäudeheizungen erneut auf eine Ölfeuerung zu setzen, was derzeit in zwei von drei Fällen passiert. (TA/sda)

Erstellt: 13.08.2019, 13:01 Uhr

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