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Nun beginnt Portmanns Kampf gegen den Justizvollzug

Gerichtsreporter Thomas Hasler über die Freilassung von Bankräuber Hugo Portmann.

MeinungThomas Hasler
Langzeithäftling: Hugo Portmann im Gang vor seiner Zelle in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf am Freitag, 8. Juni 2011.
Langzeithäftling: Hugo Portmann im Gang vor seiner Zelle in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf am Freitag, 8. Juni 2011.
Nicola Pitaro
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Hugo Portmann, in den 80er-Jahren ein gefürchteter Bankräuber und Geiselnehmer, wird nach 35 Jahren hinter Gittern vorzeitig aus dem Strafvollzug entlassen. Der Mann, der während seiner Verbrecherlaufbahn auch dreimal verwahrt wurde, muss die Massnahme nicht antreten. So will es das Gesetz. Denn ist schon während des Vollzugs der Freiheitsstrafe zu erwarten, dass sich ein Täter in Freiheit bewährt, muss er bedingt entlassen werden, bevor die Verwahrung beginnt. Und die (Rückfall-)Gefahr, dass Portmann wieder eine Bank überfallen könnte, hält der forensische Psychiater für «denkbar gering».

So weit, so gut.

Den Auftritt vor dem Bezirksgericht Horgen und die Anwesenheit zahlreicher Medienschaffender nützten Portmann und sein Anwalt ausgiebig, um das vom Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) des Justizvollzugs in der Pöschwies praktizierte Therapiesystem scharf zu kritisieren. Dem angeblich «gefährlichen und korrupten System» hatte sich Hugo Portmann stets verweigert, was letztlich auch dazu führte, dass er seine Strafe praktisch bis auf den letzten Tag absitzen musste. Da war die Rede von «gewalttätigen, wissenschaftlich nicht abgestützten Umerziehungsmassnahmen an psychisch Gesunden» oder von einem «frivolen menschenverachtenden Spiel». Die involvierten Personen wurden als «die Vielgescheiten und Besserwisser des hiesigen Strafvollzugs» lächerlich gemacht.

Wenn in den sozialen Medien im Zusammenhang mit Portmann davon gesprochen wird, das Verhältnis von Schuld und Sühne sei längst ins Absurde gekippt, werden Portmanns Taten verharmlost. Gleichzeitig wird aus dem 58-Jährigen ein Held wider den angeblichen Psychoterror des Justizvollzugs gemacht. Beides ist absurd. Portmann hat sich sein Schicksal selber zuzuschreiben. Natürlich wird ihn dies nicht daran hindern, seine wiedergewonnene Freiheit dazu zu verwenden, die Öffentlichkeit auf die angeblichen Missstände in der Pöschwies aufmerksam zu machen. Den Kampf um seine Freiheit hat er gewonnen. Der andere Kampf, jener gegen den Justizvollzug, beginnt erst.

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