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«Schwulenheiler» tritt im Zürcher Oberland auf

Der Auftritt eines umstrittenen Arztes in Pfäffikon ZH löst Widerstand aus. Das «Heilungs-Weekend» einer Freikirche findet trotzdem statt.

Hier findet das «Heilungsweekend» statt: Das Chesselhuus in Pfäffikon ZH.
Hier findet das «Heilungsweekend» statt: Das Chesselhuus in Pfäffikon ZH.
Screenshot/Chesselhuus.ch

Arne Elsen verspricht die Heilung von Arthrose, Nierenstein oder Querschnittlähmung. Alles, was es dazu braucht, sind Gebete. Er sagt in seinen «Heilungsseminaren», dass Depressionen verschwinden würden, solange man nur bete. Burn-outs sind für ihn ein Symptom dafür, dass man nicht Gottes Wort gefolgt ist. Durch seine Seminare soll «ein Flächenbrand an heiligem Feuer» übers Land fegen. Während seiner Reden weist er konstant auf einen sogenannten Gebetswecker hin, den er selber vertreibt und der ans Gebet erinnern soll. Knapp 20 Euro kostet die Standardversion davon bei Amazon.

Dies alles wird der Norddeutsche Elsen wohl auch heute und am Samstagabend sowie am Sonntagmorgen in Pfäffikon ZH tun, an seinem «Heilungsweekend» im Kulturhaus Chesselhuus. All dies ist rechtlich unproblematisch. Zu reden gab in den vergangenen Tagen aber eine andere Praxis des studierten Diabetologen aus Hamburg. Wie der NDR berichtete, versuchte er in mehreren Fällen in einer Art Exorzismus Patienten von Homosexualität «zu heilen». Schwarzer Rauch sei aus dem Rücken des Patienten aufgestiegen, Dämonen seien entwichen, hiess es in dem Bericht. Elsen selbst bestreitet die Darstellungen des NDR, klagte, unterlag aber mehrmals vor Gericht.

Die rechtliche Situation wurde geprüft

Der im Beitrag beschriebene Exorzismus ist für die Gemeinde Pfäffikon, die das Chesselhuus betreibt, kein Grund, die Veranstaltung in ihrer Stadt platzen zu lassen, wie der «Zürcher Oberländer» schreibt. Die Stadt befand, dass von der Veranstaltung keine Gefährdung ausgehe. Man habe mit der Polizei Rücksprache genommen. In einer Stellungnahme heisst es, dass die rechtliche Situation geprüft worden sei. Weder Versammlungs- noch Meinungsäusserungsfreiheit, noch Glaubens- oder Gewissensfreiheit würden tangiert. Ebenso wenig Antirassismusnorm oder Diskriminierungsverbot.

Anderer Meinung sind einige Einwohner Pfäffikons, die sich gegenüber «20 Minuten» anonym äusserten. Für sie ist die Veranstaltung diskriminierend, da Homosexualität als Krankheit definiert werde. So sieht das auch die Schwulenorganisation Pink Cross: «Die Dämonisierung der Homosexualität ist gefährlich. Solche ‹Schwulenheiler› können das Leben von Menschen zerstören», sagt dessen Geschäftsführer dem «Zürcher Oberländer». Es sei deshalb fragwürdig, wenn einer solchen Person in öffentlichen Räumlichkeiten eine Plattform geboten würde.

Die Juso Zürich Oberland rufen für heute Freitagabend auf ihrer Website zu «einem Kiss-in vor dem Chesselhuus» auf. «Liebe ist die einzig richtige Antwort auf Hass. Mit Schildern, Fahnen und küssenden Menschen werden wir ein Zeichen gegen Homophobie setzen», wird Florin Schütz, Sekretär der Juso Zürich Oberland, zitiert.

Veranstaltet hat das «Heilungsweekend» der Verein «Gemeinde Freiheit in Jesus», eine neu gegründete Freikirche aus Pfäffikon. Sie zählt sich zur Wort-des-Glaubens-Bewegung, einem radikalen Flügel der Freikirchenszene mit Zentrum im Gospelcenter in Brugg. Dort veranstaltete Elsen im Jahr 2013 ebenfalls ein mehrtägiges Heilungsseminar.

Freikirche weist Kritik zurück

Die «Gemeinde Freiheit in Jesus» weist die Kritik an Arne Elsen zurück. Laut dem Leiter Patrick Krähenbühl habe der Arzt nie über Homosexualität gepredigt. Grundsätzlich seien alle Personen unabhängig von ihrer Sexualität am Anlass in Pfäffikon willkommen. Das Thema kam auch am viertägigen Heilungsseminar in Brugg vor 5 Jahren nicht zur Sprache, wie den Aufnahmen zu entnehmen ist.

Unproblematisch ist für die Freikirche aus dem Zürcher Oberland aber offenbar, dass den Menschen in den Seminaren vermittelt wird, sie könnten sich selber heilen, solange sie nur genug beteten. Und dass Krankheitssymptome «Werke des Teufels» seien.

Dem Benutzungsreglement des Chesselhuus widerspricht das nicht. Dort steht lediglich: «Die Räumlichkeiten dürfen nicht für Kundgebungen oder Treffen rechtswidriger, ideologischer und/oder extremistischer Gruppen zur Verfügung gestellt werden.» Von der Situation aber, dass Räume mit «Licht geflutet» würden, sobald das Wort Gottes gepredigt werde, davon steht darin nichts.

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