Silvia Steiner lanciert neue Schulreform

Die Bildungsdirektorin will auch Landgemeinden motivieren, ihre Schulen zu Tagesschulen umzubauen. Sie müssen freiwillig bleiben, Kinder könnten aber zu Schulwechseln gezwungen sein.

«Keine Familienmodelle vorschreiben»: Regierungsrätin Silvia Steiner. Foto: Walter Bieri (Keystone)

«Keine Familienmodelle vorschreiben»: Regierungsrätin Silvia Steiner. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Die CVP verkauft sich seit vielen Jahren als Familienpartei. Im Kanton Zürich machen nun zwei CVP-Regierungspolitiker Ernst mit dem Wahlslogan. Stadtrat Gerold Lauber hat in Zürich schon vor Jahren ein Tagesschulprojekt lanciert, und am Freitag zog seine Parteikollegin, Bildungsdirektorin Silvia Steiner, im Regierungsrat nach. Sie präsentierte eine Gesetzesänderung, welche es den Gemeinden erleichtert, Tagesschulen einzuführen. Steiner zeigte sich gestern stolz über den grossen gesetzgeberischen Wurf, «der ganz allein auf meinem Mist gewachsen ist».

Doch Lauber, der in Zürich davon träumt, bis 2025 nur noch Tagesschulen zu haben, wird mit der Parteikollegin nicht voll zufrieden sein. Denn Steiner möchte es Tagesschulen zwar erlauben, «gewisse Betreuungsangebote obligatorisch zu erklären». Gleichzeitig muss eine Gemeinde aber Alternativen bieten. Steiner meinte dazu: «Wir möchten Tagesschulen fördern, nicht erzwingen, und wir wollen im Kanton Zürich keine Familienmodelle vorschreiben.»

Dies freut Eltern, die ihre Kinder weiterhin zu Hause verpflegen und sie nur für den Unterricht zur Schule schicken wollen. Doch Steiners Vorschlag kann auch für sie Umtriebe bringen. So kann es sein, dass die Kinder in ein Schulhaus umgeteilt werden, in dem traditionelle Schul- und Betreuungsmodelle angeboten werden.

Besserer Leistungsausweis

Steiner sprach vom gesellschaftlichen Druck, Tagesschulen einzuführen. Denn im Kanton gibt es immer mehr Eltern, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen. So ist die Zahl der Betreuungsplätze innerhalb von zehn Jahren von 15 000 auf 30 000 gestiegen. Allerdings sprechen auch pädagogische Gründe für Tagesschulen. Denn nicht nur die Unterrichtsqualität wirkt sich auf die Schulleistungen der Schüler aus, sondern auch die Betreuungsqualität. Gemäss Studien sei diese in Tagesschulen, wo Betreuungs- und Lehrpersonal enger zusammenarbeiten, am besten.

Neben einer Anpassung des Gesetzes will der Kanton organisatorische Hilfe anbieten. So vermittelt das Volksschulamt Kontaktschulen, die bereits im ­Tagesschulmodus sind. Sie werden interessierte Schulen beraten, wie Volksschulamtschefin Marion Völger erklärte. Zudem stellt sie den Gemeinden ein Tool zur Verfügung, mit dem diese die mutmasslichen künftigen Betreuungskosten berechnen können.

Wallisellen stellt um

Eine der Kontaktschulen ist die Primarschule Bubenthal in Wallisellen. Sie hat im Sommer auf Tagesschulbetrieb umgestellt – wenigstens bei den beiden ersten Klassen. Vorgesehen ist, dass im Bubenthal jedes Jahr zwei weitere Klassen ins Tagesschulmodell wechseln. Laut Schulpflegepräsidentin Anita Bruggmann (FDP) treffen Tagesschulen den «Nerv der Zeit». Bisher habe es in der Bevölkerung kaum Widerstand gegen das Modell gegeben.

Und auch im Lehrer- und Betreuungsteam im Schulhaus Bubenthal ziehen bisher alle am gleichen Strang, wie Schulleiter Christian Goetz ausdrücklich betonte. Die Lehrpersonen arbeiten in seiner Schule in der Betreuung mit und essen über Mittag mit den Kindern: «Die meisten finden das zwar anstrengend, aber pädagogisch wertvoll.» Laut Goetz zeigt sich bereits nach neun Monaten ein positiver Effekt. So seien Tagesschulklassen die homo­generen Gruppen, und es gebe deutlich weniger disziplinarische Probleme.

Über Steiners Gesetzesänderung wird nun in den nächsten Monaten im Kantonsrat entschieden. Möglich ist auch, dass es darüber zur Volksabstimmung kommt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2017, 19:56 Uhr

Tagesschule 2025

So funktionierts

Im Zürcher Projekt «Tagesschule 2025» gelten ab dem 2. Kindergarten diese Regeln:


  • Tagesschulzeiten. Der Unterricht findet von 8 bis 15 Uhr statt. Drei (Kindergarten) bzw. zwei Nachmittage (Primarschule) sind schulfrei. Dann ist auch kein Mittagessen im Schulbetrieb inbegriffen. In der Mittelstufe (4. bis 6. Klasse) ist erst um 16 Uhr Schulschluss. Fürs Mittagessen wird ein Unkostenbeitrag von 6 Franken pro Kind erhoben. Für Eltern, die ihre Kinder vom Tagesschulbetrieb abmelden, entfällt dieser Beitrag. Sie verpflegen ihre Kinder wie früher zu Hause.



  • Betreuungszeiten. Über die Tagesschule hinaus wird in den Horten der Schule von 7 bis 8 Uhr ein Morgentisch angeboten. Dazu eine Kinderbetreuung bis 18 Uhr – auch an schulfreien Nachmittagen und in den Ferien. Diese Angebote müssen die Eltern im Voraus buchen. Deren Nutzung wird ihnen nach den geltenden Ansätzen verrechnet. (sch)

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