So hat der Kanton Zürich gewählt

Historisches und grosse Überraschungen: Alles zur Wahl im Überblick.

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Der Regierungsrat

Obwohl die TA-Umfrage schon vor den Wahlen darauf schliessen liess, rechnete niemand damit, dass der 32-jährige Martin Neukom (Grüne) in den Zürcher Regierungsrat gewählt würde. Doch spätestens nach der vierten Hochrechnung am Sonntagnachmittag war klar, dass die Sensation gelingt: Der Kandidat der Grünen schnappte der FDP den zweiten Regierungssitz weg. Eine historische Schlappe für die Partei: Der Freisinn hatte noch nie weniger als zwei Sitze in der Zürcher Kantonsregierung.

FDP-Kandidat Thomas Vogel erreichte mit 109'624 Stimmen zwar das absolute Mehr von 103'357 Stimmen, liegt mit diesem Resultat aber noch hinter der SVP-Kandidatin Natalie Rickli, die 116'096 Stimmen erzielte. Rickli konnte daher den zweiten Regierungsratssitz für die SVP verteidigen – und mit ihrer Wahl sind zum zweiten Mal seit 2007 wieder vier Frauen in der siebenköpfigen Zürcher Regierung.

Alle bisherigen Regierungsrätinnen und Regierungsräte schafften die Wiederwahl problemlos. Das beste Resultat erzielte Mario Fehr (SP) mit 173'231 Stimmen. Auf Platz zwei liegt überraschenderweise Jacqueline Fehr (SP) mit 149'104 Stimmen, Platz drei nimmt Ernst Stocker (SVP) mit 140'951 Stimmen ein.

Der Kantonsrat

Auch bei den Kantonsratswahlen gab es grosse Überraschungen. Gewinner sind die Grünliberalen und die Grünen, die je neun Sitze dazugewinnen. Die GLP hat nun einen Wähleranteil von 12,9 Prozent, die Grünen 11,9 Prozent.

Für die Bürgerlichen war der Wahlsonntag hingegen ein Debakel. Die SVP verliert im Kanton Zürich 5,6 Prozent Wähleranteile. Sie kommt noch auf 24,5 Prozent der Wählenden (minus 9 Sitze). Auch die FDP verliert 1,7 Prozent (minus 2 Sitze).

SP, CVP und EDU mussten je einen Sitz einbüssen. Die EVP bleibt stabil, die BDP fällt aus dem Kantonsparlament.

Der Kantonsrat im historischen Vergleich

Das hätte kaum jemand gedacht, aber die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat ist gefallen. Die SVP verliert neun Sitze und fällt fast auf das Niveau von 1995 zurück, als sie 40 Sitze hatte. SVP, FDP, CVP und EDU kommen im 180-köpfigen Kantonsparlament nur noch auf 86 Stimmen (-13). Die Linke mit SP, Grünen und AL haben 63 Sitze (+9) und die Mitte, bestehend aus GLP und EVP, 31 Sitze (+9). Somit ist die Mitte – obwohl in Sitzen am schwächsten – die eigentliche Gewinnerin. Um ein Vorhaben durchzubringen, muss sich künftig die rechte oder die linke Seite mit den Mitteparteien einigen.

Die Verliererin

Was sich in den kommunalen Wahlen im vergangenen Jahr ereignet hat, setzt sich fort: Die SVP verliert Wähleranteile. Sie ist die grosse Verliererin der Kantonsratswahlen. Die SVP hat nur in 8 von 161 Gemeinden zugelegt. Auf Gemeindeebene am meisten verloren hat die SVP in Höri (-15,6 Prozent).

Die Gewinnerin

Vor vier Jahren mussten die Grünliberalen noch eine derbe Niederlage einstecken. Nun können sie praktisch innert Jahresfrist den zweiten grossen Sieg feiern: Nachdem es der noch jungen Partei am 4. März 2018 bei den Erneuerungswahlen des Zürcher Stadtrats überraschend gelungen war, einen Sitz zu ergattern, legte sie bei den Kantonsratswahlen deutlicher zu als alle anderen Parteien.

Die GLP hat neu regelrechte Hochburgen auf dem Land. In Elgg wählten 23,1 Prozent GLP. Das hängt wohl mit dem GLP-Präsidenten Christoph Ziegler zusammen. In Otelfingen im Unterland holte die GLP 20,5 Prozent der Stimmen, in Dietlikon 20,8 Prozent und in Ottenbach im Säuliamt sogar 22,8 Prozent.

Die Neuen im Kantonsrat

38 neue Gesichter ziehen in den Kantonsrat ein. Darunter einige bekannte Namen: Die beiden Parteipräsidentinnen Corina Gredig (GLP) und Marionna Schlatter (Grüne) sind neu dabei.

Die Wiedergewählten

Sie kennen den Kantonsrats-Betrieb bereits bestens und haben die Wiederwahl geschafft.

Die Abgewählten

Unter den 18 abgewählten Kantonsrätinnen und Kantonsräten gibt es auch Polit-Schwergewichte. Zum Beispiel hat es Hans-Jakob Boesch nicht geschafft, der Parteipräsident der Zürcher FDP.

Die Stimmbeteiligung

Eine Erwartung wurde am Wahlsonntag nicht gebrochen: Die Stimmbeteiligung war tief. Von den 910'776 Wahlberechtigten nahmen knapp ein Drittel teil. An der Kantonsratswahl beteiligten sich 33,53 Prozent, an der Regierungsratswahl 31,97 Prozent.

(sip/pu/tif)

Erstellt: 24.03.2019, 19:32 Uhr

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