So einfach ist der Ausstieg nicht

Der Ausstieg aus der Technologieeuphorie der 70er-Jahre wird nicht nur teuer, sondern auch langwierig.

Der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen spiegelt sich in der Aare. Foto: Keystone

Der Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen spiegelt sich in der Aare. Foto: Keystone

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Das Zürcher Ja zum Atomausstieg fiel mit 70 Prozent deutlich aus. Das wäre wohl kaum der Fall gewesen, hätten die Stimmenden die vollmundige Vorlage kritisch hinterfragt. Denn selbst wenn es Stadtrat Türler gelingen sollte, die AKW-Beteiligungen des EWZ zu verkaufen, ist damit noch kein Ausstieg vollzogen. Die AKW Gösgen und Leibstadt würden unter neuer Regie munter (oder mit gelegentlichen Störungsunterbrechungen) weiterlaufen, womöglich 60 Jahre lang. Wenn die Gegner angesichts dessen im Abstimmungskampf von einer «Mogelpackung» sprachen und behaupteten, die Stadt und ihre Bewohner würden sich mit einem Verkauf lediglich aus der Verantwortung stehlen und die Suppe (immerhin hat Zürich jahrzehntelang den angeblich so billigen Atomstrom bezogen) von anderen auslöffeln lassen, so ist das nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die Vorlage hat jedoch zumindest das Verdienst, die Öffentlichkeit mit der inzwischen höchst defizitären Atomstromproduktion zu konfrontieren. Der einst so billige Strom offenbart mehr und mehr seine wahren Kosten. Seit auch die Endlagerkosten von Jahr zu Jahr realistischer berechnet werden, wird Atomstrom rechnerisch so teuer, dass keiner die AKW-Anteile wird haben wollen. Der Ausstieg aus der Technologieeuphorie der 70er-Jahre wird nicht nur teuer, sondern auch langwierig. Auf die Jahrzehnte «billigen» Atomstroms werden Jahrzehnte teurer Rückbau- und Entsorgungsaktivitäten folgen. Von den Jahrtausenden und Jahrmillionen der «Endlagerung» des nuklearen Abfalls ganz zu schweigen.

Erstellt: 05.06.2016, 21:05 Uhr

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