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Schulfrei für fünf Wochen – und was tun die Zürcher Lehrer?

Die Sommerferien haben begonnen. Und wie die Schülerinnen haben auch die Lehrer frei, so lautet zumindest das alte Vorurteil.

Leeres Schulzimmer während der Ferien. Bild: Henry Muchenberger
Leeres Schulzimmer während der Ferien. Bild: Henry Muchenberger

Fünf Wochen lang sind jetzt in vielen Schulhäusern die Rollläden unten und befeuern schweigend ein altes Vorurteil: Lehrerinnen und Lehrer sind Ferientechniker, und der Sommer ist die Zeit, in der sie sich zu technischen Höchstleistungen aufschwingen. Tatsächlich soll es immer noch Spezialisten geben, die erst am allerletzten Tag der Ferien wieder auftauchen, um den Stoff fürs neue Semester aus der Schublade zu ziehen. Aber sie sind eine aussterbende Sorte, wie Vertreter mehrerer Zürcher Schulen sagen. Auf den Fluren und in den Zimmern herrsche heute während der Ferien deutlich mehr Betrieb als noch vor einigen Jahren.

Die Ferien durchziehen ist in den meisten Schulhäusern gar nicht mehr möglich, denn an bestimmten Tagen gilt eine Präsenzpflicht fürs ganze Team. Der neue Berufsauftrag, der seit zwei Jahren gilt, erlaubt es den Schulleitungen, bis zu eine Ferienwoche pro Jahr fürs gemeinsame Arbeiten an schulinternen Themen zu reservieren, allenfalls auch aufgeteilt in zwei Teile.

«Früher wäre das nicht denkbar gewesen.»

Barbara Grisch, Präsidentin Kreisschulbehörde Zürich Letzi

Die meisten tun dies in den letzten Tagen der Sommerferien. Laut Marion Völger, Chefin des kantonalen Volksschulamts, ist dies «sicher sinnvoll», weil es die längsten Ferien sind und sich so vor Beginn des neuen Schuljahres zum Beispiel gemeinsame Aktivitäten planen lassen.

Dennoch: «Früher wäre das nicht denkbar gewesen», sagt Barbara Grisch, Präsidentin der Kreisschulbehörde Letzi, die auf 25 Amtsjahre zurückblicken kann, acht davon als Präsidentin. Lehrerinnen und Lehrer hätten zwar schon immer in den Ferien gearbeitet, um den Unterricht vorzubereiten. Aber sie hätten das in absoluter Autonomie getan.

Fälle von übermotivierten Schulleitungen

Dass viele Schulleitungen heute die Ferienzeit antasten, habe besonders unter den älteren Semestern zum Teil für Unmut gesorgt, sagt Grisch. Aber ein ernsthaftes «Gerumpel» habe das nicht ausgelöst. Ähnlich beurteilt es die Gewerkschaft VPOD: Es habe zwar vereinzelt Fälle von übermotivierten Schulleitungen gegeben, die meinten, das Team müsse während der Ferien zwei Wochen lang zusammenarbeiten. Aber von den vielen Problemen, die mit dem neuen Berufsauftrag aufgekommen seien, seien die Präsenzzeiten das geringste.

Nach einhelliger Meinung der befragten Schulvertreter ist der Berufsauftrag ein Fortschritt. Denn er hält nicht nur die Pflichten der Lehrpersonen während der Ferien fest, sondern auch ihr Rechte. Offiziell haben sie nämlich bis zum 50. Geburtstag nur vier Wochen Ferien pro Jahr zugut, genau wie alle kantonalen Angestellten. Alle kantonalen Angestellten haben erst ab 2020 fünf Wochen Ferien.

Die Lehrerinnen und Lehrer können aber zusätzlich Pause machen, um Überzeit abzubauen, die sie während der Schulzeit angehäuft haben. «Der neue Berufsauftrag hat dazu geführt, dass Lehrerinnen und Lehrer bewusster Ferien machen», sagt Grisch. «Dass sie zum Beispiel E-Mails und Telefone während dieser Zeit unbeantwortet lassen.»

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