Singt diese Kosovarin zu schlecht für die Schweiz?

Eine kosovarische Sängerin kann nicht mehr in der Schweiz auftreten – dem Zürcher Migrationsamt ist sie nicht qualifiziert genug. Was das mit dem Rotlichtmilieu zu tun hat.

Ist dem Zürcher Migrationsamt nicht gut genug: Xhevahire Bytyqi. Bild: Screenshot Youtube/ArkivaShqip

Ist dem Zürcher Migrationsamt nicht gut genug: Xhevahire Bytyqi. Bild: Screenshot Youtube/ArkivaShqip

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Auf Youtube läuft es für die Kosovarin Xhevahire Bytyqi nicht schlecht: Ihr beliebtester Clip hat knapp 170'000 Aufrufe, der neueste aus dem Mai 22'000. Die Folklore-Sängerin trat hierzulande wiederholt vor der kosovarischen Diaspora auf. Doch damit ist jetzt Schluss, wie die NZZ schreibt.

Bytyqi habe vom Zürcher Migrationsamt für ihre Auftritte zwischen September 2018 und April 2019 keine Kurzzeitbewilligung mehr erhalten. Xhevahire Bytyqi sei eine «nicht sehr gut qualifizierte Sängerin». Und ihr «behaupteter grosser Bekanntheitsgrad in der Heimat» sei nicht hinreichend belegt.

Dieses Video mit Xhevahire Bytyqi wurde knapp 170'000-mal aufgerufen. Video: Youtube/Nipinipit Visar Bytyqi

Eine Weisung des Migrationsamts verlangt, dass Musiker aus Drittstaaten «für eine musikalisch wertvolle Darbietung auf hohem Niveau» Gewähr bieten, wenn sie eine Kurzaufenthaltsbewilligung wollen. Und sie müssen den Nachweis über ihre Qualifikation selber vorlegen. Das habe auch Xhevahire Bytyqi getan, schreibt die NZZ weiter. Sie habe ihrem Visumsantrag die Bestätigung einer kosovarischen Vereinigung angefügt, deren Abteilung für Gesang und Tanz sie angehöre. Zudem sei sie seit 2004 regelmässig in der Schweiz als Sängerin tätig gewesen.

Migrationsamt suchte nach Musikvideos

Doch das Migrationsamt suchte selber Clips auf Youtube und stiess auf drei Musikvideos mit 3500 bis 31'000 Aufrufen. Das reichte dem Amt nicht, weder in Bezug auf die Bekanntheit, noch in Bezug auf die Qualifikation. Als Rekursinstanz entschied die Zürcher Sicherheitsdirektion ebenfalls gegen die Sängerin – obwohl Bytyqi weitere Dokumente nachgereicht hatte, auch andere Youtube-Videos und ein Mittelschuldiplom in der Fachrichtung Musik.

Gegen den Entscheid wehrte sich Ramadan Millaku, ein Restaurant- und Clubbesitzer aus Glattbrugg, der Bytyqi buchen wollte. Er zog den Fall vors Verwaltungsgericht – und scheiterte auch dort.

Ein Kollateralschaden?

Woher kommt die neue Strenge der Behörden? Sie hängt mit dem Cabaret-Tänzerinnen-Statut zusammen, das vor 25 Jahren zum Schutz von Frauen eingeführt wurde, die in Kontaktbars arbeiten. Damit konnten Cabaret-Tänzerinnen aus Drittstaaten während acht Monaten in der Schweiz arbeiten.

Das Statut wurde 2016 abgeschafft, weil es Ausbeutung und Menschenhandel begünstige. Doch findige Besitzer von Animierclubs holten Frauen jetzt einfach mithilfe der Kurzzeitbewilligungen ins Land – als Künstlerinnen. Deshalb verschärfte das Zürcher Migrationsamt die Zulassungspraxis.

Dass Ramadan Millaku keine Sängerinnen mehr buchen kann, sei wohl ein Kollateralschaden, vermutet die «NZZ». Seinen Club Villa Miami in Glattbrugg habe er schliessen müssen, weil nicht nur Bytyqi, sondern auch andere Sängerinnen keine Kurzaufenthaltsbewilligungen mehr erhielten. (hwe)

Erstellt: 02.08.2019, 10:11 Uhr

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