Seltene Eule verletzt in Oberländer Dorf gefunden

Premiere in Berg am Irchel: In die Greifvogelstation ist ein Sperlingskauz mit Gehirnerschütterung eingeliefert worden. Entdeckt wurde er in Russikon.

Kleiner als eine Hand: Der Sperlingskauz, gehalten vom Leiter der Pflegestation Andi Lischke. Foto: PD

Kleiner als eine Hand: Der Sperlingskauz, gehalten vom Leiter der Pflegestation Andi Lischke. Foto: PD

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Er ist die kleinste Eule Europas und äusserst selten zu sehen, weil er im dichten Wald lebt: der Sperlingskauz. Im Mittelland kommt er praktisch nicht vor, sein Verbreitungsgebiet sind der Jura und die Alpen. Der Schweizer Bestand wird auf 800 bis 2000 Brutpaare geschätzt, die Art gilt nicht als gefährdet.

Andi Lischke, Leiter der Greifvogelstation in Berg am Irchel und Ornithologe mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat noch nie einen Sperlingskauz in der freien Natur gesichtet. Vor einer Woche erhielt er einen Anruf aus Madetswil, einem Ortsteil von Russikon. Eine Privatperson hatte in dem kleinen Dorf im Zürcher Oberland eine Eule gefunden, die «so gross wie ein Spatz» war. Der Vogel war in eine Scheibe geflogen und lag am Boden.

Obwohl unwahrscheinlich, konnte es aufgrund der Beschreibung eigentlich nur ein Sperlingskauz sein. Lischkes Vermutung bewahrheitete sich, als die kleine Eule in die Greifvogelstation eingeliefert wurde. Es handelte sich um ein Weibchen, 70 Gramm schwer und mit einer Flügelspannweite von knapp 30 Zentimetern.

«Wahnsinniger Zufall»

Das war nicht nur für den Biologen Lischke eine Premiere, sondern auch für die Greifvogelstation, die von der Stiftung Paneco betrieben wird: Noch nie in der 63-jährigen Geschichte der Pflegestation war ein Sperlingskauz behandelt worden. «Das istein wahnsinniger Zufall», sagt Lischke. Zum Glück war der Patient nicht schwer verletzt. Er hatte eine Gehirnerschütterung.

Lischke gab ihm Schmerzmittel und setzte den Vogel in eine Pflegebox, wo er sich ausruhen konnte. Zu Fressen bekam er Heuschrecken, Mäuse und Vögel (solche, die einen Aufprall auf einer Scheibe nicht überlebt hatten und der Greifvogelstation zum Verfüttern gebracht wurden). Diese Nahrung war ganz nach dem Geschmack des Sperlingskauzes. Trotz seiner Kleinheit ist er nämlich ein kräftiger Vogel und ein gefährlicher Jäger, der besonders gerne kleine Vögel frisst. Diese erwischt er sogar im Flug.

Er wird bald freigelassen

Der einmalige Gast der Greifvogelstation hat sich schnell erholt. Lischke wird ihn schon bald freilassen können. «Sobald das Wetter besser ist und kein Wind weht, setzen wir ihn am Waldrand aus.» Es sei nicht nötig, den kleinen Kauz an seinen Fundort zurückzubringen, sagt der Fachmann: «Wenn es ein älteres Tier ist, das bereits ein Brutgebiet hat, findet es zurück. Ist es noch jung, sucht es sich irgendwo ein neues Revier.» Der Irchel würde sich anbieten: Der Hügelzug ist an seiner höchsten Stelle fast 700 Meter hoch und dicht bewaldet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade dieser Sperlingskauz nochmals von jemanden gesehen wird, ist allerdings verschwindend klein. Aber man weiss ja nie. Andi Lischke hat ihn jedenfalls beringt, wie er das bei all seinen Pfleglingen tut. «Als Wissenschaftler will man wissen, wo der Vogel hinfliegt.»

Erstellt: 16.10.2019, 13:42 Uhr

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