Schweiz boomt bei arabischen Touristen

Jährlich kommen mehr arabische Reisende ins Land. Keine andere Gruppe gibt pro Tag so viel aus wie sie.

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Das Schweizer Tourismusgewerbe hatte es schon leichter: Der starke Franken schreckt viele ausländische Gäste ab, wichtige Gruppen wie die Chinesen sind ohnehin rückläufig. Doch eine Gruppe legt zu – mit jährlich 20 Prozent Zuwachs bei den Hotelübernachtungen: die Reisenden aus arabischen Golfstaaten wie Saudiarabien, Kuwait, Bahrain. Gegen 20 Millionen Leute aus dem Ausland schliefen letztes Jahr in Schweizer Hotels, 930'000 davon waren Araber.

Hiesige Touristiker lieben die arabischen Gäste. Keine Kundschaft gibt in der Schweiz so viel Geld aus. 430 Franken sind es pro Tag und Person im Schnitt, dreimal mehr, als beispielsweise Deutsche ausgeben. Zu fast zwei Dritteln bevorzugten die Leute vom Golf letztes Jahr Hotels mit vier oder fünf Sternen. Sie sind dabei recht jung, mehr als die Hälfte war in den letzten Jahren zwischen 16 und 35 Jahre alt.

Augenfällige Präsenz von Sommertouristen

An der Schweiz, so die Erfahrung von Schweiz Tourismus, schätzen die Touristen aus Arabien einen Mix von Dingen: Shoppingangebot und Hipness, Verständnis für die eigenen Essgewohnheiten (kein Alkohol, kein Schweinefleisch), Grün und Wasser. Beliebt ist die Destination zudem, weil Mitglieder arabischer Königsfamilien im Land verkehren.

In den sozialen Plattformen des Internets pflanzt sich der Hype fort: Eben berichtete eine Bloggerin aus Dubai mit zwei Millionen Anhängern auf Instagram begeistert über die Schweiz. Die junge Schleierträgerin posiert in einer Blumenwiese als eine Art Orient-Heidi.

Schweiz Tourismus arbeitet am Trend, indem man auf den grossen Reisemessen im Mittleren Osten auftritt. Interessantes Detail: Man fokussiert beim Marketing gerne auf Frauen. «Touristen vom Golf reisen oft im Familienverbund – hier gilt die Frau als interne Entscheidungsträgerin», sagt ein Schweiz-Tourismus-Sprecher.

Augenfällig ist die Präsenz der Sommertouristen vom Golf gerade auch in Zürich. Die Stadt hat von 2014 auf 2015 von allen Schweizer Städten am meisten zugelegt. In drei Jahren wuchs die Zahl arabischer Reisender in Zürich von 87'000 auf 163'000 im letzten Jahr; heuer wurde bis und mit Mai ein Plus von 34 Prozent gegenüber der entsprechenden Periode im Vorjahr registriert.

Allerlei Avancen

Mit allerlei Avancen reagieren Stadtzürcher Betriebe auf die kaufkräftigen Araber. Das Hotel Dolder Grand beschäftigt einen libanesischen Chefkoch. Im Hotel St. Gotthard arbeitet ein ägyptischer Kellner, der auch eine arabischsprachige Speisekarte realisieren half. Im Warenhaus Manor informiert ein Flyer die Kundschaft auf Arabisch, wie sie sich ins Gratis-Wi-Fi-Netz einloggt.

Der Zuwachs an arabischen Gästen hält wohl an. Sorge macht Touristikern aber die Initiative für ein landesweites Verbot der Gesichtsverschleierung, das die Kunden vergraulen könnte.

Erstellt: 03.08.2016, 22:01 Uhr

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