Heer macht Köppel Konkurrenz – oder kommts zur Sonderlösung?

Nun wollen zwei Zürcher SVP-Mannen in den Ständerat. Und weil das nicht so einfach wird, tritt auch noch Christoph Blocher auf den Plan.

Die SVP-Delegierten werden entscheiden, wer fürs Stöckli antreten darf: Alfred Heer (links) oder Roger Köppel, beide SVP-Nationalräte.

Die SVP-Delegierten werden entscheiden, wer fürs Stöckli antreten darf: Alfred Heer (links) oder Roger Köppel, beide SVP-Nationalräte. Bild: Sophie Stieger

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Für die Zürcher SVP steht ein turbulentes Auswahlprozedere an. Weder der Stadtzürcher Polizistensohn und Kleinunternehmer Alfred Heer noch der intellektuelle Journalist und Verleger ­Roger Köppel wollen verzichten. Und so kommt es nun zum Duell zwischen den beiden Nationalräten. Wer soll für die Partei im nächsten Herbst Ständeratskandidat sein? Und damit gegen die beiden populären Amtsträger Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) antreten? Köppel hat die Unterstützung von Christoph Blocher, Heer ist an der ­Basis besser verankert. Er gilt dort als «einer von uns».

Zusätzlich kompliziert wird die Auswahl, weil Christoph Blocher laut über eine Doppelkandidatur nachgedacht hat. Sein Vorschlag: Köppel könnte als Präsident des Komitees «EU-No» auch im Namen eines überparteilichen Komitees antreten. Und Heer als offizieller SVP-Kandidat. Faktisch würde das auf eine SVP-Doppelkandidatur hinauslaufen. Köppel hatte das Präsidium des Komitees auf Anfang Jahr von Blocher übernommen. Es gilt offiziell als überparteilich. Entscheiden über Namen und Taktik müssen die SVP-Delegierten am 3. April.

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Heer oder Köppel: Wer hat die besseren Chancen auf einen Ständeratssitz?




Auf Anfrage sagte Alfred Heer gestern: «Meine Kandidatur ist nicht gegen Roger Köppel, sondern für den Kanton Zürich.» Er wolle der Partei mit seinem Entscheid «alle taktischen Möglichkeiten» offenlassen. «Wenn ich mich nicht zur Verfügung stellen würde, wäre eine Doppelkandidatur wohl aussichtslos.» Alfred «Fredy» Heer ist im Kanton und in Bern bestens ­vernetzt. Er war elf Jahre Kantonsrat, die letzten Jahre Fraktionspräsident, dann Parteipräsident, und im Nationalrat präsidierte er die GPK und die Europaratsdelegation. «Ich kenne die Bedürfnisse des Kantons – Verkehr, Infrastruktur, Finanzausgleich, Flughafen – bestens», so Heer.

Roger Köppel will in den Ständerat: Im Interview erklärt der SVP-Nationalrat seine Beweggründe. Video: SDA

Alfred Heer hat am Donnerstagabend seinen Mitkonkurrenten Roger Köppel informiert. Köppel hatte schon immer ­betont, dass er Heers Kandidatur «grossartig» fände, ebenso ­eine Doppelkandidatur: «Nach vier Jahren EU-Turbo des Duos Nositsch würde es gut und gerne eine Doppelbesetzung von Zürcher ‹EU-No›-Vertretern im Ständerat vertragen», sagte Köppel gestern Abend. Zurzeit stellt nur der Kanton Schwyz zwei SVP-Ständeräte und das Wallis zwei von der CVP.

Das «Duo Nositsch»

Zuerst ablehnend gegenüber einer Doppelkandidatur hatte sich der Zürcher SVP-Präsident Konrad Langhart geäussert, dann aber allmählich daran Gefallen gefunden. Die SVP ist mit dem Rücktritt von Hans Hofmann seit zwölf Jahren nicht mehr im Ständerat vertreten. Weder Christoph Blocher noch Ueli Maurer hatten eine Chance. Die Ständeräte Noser und Jositsch sind der SVP ein Dorn im Auge. Parteipräsident Langhart bezeichnete die beiden als das «Duo Nositsch», das in der Europafrage ein Herz und eine Seele sei. Die beiden würden bezüglich EU «kaum die Meinung der Mehrheit im Kanton Zürich vertreten», so Langhart.

Er hat bereits gerechnet: Die SVP machte bei den letzten ­Nationalratswahlen im Kanton Zürich 30,3 Prozent. SP und FDP kommen zusammen auf 35,9 Prozent. Da sei es für die SVP nicht anmassend, «mit ähnlich grosser Kraft nicht auch zwei Kandidaten zu stellen». Ziel der SVP ist die «ungeteilte Standesstimme». Diese wurde früher ­jeweils von SVP und FDP im Kampf gegen einen SP-Kandidaten bemüht.

Heer wurde von Köppel überrumpelt

Die Kandidatenkür der SVP stand von Anfang an unter Spannung. Schon im Herbst hatte Heer angekündigt, dass er Lust auf den Ständerat habe. Dann schlug Köppel am ersten Arbeitstag des Jahres zurück. Ohne die Parteileitung und seine Kollegen frühzeitig zu informieren, präsentierte er sich an einer Medienkonferenz im Schweizerhof als Ständeratskandidaten. Heer, immerhin der aktuelle Wahlkampfleiter, wurde überrumpelt. Und Parteipräsident Langharts Führungsstärke öffentlich angezweifelt.

Ob mit Köppel, Heer oder Doppelkandidatur: Rechnerisch stehen die Chancen der SVP schlecht. Bei einer Majorzwahl benötigt der Kandidat auch Stimmen aus anderen Parteien. Das schafft die SVP nur mit überparteilich beliebten Persönlichkeiten wie etwa Regierungsrat Ernst Stocker. Doch der will nicht.

Erstellt: 31.01.2019, 21:52 Uhr

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